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Brandenburg

20. November 2017 | 16:48 Uhr

Bürgerbefragung : Skaten in Sanssouci?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bürgerbefragung zur sportlichen Nutzung des Weltkulturerbes verärgert Schlösserstiftung

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Zwei Jahre lang war es ruhig um das strittige Vorhaben, Eintritt für den Park von Sanssouci zu nehmen. Jetzt plant die Stadtverwaltung eine Bürgerbefragung zu diesem Thema und verärgert die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.

Geht es nach der Potsdamer Stadtverwaltung, dann bekommen demnächst 5700 repräsentativ ausgesuchte Einwohner der Landeshauptstadt einen Brief. Ein Fragebogen flattert ihnen da ins Haus mit je 36 Fragen zu den Parks der Schlösserstiftung Sanssouci, Babelsberg und dem Neuen Garten.

Am Ende kommt die Gretchenfrage, ob und wie viel Eintrittsgeld man bereit wäre, für einen Besuch im Park Sanssouci zu zahlen. Außerdem müssen noch einige Angaben zur Person geleistet werden und danach wäre die Stadtverwaltung umfassend informiert. Wenn es denn so weit kommt. In der Stadtverordnetenversammlung regt sich Widerstand. Vor allem aber ist die Stiftung über eine Reihe von Fragen verschnupft. So wird gefragt, ob die Potsdamer mehr Liegewiesen, Kinderspielplätze oder Flächen für den Hundeauslauf in den Parks haben wollen. Die Bürger dürfen auch ankreuzen, ob die Wiesen für mehr Sport genutzt werden sollen, ob sie auf den Hügeln mehr rodeln wollen oder sich Skaterflächen in den Welterbeparks wünschen.

In der Stiftung, mit der die Aktion nicht abgestimmt war, kommen seitdem Zweifel auf, ob man in der Stadtverwaltung den Unterschied zwischen einem Gartendenkmal und einem Freizeitpark überhaupt kennt. Mit den Fragestellungen könnten Nutzungserwartungen geweckt werden, die im Widerspruch zur Parkordnung stehen, sagte Pressesprecher Frank Kallensee.

Stattdessen hätte sich die Stiftung gewünscht, die Bürger zu fragen, wie wichtig ihnen der Schutz des Gartendenkmals ist. Während Saskia Hünecke, Stadtverordnete der Grünen, den Fragebogen noch einmal überarbeiten lassen will, findet Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg die Fragestellungen interessant. Er berichtet, dass er früher mit seinen Kindern im Babelsberger Park rodeln war – bevor die Schlösserstiftung sich eine strenge Parkordnung gab. Scharfenberg könnte sich vorstellen, sie wieder zu lockern.

Dabei sollen gerade im Babelsberger Park die Terrassen, Blumenrabatte und Wasserläufe aufwändig restauriert werden. Da auch um das Orangerieschloss die historische Blütenpracht wieder erstehen soll, muss die Stiftung die Pflege in den Parks intensivieren. Da die drei Träger der Stiftung, Bund, Berlin und Brandenburg, nicht mehr Geld für Personal (zusätzliche Gärtner) bereitstellen, sollte die Generaldirektion durch einen Modellversuch mit Parkeintritt in Sanssouci zusätzliches Geld erwirtschaften.

Die Stadt konnte dies abbiegen, indem sie sich bereit erklärte, bis 2018 jährlich eine Million Euro für zusätzliche Gärtnerstellen zu zahlen. Das Geld sollte ursprünglich durch die Einführung einer Tourismusabgabe des Einzelhandels eingespielt werden. Gegen dieses Vorhaben liefen die Händler der Innenstadt Sturm und so wurde stattdessen eine Bettensteuer eingeführt. Diese brachte 2015 rund 950 000 Euro ein.

Mit der Million von der Stadt finanzierte die Stiftung zusätzliche zwölf Gärtner. Allerdings hat Generaldirektor Hartmut Dorgerloh einen weiteren Bedarf von 80 Gärtnern bis 2020 errechnet. Mit einem Parkeintritt von zwei Euro pro Besuch und damit vier Millionen Euro Einnahmen käme man dem Ziel schon sehr nahe. Spätestens bis zum Jahr 2018 soll nun eine Grundsatzentscheidung herbeigeführt werden.  

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