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Lausitzring : Selbstfahrende Autos im Test

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Rennstrecke wird Europas größtes Testareal für automatisiertes Fahren / Wirtschaft sieht in Dekra-Plänen einen Gewinn für die Region

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Als unlängst die Nachricht vom Verkauf des Lausitzrings an die Prüfgesellschaft Dekra bekannt wurde, fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Motorsportfans bangten, dass mit Autorennen nun Schluss sein könnte. Aus der Wirtschaft kam dagegen viel positive Resonanz, weil mit einem Schub für die Region gerechnet wird. Die Pläne, wie es auf dem Lausitzring-Areal einmal zugehen wird, werden konkreter.

Die Prüfgesellschaft Dekra will das größte Testzentrum Europas für automatisiertes Fahren hier in Südbrandenburg schaffen, wie der Leiter des Dekra Technology Centers, Volker Noeske, gestern in Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz) erläutert. Zum Verkauf gehörten nicht nur die Rennstrecke, sondern auch Flächen im direkten Umfeld. Diese seien im ursprünglichen Bebauungsplan bereits als mögliche Erweiterungsflächen vorgesehen gewesen. Insgesamt wird das Dekra-Areal nach der Übernahme 540 Hektar groß sein. Auf den zusätzlichen Flächen könnten sich Partner-Firmen ansiedeln, so Noeske.

Die Prüfgesellschaft will zudem ihre Mitarbeiterzahl kräftig aufstocken und verdoppeln. Derzeit seien knapp 100 Menschen, darunter Ingenieure und Techniker, im bereits bestehenden Testcenter neben der Rennstrecke beschäftigt, sagt Noeske. Ziel sei, dass es rund 200 werden. Zwei Drittel der Mitarbeiter des Lausitzrings will die Prüfgesellschaft übernehmen, die zu den angepeilten rund 200 Mitarbeitern zählen werden. Die Zwei Drittel beziehen sich auf 33 unbefristete Stellen, die es zum Zeitpunkt der Übernahme am 1. November am Lausitzring gibt, wie Dekra hinzufügt. Unlängst bezifferte der Ex-Eigentümer des Lausitzrings die Mitarbeiterzahl auf 43. Für einige Mitarbeiter der Eurospeedway Verwaltungs GmbH bedeutet der Verkauf den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Dass mit dem Motorsport und Großveranstaltungen durch die neue Ausrichtung Schluss sein könnte, deutet sich derzeit nicht an. Es gibt bereits Gespräche mit Dritten für das nächste Jahr, wie es von der Prüfgesellschaft heißt. Dekra selbst will künftig nicht Veranstalter sein, ist aber für Anfragen von außen offen. Nach Dekra-Angaben gehen alle Beteiligten derzeit davon aus, dass das Motorsport-Festival mit dem Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) und dem ADAC GT Masters auch im nächsten Jahr auf dem Lausitzring ausgerichtet werden kann. Im eigentlichen Lausitzring werden neue Streckenvarianten geschaffen, wie Noeske erläutert. Grundsätzlich soll der Ring für Großveranstaltungen weiter nutzbar sein. Auch die Zuschauertribünen sollen bleiben.

Die Errichtung des Lausitzrings war ein Großprojekt in Brandenburg gewesen. Er eröffnete im Jahr 2000. In das Renn- und Testgelände waren Landes-Fördermittel von mehr als 120 Millionen Euro geflossen. Jetzt nach 17 Jahren hätte der Lausitzring saniert werden müssen.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) betonte gestern bei seinem Besuch in Klettwitz, dass er „außerordentlich froh“ darüber sei, dass Dekra das Gelände gekauft hat. Das Land wolle die Ansiedlung von Partnern mit allen Mitteln unterstützen. Gerber geht davon aus, dass in der Region hochqualifizierte Ingenieurjobs entstehen werden. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK), Wolfgang Krüger, sieht in den Dekra-Plänen eine „Initialzündung“ in der Lausitz mit Blick auf den Strukturwandel und die schwindende Bedeutung der Braunkohle. „Jetzt haben wir ein Leuchtturmprojekt.“  

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