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Politische Bildung in Brandenburg : Schülerrat will Pflichtfach Politik

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Liste mit Forderungen veröffentlicht. Ministerium verspricht Korrekturen bei Abi-Leistungskursen

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Der Landesschülerrat hat sich mit einer Liste von Forderungen an die Landesregierung gewandt. Auf dem Weg zum Abitur sehen die Vertreter der Jugendlichen in Brandenburg Korrekturbedarf. Auch aus aktuellem Anlass wünscht sich der Schülerrat mehr Augenmerk auf Demokratie-Erziehung. „Politische Bildung sollte ein Pflichtfach sein. Die ist gerade in Zeiten von Populismus, Menschenfängern und Rechtsextremismus wichtig.“ Auch soziale Netzwerke würden zur schnellen und übereilten Meinungsbildung beitragen sowie mitunter falsche Informationen verbreiten. Die Schule müsse gerade Abiturienten gesellschaftliche und politische Zusammenhänge besser vermitteln.

Bei den Bündnisgrünen im Landtag stößt die Forderung auf Skepsis. „Wer neue Unterrichtsinhalte vorschlägt, sollte auch sagen, was dafür wegfallen soll. Sonst geht die Rechnung nicht auf“, sagt die Bildungsexpertin Marie-Luise von Halem. In einem anderen Punkt kann sie den Schülern folgen. So spricht sich der Rat dafür aus, dass jeder Brandenburger Abiturient die Wahl haben möge, ob er die Hochschulreife nach der 12. oder nach der 13. Klasse anstrebt. Manchen Schülern sei der Leistungsdruck beim kurzen Weg zum Abitur zu groß, andere würden ihre berufliche Laufbahn möglichst früh beginnen wollen, heißt es zur Begründung.

Zwar gebe es in Brandenburg bereits „die luxuriöse Situation“, dass Gymnasien das Abi nach zwölf und Gesamtschulen nach 13 Jahren anbieten, so die Grünen-Politikerin. „Aber auch ich würde mir wünschen, dass sich Gymnasien für das Abitur nach 13 Jahren entscheiden können und Schulen auf dem Land sogar beide Wege in einem Haus anbieten können.“

In einem viele Schüler seit Jahren belastenden Punkt zeichnet sich eine Lösung ab. So steht das 2009 eingeführte und viel kritisierte System von fünf Leistungskursen in der Abiturstufe vor dem Aus. „Wir haben fünf Kurse á vier Wochenstunden, in Berlin sind es nur zwei Kurse á fünf Stunden. Trotzdem schreiben wir das gleiche Mathe-Abitur wie die Berliner“, kritisiert Johannes Hänig, der Sprecher des Schülerrats.

Im Vorjahr hatte die Kultusministerkonferenz Brandenburg zu Korrekturen verdonnert. Im Interesse einer besseren Vergleichbarkeit der Abi-Standards soll es bundesweit nur noch zwei bis vier Leistungskurse geben. Ralph Kotsch, Sprecher des Bildungsministeriums, sicherte zu, dass man sich danach richten werde. Bis zum Herbst sollen die neuen Regelungen erarbeitet werden in Absprache mit dem Landesschülerrat. Gelten sollen die neuen Regeln laut Ministerium ab Sommer 2018.

Der Schülerrat prophezeit, dass die Neuerungen, mögen sie auch wünschenswert sein, die Schulen „stark durchschütteln“ werden.

Außerdem kommt aus den Reihen der Schülerschaft die Klage, dass in Brandenburg auf dem Weg zum Abitur weiter zu viel Wert auf das Auswendiglernen von Fakten gelegt werde, statt Schlüsselkompetenzen für das selbstständige Aneignen von Wissen zu vermitteln. Kaum jemand werde im späteren Leben darauf angewiesen sein, die Bestandteile einer Pflanzenzelle auswendig herunterbeten zu können, betonen die Schülervertreter. Ministeriumssprecher Kotsch hält dagegen: „In den Abiturprüfungen geht es nicht darum, auswendig gelerntes Wissen wiederzugeben, sondern die in den Aufgaben enthaltenen Probleme zu lösen. Dafür sind allerdings bestimmte Wissensgrundlagen erforderlich.“ Und Marie-Luise von Halem findet, dass kurzfristiges Auswendiglernen bestimmter Fakten ein Training für Situationen im Beruf sein kann. „Während einer Präsentation kann man nicht ständig Dinge im Netz recherchieren, die einem gerade entfallen sind.“

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