Klassenfahrten : Schulen erhalten Millionenbudget für Reisen

Etwa 300 Seiteneinsteiger ohne Lehramtsprüfung sind in den letzten Jahren an den Schulen des Landes eingestellt worden.
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Etwa 300 Seiteneinsteiger ohne Lehramtsprüfung sind in den letzten Jahren an den Schulen des Landes eingestellt worden.

Lehrern werden Kosten für Klassenfahrten erstattet.

svz.de von
19. Dezember 2013, 12:09 Uhr

Schulen sollen nunmehr über eigene Finanzmittel verfügen, die sie je nach Bedarf ausschöpfen können, sagt der Sprecher des Bildungsministeriums, Stephan Breiding. Insgesamt soll den Lehrkräften ab kommendem Schuljahr rund 1,8 Millionen Euro jährlich für Klassenfahrten zur Verfügung gestellt werden. „Das ist eine klare Verbesserung“, so der Sprecher weiter. Früher habe das Budget jährlich nur zwischen 150 000 und 250 000 Euro betragen.

Nach den neuen Richtwerten können laut Ministerium in der Primarstufe sowie in der Sekundarstufe I jeweils zwei Fahrten über einen Zeitraum von vier Tagen stattfinden, in der gymnasialen Oberstufe ist eine Fahrt über insgesamt acht Tage möglich. Förderschulen können pro Klasse vier Fahrten planen. Bis zur Einrichtung des Budgets gelten die im Frühjahr beschlossenen Übergangsregelungen.

Ines Mülhens-Hackbarth, Vorsitzende des Landesschulbeirats, will indes noch keine Prognose wagen, ob die künftigen Mittel reichen. „Früher haben Lehrer nur ein Bruchteil ihrer Dienstreisekosten erstattet bekommen“, erklärt sie. „Daher hatten sich die meisten nicht die Mühe gemacht, irgendetwas in den Ämtern abzurechnen. Es gibt also keine belastbaren Statistiken.“

„Wir haben seit Jahren auf das Problem hingewiesen, aber das Ministerium hat sich sehr spät bewegt“, sagt der Vorsitzende des Landeselternrats, Wolfgang Seelbach. Teilweise seien die Kosten für die Pädagogen auch durch Sammelaktionen unter Eltern aufgebracht worden. Abgesagt wurden Klassenfahrten wegen der ungeklärten Finanzierung nur in Einzelfällen, berichtet Seelbach. „Es gab immer wieder solidarische und kreative Lösungen.“

Für Schüler und erwachsene Begleitpersonen ändert sich durch die neue Regelung des Ministeriums allerdings nichts. „Das Budget wurde allein für Lehrer eingerichtet“, so Breiding. Kinder aus sozial schwachen Familien können bei Exkursionen und eintägigen Ausflugsfahrten aus dem Schulsozialfonds gefördert werden. Bei mehrtägigen Reisen bestand für Hartz-IV-Empfänger bislang die Möglichkeit, Zuschüsse aus dem Bildungspaket zu erhalten. „Klassenfahrten sind pädagogisch sinnvoll“, sagt Seelbach. „Sie sind keine Luxusreisen.“

Hintergrund der geänderten Finanzierung war die erfolgreiche Klage eines Mathematiklehrers im April vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder). Der an einem Frankfurter Gymnasium tätige Pädagoge hatte es nicht länger hingenommen, für Klassenfahrten Hunderte Euro aus eigener Tasche zu bezahlen. Danach wurden die Planungen an Schulen auf Weisung des Ministeriums vorübergehend gestoppt.

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