Senftleben verliert an Rückhalt

Freude bei der Jungen Union: Julian Brüning kommt auf Listenplatz 7.
Freude bei der Jungen Union: Julian Brüning kommt auf Listenplatz 7.

Parteichef acht vor der Landtagswahl mit schwachem Ergebnis zum Spitzenkandidaten gekürt / Gordon Hoffmann auf Listenplatz 5 bestätigt

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16. Juni 2019, 15:25 Uhr

Gewählt, aber mit schwachem Ergebnis. Brandenburgs CDU hat ihren Landes- und Fraktionschef Ingo Senftleben zu ihrem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 1. September gekürt. Er erhielt aber lediglich 82 von 118 Stimmen. Das entspricht nach Parteinangaben einem Ergebnis von 73,21 Prozent – doch die CDU rechnet bei Wahlergebnissen die Enthaltungen nicht mit. Sonst käme man sogar nur auf 69 Prozent. Auch die von Senftleben vorgeschlagene Landesliste wurde von den Delegierten massiv verändert. Zwar wurden die Vorsitzende der Frauenunion, Kristy Augustin, und der Generalsekretär der CDU, Steeven Bretz, planmäßig auf Listenplatz zwei und drei gewählt. Auf Platz vier wurde aber statt der stellvertretenden Landesvorsitzenden Karin Lehmann der Landtagsabgeordnete und Metallbauunternehmer Frank Bommert aus Oberhavel gewählt. Er hatte in seiner Wahlrede scharfe Kritik daran geäußert, dass Senftleben im Fall des Falles auch mit den Linken koalieren wolle. Wahlkampfleiter Gordon Hoffmann wurde dagegen auf Platz fünf bestätigt.

„Mit meinem persönlichen Ergebnis bin ich zufrieden“, sagte der Prignitzer. „Für Ingo Senftleben hätte ich mir ein stärkeres Ergebnis gewünscht, aber ich kenne ihn seit 15 Jahren und weiß, dass das für ihn erst recht ein Ansporn ist, ein stärkeres Ergebnis zu erzielen.“

Weit nach vorne gewählt wurde auch der Vorsitzende der Jungen Union, Julian Brüning. Er gewann in einer Kampfabstimmung gegen Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski Listenplatz sieben. „Es ist ein großes Privileg für mich und für die Junge Union, so ein Wahlergebnis zu bekommen“, sagte der in Altdöbern, Drebkau, Großräschen und Senftenberg für den Landtag kandidierende Brüning.
„Ich habe meiner Partei auch einiges zugemutet“, räumte Senftleben gegenüber dieser Zeitung ein. „Ich habe aber heute von meiner Partei den schönsten denkbaren Auftrag bekommen: nämlich für das Amt des Ministerpräsidenten zu kandidieren.“ Mit seinem Listenvorschlag wollte Senftleben eigentlich auch erreichen, dass aus jedem Kreisverband ein Kandidat unter die ersten 20 gewählt wird. Das verhinderten die Delegierten ebenso wie sein Ziel, zehn Frauen unter die ersten 20 Plätze der Landesliste zu bringen. Am Ende waren es sogar Frauen, wie die Kreischefin von Potsdam-Mittelmark, Saskia Ludwig, die Männer auf Plätzen vorschlugen, auf denen Senftleben eine Frau vorgesehen hatte. Vergeblich hatte Senftleben die Delegierten zuvor auf den bevorstehenden Wahlkampf eingeschworen. „Ich habe Bock auf Brandenburg, ich habe Bock auf unsere Mannschaft“, sagte Senftleben. Angesichts der Frauen-Fußball-WM in Frankreich benutzte er in seiner Rede mehrere Bilder aus dem Fußball: „Ich kenne auch die Anzeigetafel, die uns auch vor einigen Tagen vorgehalten wurde“, sagte Senftleben zu einer kürzlich veröffentlichten Meinungsumfrage, die die CDU mit 17 Prozent lediglich auf dem dritten Platz hinter AfD und SPD sah. „Und deswegen sage ich auch: Es ist völlig egal, wer in der Halbzeit ein Tor weniger oder mehr geschossen hat – es geht um das Endergebnis."

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