ARD-Mann als Postboote : Schmückt jedes Fotoalbum

Aus alter Verbundenheit unterstützte gestern Tagesschau-Sprecher Jens Riewa in Lehde Postbotin Andrea Bunar beim Start der Kahnzustellungssaison.
Aus alter Verbundenheit unterstützte gestern Tagesschau-Sprecher Jens Riewa in Lehde Postbotin Andrea Bunar beim Start der Kahnzustellungssaison.

Kahn-Postbotin im Spreewald unterwegs – Manche halten das Ganze für Imagepflege. Touristen stehen drauf

svz.de von
05. April 2017, 12:00 Uhr

Jens Riewa überbringt Neuigkeiten – das ist sein Job als ARD-Nachrichtensprecher. Das Fernsehstudio tauscht der 53-Jährige gestern allerdings mit einem Spreewalddorf aus – und seine Kleidung ist auch ganz anders als sonst: Ein Posthorn prangt auf seinem Rücken – er steckt in einem Postboten-Outfit. „Diese Schuhe möchte ich gar nicht mehr ausziehen“, sagt Riewa begeistert. „Damit kannste bis zum Himalaya laufen und zurück.“ Der gebürtige Spreewälder hilft an diesem Tag beim Verteilen von Briefen und Paketen mit dem Postkahn im Lübbenauer Ortsteil Lehde. Dort hat die Saison für diese ungewöhnliche Zustellung begonnen.

Als Postbotin Andrea Bunar mit dem gelben Postkahn, den sie mit einem großen Rudel bewegt, am Ufer anlegt, begrüßt Riewa sie mit „Frau Kollegin“. Die 46-Jährige antwortet vielsagend: „Wir werden das beide schon schön schaukeln.“ Später füttert Riewa auf der Kahntour fleißig Briefkästen und ruft: „Die Post ist da!“

In dem brandenburgischen Spreewalddorf Lehde wird seit 120 Jahren die Post so verteilt – heute noch im Frühjahr und Sommer. Davor holten die Bewohner ihre Briefe sonntags beim Kirchgang ab. Im Winter geht es für Bunar zu Fuß über kleine Brücken, die Wege sind dann aber länger zu den 65 Haushalten, die teilweise auf Inseln stehen. Dass die Deutsche Post DHL Group auf Riewa für das 120. Postkahn-Jubiläum kam, liegt auch an seiner Herkunft. Der 53-Jährige wurde in Lübbenau geboren und wuchs im nahe gelegenen Lübben auf, wie er erzählt.

Es gibt noch eine andere Verbindung: Riewa jobbte nach dem Abitur in den 1980er Jahren zu DDR-Zeiten mal für zwei Monate als Postbote in Lübben. „Ich musste mir das Geld für mein erstes Moped verdienen – mein Vater wollte da nichts beisteuern“, sagt der Nachrichtensprecher. „Ich erinnere mich liebend gern an diesen verrücktesten Job, den ich jemals hatte.“ Verteilt habe er zum Beispiel Briefe, Zeitungen und Illustrierte.

Seit dieser Zeit hasse er Fernsehzeitschriften, berichtet Riewa und lacht. Der Spreewald bedeute für ihn Heimat. Die Gegend sei „gemacht für Leute, die sich erden wollen“.

In Lehde wird nicht nur die Post per Kahn auf einer rund acht Kilometer langen Strecke verteilt, es gibt auch spezielle Kähne für Müllabfuhr und Feuerwehr. Diese Besonderheit zieht jährlich jede Menge Touristen an. Im Sommer reihen sich die Ausflugskähne auf den kleinen Wasserstraßen aneinander, während viele Paddler unterwegs sind. Und irgendwo dazwischen macht die Postbotin ihre Arbeit. Die Kahnfährleute binden sie in ihre Geschichten ein, die sie den Touristen erzählen, während sie die Kähne mit einem langen Rudel durch das Wasser staken. „Sie schmückt so ziemlich jedes Fotoalbum“, sagt der Sprecher der Spreewald-Tourist-Information Lübbenau, Daniel Schmidgunst. Die Postbotin gelte als Attraktion, der Tourismus sei froh, dass es ihren Kahn gebe.

Touristen-Attraktion okay, aber könnte der Postkahn womöglich nur eine Imagepflege oder gar aufgesetzte Folklore sein? Die Deutsche Post DHL Group begründet seinen Betrieb so: Weil der Spreewald ein Biosphärenreservat sei, wolle man sich für den Naturschutz engagieren. Zudem gehe es dem Unternehmen darum, generell seine CO2-Emissionen zu reduzieren.

Ein Ende der Postzustellung per Kahn steht demnach nicht an. Und er ist auch nicht die einzige Besonderheit, die die Deutsche Post in dieser Hinsicht zu bieten hat: Ein Zusteller benutzt zum Beispiel eine Seilbahn, um auf die Zugspitze zu gelangen. 

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