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Unfallbilanz in Brandenburg : SMS am Steuer kann tödlich sein

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Anzahl der Verkehrstoten in der Mark um 30 Prozent gestiegen. Experten fordern mehr Verkehrserziehung

svz.de von
erstellt am 13.Jul.2016 | 04:45 Uhr

Verkehrsexperten der Dekra rufen angesichts einer steigenden Zahl von Unfalltoten in Brandenburg nach Konsequenzen. Anlässlich der Präsentation des Sicherheitsreports 2016 warnten sie davor, die Entwicklungen einfach so hinzunehmen.

„Alarmierend, prekär, dramatisch“ – Dirk Benndorf, Leiter der Potsdamer Dekra-Niederlassung, war gestern um keinen Superlativ verlegen, als es um die Einschätzung der Verkehrssicherheit in Brandenburg ging. Im vergangenen Jahr seien in der Mark 179 Menschen im Straßenverkehr gestorben – ein Plus von fast 30 Prozent gegenüber 2014. Auch bundesweit würden die Zahlen nach Jahren mit einer positiven Entwicklung nun wieder nach oben gehen.

Nach Benndorfs Einschätzung gebe es Probleme mit der Aufmerksamkeit von Fahrern. Als Beleg für die These verwies er darauf, dass vor allem innerorts und auf Landstraßen die Unfallzahlen nach oben schnellten. „Der Verkehr auf den meisten Straßen im Land nimmt zu, gleichzeitig sind immer mehr Fahrer abgelenkt, zum Beispiel durch die Nutzung von Smartphones“, sagte Benndorf. „Im Alleen-Land Brandenburg kann jede während der Fahrt geschriebene SMS tödlich sein.“

Auch das Fahren im gestressten, übermüdeten und erschöpften Zustand nehme in der Pendlerregion Brandenburg zu, ergänzte der Experte. „Sekundenschlaf ist eine der häufigsten Ursachen für tödliche Unfälle.“ Er vermisse geeignete Präventionsmaßnahmen. „Die Mobilität und damit die Herausforderungen für die Fahrer nehmen immer weiter zu. Wie vermittelt man das den Leuten?“, so der Dekra-Experte. Nach seiner Einschätzung mache sich der teilweise Rückzug der Polizei aus der Präventionsarbeit bemerkbar. „Besuche in Schulen müssen wieder Standard werden“, so Benndorf. Auch eine TV-Sendung wie „Der 7. Sinn“ fehle derzeit. Seit 1966 wurde in kurzen Filmen im ARD-Programm auf konkrete Risiken im Straßenverkehr hingewiesen.

Mit dem Boom der Elektrofahrräder rücke derzeit ein weiteres Thema in den Blickpunkt, zu dem es bislang an Wissen fehle. „Wer klärt die Autofahrer darüber auf, wie viel schneller sich die Pedelecs im Vergleich zu herkömmlichen Fahrrädern einer Kreuzung nähern?“, fragte Dirk Benndorf. Von der Politik sei hier offenbar keine schnelle Hilfe zu erwarten. „Sie lässt sich nur mit Statistiken zum Handeln bewegen.“ Belastbare Zahlen zu Unfällen mit Pedelecs gebe es jedoch noch nicht. Ein Anstieg sei aber programmiert, weil die Verkaufszahlen enorm steigen.

Mehr Angebote für Senioren unter den Autofahrern müsse es ebenfalls geben, forderte Benndorf. Es genüge nicht, sich darauf zurückzuziehen, dass die Mehrzahl der Unfälle nach wie vor von jungen Fahrern verursacht werde. Enorme Chancen für die Verkehrssicherheit sieht die Dekra im assistierten beziehungsweise autonomen Fahren. „Die Fehlerquelle Mensch sollte Schritt für Schritt ersetzt werden“, findet Benndorf. Die jüngsten Nachrichten über tödliche Unfälle mit selbstfahrenden Autos in den USA würden nur zeigen, dass die Technik „noch nicht perfekt“ sei. Tatsache sei aber, dass in Deutschland Autos mit technischen Assistenzsystemen deutlich seltener an Unfällen beteiligt seien.

 

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