Scheitert Vorzeigeprojekt in Storkow? : Schloss Hubertushöhe auf der Kippe

Schloss Hubertushöhe am westlichen Ufer des Storkower Sees
Schloss Hubertushöhe am westlichen Ufer des Storkower Sees

Das Storkower Tourismusprojekt droht zu scheitern. Erst eine Ausstiegsdrohung bewegt die Verwaltung zur Bewilligung von Umgestaltungsanträgen.

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27. März 2018, 05:00 Uhr

Der Ausbau des Schlosses Hubertushöhe bei Storkow (Oder-Spree) zu einem Kunst- und Literaturpark steht auf der Kippe. Die Brüder Opolka erwägen, das Schloss Hubertushöhe bei Storkow verkaufen. Das seit sechs Jahren betriebene Projekt, einen Kunst- und Literaturpark zu entwickeln, sei beendet, erklärte Rainer Opolka am Freitag. Opolka hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben: Es scheine Bewegung in die Sache zu kommen, sagte er gestern auf Anfrage. „Dann würden wir es gerne noch einmal mit aller Kraft versuchen. Viele Menschen haben ihre Hoffnung in dieses Projekt gelegt.“

Das Vorhaben, das die beiden Brüder Opolka stemmen wollten, war ehrgeizig. Im Park von Schloss Hubertushöhe, das ihnen seit Jahren gehört, sollten Literaturpfade entstehen mit Aphorismen und Gedichten. Ein Künstlerdorf war geplant und eine Kunsthalle. Eine 38 Meter hohe Plattform sollte den Blick in die Landschaft frei geben. Kunstpfade sollten bis nach Wendisch Rietz und zu den Groß Schauener Seen führen. Die Stadt Storkow hatte ihr Tourismuskonzept auf dieses Vorhaben abgestimmt, ihren Bauhof verlegt, damit dort Parkplätze für den Besucheransturm entstehen können.

Sechs Millionen Euro haben die Brüder in den vergangen Jahren in die Hubertushöhe investiert, sagte Rainer Opolka. Das Schloss habe sich nie gerechnet, auch bei den Vorgängern nicht. Nach so langer Zeit stufe das Finanzamt ein solches nicht gewinnbringendes Eigentum als Liebhaberei ein, dann sind keine Abschreibungen mehr möglich. Auch deshalb soll jetzt die Reißleine gezogen werden. Vor allem aber der Bauantrag von der Unteren Naturschutzbehörde sei immer wieder abgelehnt worden. Die geplante 15 Millionen-Investition im Landschaftsschutzgebiet ist damit erledigt, so Opolka.

Die Schuld sieht der Mäzen, der deutschlandweit mit dem Kunstprojekt „Die Wölfe sind zurück“ für Aufsehen gesorgt hatte, bei einigen Mitarbeitern der Kreisbehörde, die partout keine Genehmigungen erteilen wollten. Er habe von allen Seiten unterstützende Worte gehört, aber unterstützt habe man sie letztlich nicht, sagt Rainer Opolka mit Blick auf die Potsdamer Ministerialebene. Namentlich nennt er Umweltminister Jörg Vogelsänger. Sein Haus und die Kreisverwaltung hätten sich die Verantwortung immer hin- und hergespielt.

Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD9 erklärte schon in der vergangenen Woche, dass er das Verfahren vor einem Jahr an die Untere Naturschutzbehörde abgeben habe. „Damit ist der Kreis verantwortlich“, so Vogelsänger. „In Genehmigungen werde ich mich nicht reinhängen.“

Genau das ist für Opolka der Punkt: Die Politik lasse die Verwaltung tun, was sie wolle. Er ist überzeugt, dass sein Bauantrag genehmigungsfähig gewesen wäre. Auch die Umwandlung eines Bootshauses in ein Restaurant. Denn das hätte nicht weiter ins Wasser geragt als der jetzige Bau. „Ich habe schon mit Maklern geredet, es gibt Interessenten für das Schloss“, sagt Opolka noch.

Cornelia Schulze-Ludwig, Bürgermeisterin von Storkow spricht von einem Desaster für ihre Stadt. Schließlich hat das Vorhaben eine zentrale Rolle für die Kulturentwicklung der ganzen Region spielen sollen und die Kommune habe sich stadtplanerisch darauf konzentriert. Sechs Jahre Arbeit seien hin. Die Region habe an einem Strang gezogen. Auch dem Investor bescheinigt sie Kompromissbereitschaft.

Am späten Freitagnachmittag kam die überraschende Stellungnahme des zuständigen Landratsamtes in Beeskow: Der Bauantrag sei befürwortet worden. Aber die Entscheidung müsse letztlich in Potsdam fallen. Deshalb sei sie in dieser Woche zum Hause Vogelsänger geschickt worden.

Doch für das seit fünf Jahren geplante Projekt muss der Bebauungsplan verändert werden. „Wir haben dafür in den vergangenen Jahren fast alle Hindernisse aus dem Weg geräumt“, betonte der Erste Beigeordnete des Landkreises, Sascha Gehm, am Montag. „Aber über die Befreiung einer sieben Hektar großen Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet muss das Ministerium entscheiden.“ Daher habe man den Vorgang vergangene Woche nach Potsdam geschickt.

Im Umweltministerium war das Schreiben gestern noch nicht eingegangen. Ministeriumssprecher Hans-Joachim Wersin wiederholte den Standpunkt, dass sein Haus die Entscheidung bereits vor einem Jahr an den Landkreis abgegeben habe.

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