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DRF-Station Angermünde : Schnelle Rettung aus der Luft

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Luftrettung verzeichnet 2016 überdurchschnittlich viele Einsätze für Rettungshubschrauber Christoph 64 im Norden Brandenburgs.

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Zu über 1300 Einsätzen wurde der in Angermünde stationierte Rettungshubschrauber Christoph 64 im Jahr 2016 gerufen. Diese Zahl liegt deutlich über dem Durchschnitt in anderen Stationen der DRF-Luftrettung in ganz Deutschland.

Es sind oft dramatische Minuten, die sich zwischen Start und Landung des rotweißen Helikopters am Notfallort abspielen. Ein 57-Jähriger bricht nach einem plötzlichen Herzinfarkt bewusstlos zusammen und muss reanimiert werden, ein junges Mädchen droht nach einem Motorradunfall zu verbluten, ein Vater und sein zehnjähriger Sohn werden bei einem Autounfall schwer verletzt, Kinder treiben bei Unwetter im Schlauchboot auf dem See...

Für das Team der Luftrettungsstation in Angermünde, die an 365 Tagen im Jahr mit einem Piloten, Notarzt und Rettungsassistenten besetzt ist, bedeutet das Alltag. Sie sind Profis. Jeder weiß, was zu tun ist, jeder Handgriff sitzt, jeder kann sich auf jeden verlassen. An manchen Tagen wird Christoph 64 sieben, achtmal aus der Leitstelle angefordert. Über Weihnachten war es dagegen sehr ruhig. Silvester verbrachte Rettungssanitäter Martin Bosch, der Dienst hatte, in der Station, obwohl der Angermünder Hubschrauber nur tagsüber vom Sonnenauf- bis -untergang eingesetzt wird. „Ich wohne in Berlin. Da lohnt es sich für mich nicht, abends nach Hause zu fahren, weil ich am nächsten Morgen zeitig wieder im Dienst sein muss, und auch der Pilot kommt von außerhalb.“ So feierte das Team der Luftrettung eben auf der Angermünder Dienststelle ins neue Jahr. Auch Weihnachten haben sich die Diensthabenden in der Stationsküche eine Ente in den Ofen geschoben und Bescherung gemacht. Bei so einem anspruchsvollen Job, der hundertprozentige Konzentration und oft starke Nerven erfordert, sei Entspannung zwischendurch und ein gutes Betriebsklima wichtig, findet Martin Bosch.

Die Station, die im August 2015 eröffnet wurde, schließt nach 25 Jahren Planungszeit endlich die letzte große Lücke in der Notfallversorgung in Nordbrandenburg. Das Einsatzgebiet erstreckt sich über die Landkreise Uckermark, Barnim, Märkisch-Oderland, Oberhavel und die Region Ücker-Randow. Seit dem ersten Tag hob Christoph 64 rund 2000 Mal ab, um Menschen in oft lebensbedrohlichen Situationen schnelle Hilfe aus der Luft zukommen zu lassen. Damit liegt der Angermünder Stützpunkt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. „Vorher mussten alle diese Notfälle über den bodengebundenen Rettungsdienst versorgt werden. Das bedeutete bei der großen Fläche oft lange Fahrzeiten und macht einmal mehr die Bedeutung der viel schnelleren Notfallversorgung aus der Luft für die Bevölkerung der Region sichtbar“, betont Martin Bosch. Internistische, neurologische Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall führen die Statistik der Einsätze an, gefolgt von Unfällen. Vor allem Motorradunfälle bilden in der Uckermark einen traurigen Rekord. Spitzenzeiten sind April und Mai, wenn die Zweiradsaison beginnt, sowie der Herbst, wenn die Straßen feucht werden.

Um solche Notfälle bestmöglich zu versorgen, ist Christoph 64 wie eine fliegende Intensivstation ausgerüstet. Sie verfügt beispielsweise über ein hochmodernes mobiles Ultraschallgerät, um innere Blutungen sofort erkennen zu können. Jetzt soll auch ein mechanisches Reanimationsgerät angeschafft werden, das für den beengten Raum des Helikopters geeignet ist. Bisher musste man sich dieses Gerät von der Bodenrettung ausborgen. Zwischen 12 000 und 14 000 Euro kostet das Gerät. Dafür läuft gerade eine zweckgebundene Spendenaktion.

Die DRF-Luftrettung ist eine gemeinnützige Organisation. Die Krankenkassen bezahlen nur den Stationsbetrieb sowie die Noteinsätze. Alles darüber hinaus, wie besondere Ausstattung oder auch Training und Ausbildung muss über Spenden eingeworben werden, etwa jeder fünfte Euro. Deshalb sind die roten Luftretter der DRF auch oft mit Informationsständen und Spendenaufrufen im Stadtbild zu sehen.

 

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