Quereinsteiger : Seiteneinsteiger an Schulen auf Rekordwert

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Sie sind fast unverzichtbar, um ausscheidende Lehrer zu ersetzen, doch reicht die Qualifizierung?

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09. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Um Unterrichtsausfall wegen fehlender Lehrer zu vermeiden, sind in Brandenburg zum laufenden Schuljahr 1013 Seiteneinsteiger ohne Lehramtsstudium eingestellt worden - so viele wie nie zuvor. Darunter sind 460 unbefristet eingestellt, von denen nur 23 am dreimonatigen Kompaktkurs zur Qualifizierung teilnahmen. 28 Seiteneinsteiger besuchten einen einmonatigen Kurs, dem sich eine zweimonatige berufsbegleitende Fortbildung anschloss.

Im vorangegangenen Schuljahr hatten die Schulämter 765 Seiteneinsteiger befristet und unbefristet eingestellt, teilte das Bildungsministerium auf Anfrage der AfD-Landtagsfraktion mit. Auch künftig müssten viele Seiteneinsteiger für den Schuldienst angeworben werden, da die Schülerzahlen bis etwa 2025/2026 weiter steigen und Tausende Lehrer in den Ruhestand gehen. Da die Lehrerausbildung im Land lange Zeit vernachlässigt wurde, stehen frühestens in vier bis fünf Jahren ausreichend Lehramtsabsolventen zur Verfügung.

Zur Sicherung des Unterrichtsniveaus hatten die Lehrergewerkschaften mit dem Bildungsministerium vor zwei Jahren vereinbart, Seiteneinsteiger fachlich zu qualifizieren. Danach sollte den künftigen Lehrern eine pädagogische Grundqualifizierung in drei Varianten angeboten werden, darunter ein dreimonatiger Kompaktkurs.

Günther Fuchs, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, wirft dem Ministerium vor, die vereinbarte Qualifizierung der Seiteneinsteiger permanent zu hintertreiben. Die jüngsten Ergebnisse der Pisa-Studie seien ein Alarmzeichen. Fuchs: „In Brandenburg haben alle Maßnahmen, die wir zur Qualitätssicherung ergriffen haben, nicht gewirkt.“ Die Gewerkschaft empfehle ihren Personalräten, der Einstellung von Lehrkräften ohne Grundqualifizierung nicht zuzustimmen. Brandenburgs Pädagogen-Verband will seinen Personalräten empfehlen, keiner Einstellung von Seiteneinsteigern ohne dreimonatigen Kompaktkurs zuzustimmen.

Derzeit sind nach Ministeriumsangaben rund 1000 Seiteneinsteiger an den Grundschulen tätig, 14 Prozent aller Lehrkräfte. Offiziell gibt es 2433 Seiteneinsteiger, das sind rund zwölf Prozent der märkischen Lehrerschaft. Laut Ministerium unterrichtet ein Teil von ihnen seit Jahren erfolgreich.

Der Sprecher des Landeselternrats, René Mertens, warf dem Ministerium vor, sich schleichend von seiner Zusage zu verabschieden, die Kompaktqualifizierung für Seiteneinsteiger vor dem Unterrichtsbeginnt verbindlich einzuführen.

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