Wildkräuter : Sie kennt sich aus mit Kraut und Rüben

Kräuterfee Tina rät, Pflanzen einzeln und mit Bedacht zu sammeln, nur anzufassen, war man eindeutig identifiziert hat.
Kräuterfee Tina rät, Pflanzen einzeln und mit Bedacht zu sammeln, nur anzufassen, war man eindeutig identifiziert hat.

Zum Ehrentag des Unkrautes unterwegs mit Kräuterfee Tina

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28. März 2020, 05:00 Uhr

Der 28. März ist der Tag des Unkrautes. Eingeführt wurde er 2003 von Garten-Bloggern, die den unerwünschten Begleitern von Kulturpflanzen ein kleines Denkmal setzen wollten. „Als der Gärtner schlief, pflanzte der Teufel das Unkraut“, sagt Martina Bauer und fügt hinzu, dass sie sehr froh ist, dass besagter Gärtner offenbar Langschläfer war. Sonst gäbe es diese Vielfalt der Wildkräuter vielleicht nicht. Als solche bezeichnet Kräuterfee Tina, wie Martina Bauer sich auch nennt, die zu Unrecht verrufenen Pflanzen. Was sie können, wozu sie genutzt werden und wie herzhaft sie munden, verrät die Kräuterfee beim gemeinsamen Spaziergang.

Manche Wildkräuter haben das Zehnfache an wertvollen Inhaltsstoffen wie ihre kultivierte Verwandtschaft, erzählt Kräuterfee Tina. Eine Pflanze in der freien Natur hat einige Aufgaben. Sie muss Fressfeinde abwehren und Bestäuber anlocken. Ätherische Öle helfen dabei. Wilde Pflanzen schützen sich durch Bitterstoffe. Die Geschmacksrichtung mögen viele hungrige Mäuler nicht, sie gilt auch als Warnsignal. Was bitter schmeckt, kann unverträglich, sogar giftig sein. Es gibt auch andere Bitterstoffe. Sie wirken verdauungsfördernd, gelten als appetitanregend. Manche ätherischen Öle und Bitterstoffe können für Menschen sogar heilsam sein.

Welches Kraut gut ist, welches weniger und welche zum tödlichen Genuss werden können, weiß die Kräuterfee. „Weil die Menschen den bitteren Geschmack nicht mögen, haben sie ihn aus den Pflanzen herausgezüchtet.“ Deshalb sind die vermeintlichen Unkräuter oft wahre Wunderkräuter. Aber für das Kräuterpflücken gelten dieselben Regeln wie für das Pilzesammeln. Angefasst und eingesammelt wird nur, was einwandfrei erkannt wird. Sonst stehen lassen und nicht berühren. Denn manche dieser Pflanzen haben eine derart kräftige Wirkung, dass der Hautkontakt schon reichen kann, um sie zu spüren.

„Die Taubnessel ist die zahme Schwester der Brennnessel“, sagt die Kräuterfee, bückt sich und pflückt ein Pflänzchen. „Ich habe es auf die Blüten abgesehen“, sagt sie, zupft eine zarte lila Blüte ab, steckt sie in den Mund. Die Blüten sind hübsch anzusehen, werten Salate und Wildkräuterbutter optisch auf. Die Kräuterfee pflückt noch einige Nesseln, immer einzeln, immer die ganze Pflanze. So stellt sie sicher, die richtige Pflanze zu haben und nur die. Gesammelt wird in einem Korb mit einem angefeuchteten Küchentuch. Darin können die Kräuter zu Hause, auf Terrasse oder Balkon noch einige Stunden aufbewahrt werden. Plastiktüten eignen sich nicht, die Kräuter schwitzen und verlieren ihre wertvollen Inhaltsstoffe.

