Großbrand gelöscht : „Sechser im Lotto“

Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen im Gebiet der Lieberoser Heide. Zuvor hatte ein schweres Unwetter den Großbrand nördlich von Cottbus gelöscht.  Fotos: Patrick Pleul
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Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen im Gebiet der Lieberoser Heide. Zuvor hatte ein schweres Unwetter den Großbrand nördlich von Cottbus gelöscht. Fotos: Patrick Pleul

Starker Regen prasselt auf Flammen in der Lieberoser Heide auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz nieder

svz.de von
31. Mai 2017, 05:00 Uhr

Starker Regen prasselt plötzlich vom Himmel. Die Scheibenwischer des Geländewagens schieben die dicken Tropfen und Hagelkörner weg. Revierförster Romeo Buder fährt langsam durch ein Waldstück der Lieberoser Heide nördlich von Cottbus. „Es ist ein Sechser im Lotto“, sagt er über das heftige Gewitter, das sich gestern gegen Mittag über dem riesigen Landstrich – ein ehemaliger Truppenübungsplatz – entlädt. Ein Großbrand hielt das Gebiet seit Montag in Atem – Buder spricht von rund 250 Hektar betroffener Fläche. Er hofft, dass die Region mit dem Gewitterguss jetzt über den Berg ist.

Der 56-Jährige hat nur zwei Stunden in der Nacht zu Dienstag geschlafen, wie er ruhig erzählt. Feuerwehren aus dem Umland sind auch im Dauer-Einsatz. Der Revierförster stoppt an einer Stelle mit mehreren Glutnestern. Brandgeruch liegt in der Luft. „Der Regen drückt den Rauch runter“, erklärt Buder. Er geht davon aus, dass es solche Mini-Glutnester noch tagelang geben wird.

In der Nähe fahren mehrere Löschfahrzeuge vorbei und besprühen die Wälder mit Wasser. Buder und die Einsatzkräfte befinden sich in einem Landeswald-Gebiet in der Lieberoser Heide, die sich auf mehr als 25 000 Hektar Fläche erstreckt. Dorthin hatte sich das Feuer ausgebreitet. Die Flammen nahmen ihren Ursprung in einem munitionsbelasteten Teilgebiet, das heute von einer Naturstiftung betreut wird. Russische Soldaten machten zu DDR-Zeiten dort Schießübungen. Es war einer der größten Truppenübungsplätze in der DDR.

Das Problem für die Einsatzkräfte: Weil sich noch Munition im Boden befinden könnte, darf niemand auf das Gelände. Also konnten sie nur aus einer gewissen Entfernung Löschversuche unternehmen oder das Gelände kontrolliert abbrennen lassen. Der Wind machte ihnen immer wieder zu schaffen, weil er das Feuer unberechenbar machte und die Flammen wanderten.

Auf einem Sammelplatz am Rande des Großbrand-Gebiets geht es zu wie in einem Taubenschlag. Von rund 70 Einsatzkräften spricht der Kreisbrandmeister. Von der Bundesstraße 168 treffen immer wieder Löschfahrzeuge ein. Andere fahren weg, um in nahe gelegenen Orten wieder Wasser aus Brunnen oder aus ehemaligen Lehmgruben, die sich mit Grundwasser gefüllt haben, zu holen. Sie wirbeln große Staubwolken auf. Warum das Feuer ausbrach, ist unklar. Revierförster Buder tippt auf Brandstiftung.

Während des heftigen Regenschauers blitzt und donnert es direkt über dem Gebiet. Ein Blitz schlägt sogar in ein Löschfahrzeug ein – zwei Reifen platzen. Ein Löschpanzer, der vor dem Gewitterguss extra geordert wurde, weil er auch über munitionsbelastete Flächen fahren kann, wurde wieder abbestellt. Das Gewitter hat die Arbeit erledigt.

Nach Angaben des Potsdamer Innenministeriums sind nach Ende des Einsatzes (12.39 Uhr) etwa 200 Hektar Heide- und Waldfläche verbrannt. Überwiegend handelte es sich um Bodenfeuer, wie es weiter hieß.

Seitdem die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg 2003 eine Fläche von 3150 Hektar der Lieberoser Heide kaufte, kam es nach ihren Angaben bislang noch nicht zu einem Großbrand. Revierförster Buder zufolge, der seit den 1970er Jahren mit dem Gebiet betraut ist, gab es aber in den 80er Jahren mehrere Großbrände und in den Jahrzehnten davor auch.

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