Schwarzarbeit belastet Baubranche

Unternehmen bekämpfen unseriöse Kollegen und Milliardenschäden mit Weißbuch

svz.de von
14. September 2015, 18:17 Uhr

Sieben Milliarden Euro Umsatz hat die Bauwirtschaft in Berlin-Brandenburg 2014 gemacht – davon gehen Experten zufolge 30 bis 40 Prozent auf das Konto von Schwarzarbeit. Weil das auch die Branche zunehmend belastet, gibt es in Berlin nun ein Weißbuch für seriöse Firmen.

„Ein Baubetrieb ist schnell gegründet. Ein Strohmann und zwei Leitern – schon kann man anfangen“, fasst Frank-Peter Muschiol das Problem der Branche etwas überspitzt zusammen. Was der Bau-Unternehmer mit Firmen in Berlin und Brandenburg damit sagen will: Der Wildwuchs ist groß. Für Auftraggeber ist es schwierig, bei einer Vergabe schwarze Schafe unter den Bietern zu erkennen. „Deshalb ist der Anteil illegaler Geschäfte auf dem Bau ungewöhnlich hoch, und deshalb geraten die seriösen Firmen zunehmend unter Druck.“

Muschiol ist hoch erfreut, dass Gewerkschaft, Sozialkasse und Branchenverbände für Berlin nun modellhaft ein Weißbuch entwickelt haben. Gestern wurde das Projekt vorgestellt. Seit Jahresanfang können sich dafür auf einem Online-Portal Firmen registrieren, die unter den Angestellten eine Facharbeiterquote von mindestens 50 Prozent haben, die pünktlich ihre Sozialbeiträge bezahlen, nicht gegen das Mindestlohn-Gesetz verstoßen und zu 75 Prozent mit Vollzeitkräften arbeiten. „Es geht nicht um Marktabschottung“, betont Muschiol. „Wenn wir die Schwarzarbeit nicht in den Griff bekommen, schadet das uns allen.“

Bislang haben sich laut Fachgemeinschaft Bau 135 Berliner und neun Brandenburger Firmen eingetragen, bei allein in Berlin 1900 Baubetrieben ein geringer Anteil. Muschiol hofft, dass sich eine Aufnahme ins Weißbuch auch für in Berlin operierende Firmen aus Brandenburg als Wettbewerbsvorteil entpuppt. Denn öffentliche, aber auch private Bauherren seien angehalten, sich auch zum Selbstschutz für eine seriöse Firma zu entscheiden. „Sonst sind sie bei Gesetzesverstößen mitunter haftbar“, sagt Muschiol. Und er unterstreicht: „Adressat für das Weißbuch ist der Auftraggeber. Er hat jetzt die Wahl.“

Christiane Witek, Sprecherin der Fachgemeinschaft Bau, räumte allerdings ein, dass unterlegene Bieter möglicherweise gegen eine Auftragsvergabe via Weißbuch klagen könnten. Man müsse sehen, wie das dann ausgeht. „Aber dass sich Unterlegene juristisch wehren, ist schon jetzt der Fall. Es ändert sich also für die Auftraggeber wenig.“

Auch Axel Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Berlin-Brandenburg, ist zuversichtlich: „Schwarzarbeit ist ein schwerer Verstoß gegen die Grundlagen des Sozialstaats und schädigt zudem die ehrlichen Wettbewerber. Wir sind stolz, dass die Sozialpartner des Bauhauptgewerbes in Berlin sich gemeinsam gegen diese Art von Wettbewerbsverzerrung stellen.“

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