Wir laufen kurz weiter, dann bleibt die Kräuterfee stehen, geht in die Knie. Diesmal hat die Vogelmiere ihr Interesse geweckt. Wir kosten, schmeckt wie Erbsen! Tina Bauer nickt und greift erneut zu. Bei Vogelmiere, sagt sie, könne sie schwer widerstehen. Ihr Tipp zur Vogelmiere: Pellkartoffeln mit Quark und in den Quark Vogelmiere. Die steckt voller Vitamin C und ist rund ums Jahr zu finden. „Und ein Tee aus Vogelmiere löst Verschleimung“, sagt sie.

Wenige Schritte weiter kosten wir das behaarte Schaumkraut. Der Name klingt nicht nach etwas, was man in den Mund stecken möchte. Die Schärfe des Krautes überrascht. „Diese Schärfe ist ein natürliches Antibiotikum“, klärt die Kräuterfee auf.

Den nächsten Halt verdanken wir den leuchtend gelben Blüten des Schafsbockkrauts, die uns anlocken. „Aber Achtung, Schafsbockkraut gehört zu den Hahnenfuß-Gewächsen und die sind, von dieser einen Ausnahme abgesehen, giftig“, sagt die Kräuterfee. An der Grenze zum Wald treffen wir auf die Knoblauchrauke, deren beste Erntezeit jetzt ist. Später sind die würzigen Blätter bitter. Mit dem Kraut lässt sich schmackhafte Kräuter-Butter herstellen.

Im Wald finden wir auch Giersch. Die Kräuterfee hält ein Blatt ins Sonnenlicht. „Drei mal drei bist du beim Giersch dabei“, reimt sie. Die Bauernregel hilft, Giersch zu identifizieren. Denn der giftige Holunder sieht Giersch ähnlich, hat aber fünf Blätter. Junge Blätter sind gefragt, sie sind harntreibend und enthalten viel Vitamin C. Fein gehackt passen sie gut zu Möhrengemüse. Der Geschmack erinnert an Petersilie.

Der Klassiker der Wildkräuter ist Bärlauch. Die Kräuterfee hat nicht nur einen märchenhaften Namen, sie kennt auch Märchen. „Es lagen einmal drei Kelten auf der Lauer nahe der Höhle eines Bären“, erzählt sie. Der Bär verlässt die Höhle, doch statt ihn zu jagen, beobachten die Kelten ihn und sehen, wie er die unscheinbaren Blätter frisst. Sie glauben, dass der Bär die Stärke ihnen verdankt, so kam das Kraut zum Namen. In Brandenburg gibt es echten und kaukasischen Bärlauch. Letzterer bedeckt den Waldboden. Die Blätter sind schmaler als die des echten Bärlauches.

Echter Bärlauch wird manchmal mit Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen verwechselt. Was tödlich enden kann, beide Pflanzen sind hochgiftig. Die Kräuterfee kennt Stellen, an denen man echten Bärlauch findet. „Es gibt leider immer wieder Leute, die ernten Bärlauch im großen Stil. In Naturschutzgebieten ist nur die Mitnahme eines Handstraußes erlaubt“, sagt die Kräuterfee. „Sonst gilt die Sammelregel, wir nehmen nie mehr als ein Drittel.“

Kräuter sammeln ist eine ruhige und sinnliche Angelegenheit. Gier hat da nichts verloren. Es geht um die Bewegung an der frischen Luft, die Morgensonne auf der Haut zu genießen, die Gerüche aufzunehmen. Und natürlich den Gaumengenuss.

An einer Holzbank bleiben wir stehen. Die Kräuterfee holt Mörser und Stößel aus dem Rucksack, bearbeitet die Kräuter, gibt Salz dazu, fertig ist Un-Kraut-Salz. „Das stärkt dein Immunsystem“, sagt sie. Das kann in diesen Tagen nicht schaden, auf jeden Fall macht es Lust auf mehr Kraut aus Wald und Wiese.

Mehr zu den Wildkräuterführungen mit der Kräuterpädagogin, Fachkraft für Kräuter- und Gewürzkunde und Pflanzenheilkunde unter: www.kraeuterfeetina.de

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