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Zugvögel in Brandenburg : Sie sind zurück: Hallo Störche!

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Erste Rückkehrer sind in Brandenburg gelandet / Nahrungssuche gestaltet sich noch ziemlich schwierig

svz.de von
erstellt am 29.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Die Kraniche hatten den Schnabel vorn – nun kommen auch die ersten Störche aus ihren Wintergefilden in Spanien und Frankreich nach Brandenburg zurück – und müssen sich bis zum Frühling bei der Nahrungssuche mit Regenwürmern begnügen. In der Prignitz sind noch keine Störche gesichtet worden.
Kurtchen Rotschnabel bekommt Jahr für Jahr Hummeln im Hintern, wenn er fernab von Brandenburg an seinen Horst in Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) denkt. Der Weißstorch ist am Dienstag in seinem Zuhause am Scheunenberg gesichtet worden.

Nicht überraschend, denn Kurtchen, wie ihn nicht nur die Freienwalder liebevoll nennen, gehört immer zu den ersten Störchen, die es zurück in die Mark zieht. „Meist kommt er zwischen Ende Februar und Anfang März an“, sagt Bernd Müller von der Regionalgruppe „Die NaturFreunde Deutschlands“.

Der Freienwalder Storch, der wie seine Partnerin Erna Schwarzfeder seinen Namen den bekannten Naturschützern Erna und Kurt Kretschmann zu verdanken hat, ist clever genug, sich im Gegensatz zu den meisten Artgenossen die weite Reise nach Afrika zu ersparen und überwintert stattdessen im nahen Spanien. Statt 10 000 Kilometer bis nach Südafrika oder etwa die Hälfte bis in den Sudan muss er nur 3000 zurücklegen und ist somit ganz gut bei Kräften, um den Horst zeitnah auf Vordermann zu bringen.

Die lange und oft beschwerliche Ostroute aus Afrika über den Bosporus führt nach Ansicht von dem Storchenexperten Bernd Ludwig auch dazu, dass manche Pärchen so spät Brandenburg erreichen oder zu erschöpft sind, um noch Nachwuchs in die Welt zu setzen. „Vergangenes Jahr sind viele erst Ende April angekommen – dann brüten sie nicht mehr“, sagt Ludwig, der sich ehrenamtlich beim Naturschutzbund (Nabu) dem Storchenschutz widmet.

Die lange Reise ist aber nur ein Grund, warum die Storchenpopulation seit einigen Jahren zurückgeht. Die Adebar-Pärchen seien weit entfernt davon, mindestens zwei Junge aufzuziehen – 2015 sind statistisch betrachtet nur 1,5 Junge tatsächlich flügge geworden. Hauptursachen sind Ludwig zufolge die unterschiedliche Ankunft der Brutpartner, die Witterung, Kämpfe sowie Nahrungsmangel durch die Intensivierung der Landwirtschaft.

All das und noch viel mehr hatte zur Folge, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Brutpaare von 1424 (2014) auf 1362 Paare gesunken ist. Um die Ursachen der Brutpaare in Brandenburg ist vor Wochen zwischen Ludwig und dem Verband „Forum Natur Brandenburg“, einer Dachorganisation von Bauern, Jägern, Anglern, Fischern sowie Grund- und Waldbesitzern, ein Streit entbrannt.

Seine Forderung, beispielsweise den Biozideinsatz in der Landwirtschaft zu unterbinden sowie Nahrungsflächen zu erhalten und zu verbessern, löste eine hitzige Debatte aus. Ludwig macht die Bauern mitverantwortlich dafür, dass Störche weniger Futter finden und Brandenburg zunehmend den Rücken kehren.

Fakt ist: Das Storchenland schlechthin ist sowieso das benachbarte Polen. „Eventuell kommen auch einige polnische Störche rüber nach Brandenburg“, sagt Ludwig. Nur beweisen lasse sich das schwer, weil sie in Polen meist nicht beringt werden. Nachgewiesen ist zumindest, dass ein Storch bei Wellmitz (Oder-Spree), der den Abflug verpasst und nahe der Oder überwintert hat, ursprünglich aus Polen stammt.

In Brandenburg, sagt der Landeskoordinator für den Weißstorchschutz, sei ihm kein Fall bekannt, dass ein Storch die kalte Jahreszeit vor Ort verbracht hat. „In Süddeutschland sieht das schon anders aus – Bayern hatte etwa 200 Winterstörche“, weiß Ludwig.

Die ersten Brandenburger Rückkehrer, die sich wie Kurtchen Rotschnabel in den zurückliegenden Monaten auf spanischen Mülldeponien ernährt haben, müssen nun die Augen nach Regenwürmern offen halten – bis der Frühling Einzug hält. „Solange es keinen Bodenfrost gibt, ist das kein Problem“, sagt Bernd Ludwig.

Alternativen dazu gibt es wenig. Die Feldmaus sei ohnehin Mangelware auf dem Speiseplan und für Amphibien sei es noch zu kalt. Durchhalten heißt die Devise – und warten auf die Partnerin, die auf der Hut sein muss, falls eine unliebsame Konkurrentin schneller war und sich ins gemachte Nest setzt. „Da kann es schon zu Kämpfen mit tödlichem Ausgang kommen“, weiß Ludwig.

Kurtchen Rotschnabel aus Bad Freienwalde aber weiß längst, worauf es ankommt. „Die Störchin möchte gute Gene für ihren Nachwuchs vom Vater haben. So achtet sie auf Sauberkeit und Ordnung“, sagt Bernd Müller von den NaturFreunden. Ist Kurtchen mit dem Frühjahrsputz im Horst durch, kann Erna Schwarzfeder landen.

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