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Erfindung aus Potsdam : Schutzwall gegen Blutsauger

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein junges Unternehmen aus der brandenburgischen Landeshauptstadt produziert Textilien, die vielerlei Insekten abwehren.

svz.de von
erstellt am 28.Jul.2016 | 04:45 Uhr

Seit einem Jahr stellt eine junge Potsdamer Firma spezielle Textilien her, die als Schutz vor stech- und beißwütigen Insekten dienen. Vor allem Fernreisende schätzen die Produkte. Jetzt rüstet das Start-up auch die Berliner Olympiamannschaft aus.

Mancher Urlauber spürt schon vor dem Abflug einen leichten Juckreiz, allein wenn er daran denkt, welche kleinen Krabbeltiere ihn im Hotelzimmer erwarten – vor allem in jenen Herbergen, die sich nicht mit mehreren Sternen schmücken. Wanzen und Flöhe lauern in den Nischen, durch das Fenster schwirren Mücken, die schwere Krankheiten übertragen können. Also wird mit Insektensprays aufmunitioniert.

„Das ist ein riesiger Markt“, sagt Ellen Wölk, die zusammen mit ihrer Schwester Maren und Marili Werle eine Firma gegründet hat, die Textilien mit integriertem Insektenschutz anbietet. Nicht nur in tropischen Ländern müsse man vielerlei Getier abwehren, auch hierzulande sei der Bedarf groß. Allein Bettwanzen – kleine Überlebenskünstler, die gerne im Gepäck mitreisen – breiten sich nach ihren Aussagen in Großstädten aus.

Ellen Wölk verweist auf Statistiken der Fachleute: So zählte der Landesverband der Schädlingsbekämpfer im Jahr 2007 noch 200 Bettwanzen-Einsätze in der Hauptstadt, 2015 waren es schon knapp 1400. Zumeist Hotels, aber auch Menschen, die viel im Ausland unterwegs sind, würden Kammerjäger aus diesem Grund engagieren, sagt der Verbandsvorsitzende Mario Heising. „Pauschaltouristen sind da weniger betroffen.“

Permetex, so heißt das Potsdamer Unternehmen, setzt auf ein Insektizid (siehe Kasten), das in Fasern der von der Firma produzierten Schlafsäcke, Laken, Kissenbezüge, Kofferhüllen oder Kleidersäcke „verankert“ wird. Das Mittel ist zwar schon seit den 1970er-Jahren auf dem Markt, dauerhaft präparierte Textilien habe es jedoch noch nicht im Handel gegeben, betont die 39-jährige Maren Wölk. Das Verfahren ist nach ihren Recherchen für die Ausrüstung von Soldaten im Auslandseinsatz entwickelt worden. 70 Mal lässt sich das Material waschen, bevor sich der Wirkstoff verflüchtigt.

Die Idee wurde von den Unternehmerinnen während einer weinseligen Runde mit Freunden geboren. „Und sie blieb am Morgen danach noch in unseren Köpfen“, berichtet Ellen Wölk und lacht. Nach einer zähen Startphase lief der Vertrieb der Textilien über einen Online-Shop zuletzt vielversprechend. Einen neuen Schub erhoffen sich die drei Gründerinnen, die von der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) gefördert werden, durch die Kooperation mit dem Berliner Olympiastützpunkt.

Über die Marketingkampagne „Zeit für Rio“ rüstet Permetex Dutzende Athleten mit Insektenschutz-Laken aus. „Für uns ist das eine riesige Sache“, sagt Ellen Wölk. „Mehr Aufmerksamkeit können wir kaum bekommen“, so die 37-Jährige, die mit ihrer Schwester früher als Projektmanagerin tätig war.

Schließlich sorgt die Ausbreitung des Zika-Virus in Brasilien für Verunsicherung unter den Sportlern, die in Rio um Medaillen kämpfen. Übertragen wird der Erreger von Mücken. Ein großes Interesse gibt es zudem in der Branche der Schädlingsbekämpfer. Diese als Partner zu gewinnen, sei Gold wert, sagt Maren Wölk.

Ein Unternehmer testet die Textilien sogar regelmäßig im Labor. Zahlreiche Anregungen kommen darüber hinaus von Kunden. „Gastronomen haben wegen Tischdecken angefragt, die Fruchtfliegen vertreiben sollen“, erzählt Ellen Wölk. Andere nutzen die Laken als Decke für den Hund, damit sich Flöhe nicht in den eigenen vier Wänden ausbreiten. Gewünscht wurden von manchen Globetrottern auch schon Hemden und Hosen. „Beschwerden hat es noch keine gegeben“, sagt Ellen Wölk. Im Gegenteil: In Internet-Foren würden die Produkte als Geheimtipp gehandelt. 

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