Kriminalität : Serientäter wollte Opfer wiedersehen

Erst durch ein Großaufgebot an Beamten gelang es der Polizei, den serienvergewaltiger zu stellen.
Erst durch ein Großaufgebot an Beamten gelang es der Polizei, den serienvergewaltiger zu stellen.

Vergewaltiger zwischen Brutalität und Freundlichkeit / Brandenburgs Innenminister plädiert für mehr Unterstützung für die Opfer

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16. Juli 2020, 05:00 Uhr

Ein mutmaßlicher Serienvergewaltiger soll in Berlin und Brandenburg für mindestens acht Taten seit dem 12. Juni verantwortlich sein. Dem 29-Jährigen würden vollendete und versuchte Vergewaltigungen zur Last gelegt, sagte Oberstaatsanwalt Georg Bauer am Mittwoch. Ein Opfer ist laut Ermittlungsbehörde minderjährig. Bei drei besonders schweren Vergewaltigungen soll der Mann die Frauen mit gefährlichen Werkzeugen eingeschüchtert haben. Der 29-Jährige war am Dienstagabend von Brandenburger Polizisten festgenommen worden. Er soll in Berlin in Untersuchungshaft kommen.

Norma Schürmann vom Landeskriminalamt sagte, der Täter habe die Opfer zunächst ganz freundlich angesprochen, immer zu belebter Zeit. Danach habe er sie mit Gewalt gepackt und gewürgt. Die Opfer seien vom Weg in entlegenere Gebiete gezerrt worden. Nach der Vergewaltigung habe er eine andere Seite gezeigt und sich um sie kümmern wollen. Er habe versucht, sich mit ihnen für den nächsten Tag zu verabreden. Nach den Taten hätten DNA-Spuren gesichert werden können.

Die Berliner Staatsanwaltschaft geht von einer Anklage und späteren Verurteilung aus. Die Beweislage sei gut, so Staatsanwältin Katrin Frauenkron. Für die drei besonders schweren Fälle drohe bei einer Verurteilung eine Höchststrafe von fünf Jahren pro Tat.

Von dem mutmaßlichen Vergewaltiger hatten die Ermittler bereits Fingerabdrücke von einem früheren Laubeneinbruch. So konnte er identifiziert werden, bevor er gestellt wurde. Vor den Sexualstraftaten soll der Verdächtige zwei kriminelle Taten in Berlin begangen haben, Ende Dezember vergangenen Jahres und im März 2020.

Zuletzt soll der Mann am Dienstag in einem Wald bei Potsdam eine junge Frau vergewaltigt haben. Eine Passantin hatte die Frau in einem Waldstück zwischen Babelsberg und Dreilinden entdeckt. Polizisten aus ganz Brandenburg, aus Berlin und von der Bundespolizei waren daraufhin zu einer großangelegten Suche ausgerückt. Auch ein Polizeihubschrauber, eine Drohne, Polizeifährtenhunde und Pferde der Bundespolizei kamen zum Einsatz.

Die wenige Minuten nach der Erstmeldung eintreffenden Beamten stellten laut Polizei in der Nähe des Tatortes einen Mann auf einem Fahrrad fest, auf den die Täterbeschreibung passte. Als er die Polizisten sah, floh er in den Wald und ließ ein blaues Rad zurück. Auch ein entsperrtes Handy, das Ermittler seiner Person zuordnen konnten, wurde sichergestellt. Die Beamten verfolgten ihn. Dabei wurden mehrere Warnschüsse abgefeuert. Der Tatverdächtige flüchtete jedoch weiter. Nach seiner Festnahme an der Landesgrenze von Berlin und Brandenburg habe der mutmaßliche Vergewaltiger Widerstand geleistet und sich unkooperativ verhalten, schildert Oskar Vurgun von der Polizei Brandenburg.

Die Polizei hatte hinter mehreren Vergewaltigungen seit Mitte Juni denselben Mann vermutet. Allein zu fünf Taten soll es im Grunewald und dessen näherer Umgebung im Berliner Südwesten gekommen sein. Vergangene Woche waren Ermittler mit Bildern des Gesuchten von einem Bahnsteig in Bernau an die Öffentlichkeit gegangen, rund 300 Hinweise aus der Bevölkerung gingen ein.

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Serienvergewaltigers dringt Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) darauf, die Unterstützung für die Opfer in den Mittelpunkt zu rücken. „Keiner kann nachempfinden, wie schlimm solche Verbrechen für die Opfer sind“, erklärte er. „Gut, dass wir den Täter jetzt haben und er keinen Schaden mehr anrichten kann.“ Er dankte Brandenburgs Polizei, die den Mann gemeinsam mit Berliner Beamten ergriffen hatte. „Jetzt müssen wir uns aber darauf konzentrieren, den Opfern zu helfen.“

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