Brandenburg : Schneller bauen ohne Architekten

Architektenkammer gegen kleine Bauvorlageberechtigung in Brandenburg.

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04. August 2019, 05:00 Uhr

„Es dauert, dauert und dauert“, beschreibt Ulrich Zimmer die Zeit zwischen der Planung und Genehmigung eines Hausbaus in Brandenburg. Der Bauunternehmer aus Müllrose (Oder-Spree) rechnet bei vorhandenem Bebauungsplan mit sechs bis sieben Monaten, ohne ihn ein Dreivierteljahr und länger, bevor die 28 Mitarbeiter loslegen können. Zeit, die für den Bauherren und seinen Kredit zur Belastung wird, so Zimmer.

Für die Handwerkskammern bietet sich eine einfache Lösung an: Die „kleine Bauvorlageberechtigung“. Die gibt es in den Altbundesländern sowie Berlin. Sie besagt, dass Meister des Bauhauptgewerbes Bauanträge einreichen können, ohne Beteiligung von Architektenbüros. Als Brandenburgs Bauordnung 2016 geändert wurde, hatten die Kammern die Neuregelung für Gebäude mit bis zu zwei Wohnungen und 250 Quadratmeter Grundfläche, eingeschossige Gewerbegebäude und Garagen dieser Größe gefordert. Die CDU unterstützte die Neuregelung. Die Regierung aus SPD und Linker lehnte die Neuerung jedoch ab.

Relativ still und leise scheint bei Rot-Rot ein Umdenken eingesetzt zu haben. SPD und Linke versprechen in den Wahlprogrammen, die kleine Bauvorlagenberechtigung in der nächsten Wahlperiode in der Bauordnung zu verankern. Die Debatte, ob es ein Fehler war, das nicht 2016 zu beschließen, scheint nicht erfolgt zu sein. Wirtschaftspolitiker der Regierungsfraktionen hatten das noch vor der Sommerpause auf den Weg bringen wollen, konnten sich aber in ihren Fraktionen nicht durchsetzen.

Widerstand leistet vor allem die Brandenburgische Architektenkammer. Geschäftsführerin Beate Wehlke erklärt, dass die Regelung, die in einigen Bundesländern bestehe, aus der Nachkriegszeit stamme, als qualifizierte Planer fehlten. Seitdem habe die Komplexität des Bauens zugenommen. Es gehe um Planungsrecht, Denkmal- und Naturschutz, Straßen- oder Wegerecht. Diese Kenntnisse könne man sich erst im achtsemestrigen Studium und der zweijährigen Berufspraxis als Architekt erwerben.

Laut Wehlke kämpfen die Architekten für die Förderung der Baukultur und den Schutz der Bauherren. Sie fordern für leichteres Planen und Bauen bundesweit einheitliche Bauordnungen. Die kleine Bauvorlageberechtigung sollte sich darin aber nicht wiederfinden.

Zimmer hat keine Zweifel an der Eignung seiner Fachleute für statische Berechnungen. Die Handwerkskammern betonten 2016 in der Landtagsanhörung zur Änderung der Bauordnung, bauausführende Meister müssten ohnehin die Planungen der Architekten auf Fehler prüfen, da sie sonst mithafteten.

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