zur Navigation springen

Brücke Molchow : „Schlechter bewertet als sie ist“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ex-Tiefbauamtsleiter kritisiert Gutachten, die vor dem Brückenneubau angefertigt wurden – Baudezernent dementiert

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Um die Brücke im Ortsteil Molchow neu bauen zu können, wurde sie schon vor Jahren in Gutachten schlechter bewertet als sie ist – davon ist der frühere Tiefbauamts-Leiter Manfred Krell überzeugt. Neuruppins Baudezernent Arne Krohn weist die Vorwürfe von sich.

Des Öfteren hatte Krell den Vorwurf geäußert, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Er kritisiert, dass das Planungsbüro, das den Entwurf für die neue Brücke gefertigt hat, zuvor ein Gutachten über den Zustand der alten erstellte. Er kann sich nicht erklären, warum die Experten 2009 eine Note von 3,5 erteilt hatten – dieselbe, die 2016 vergeben wurde. „In sieben Jahren muss eine Brücke verlieren“, so Krell. „Die Brücke ist schlechter geschrieben worden als sie ist.“

Schon auf der Sondersitzung des Bauausschusses hatte Neuruppins Baudezernent Arne Krohn die Vorwürfe „aufs Allerschärfste“ zurückgewiesen. Zwar stammt das Gutachten von 2009 tatsächlich von der Ingenieurgemeinschaft Setzpfand, einem Unternehmen, aus dem das Planungsbüro IGS Ingenieure hervorging, von dem der Entwurf der Stahlbogenbrücke stammt.

Dem Vorwurf seines früheren Mitarbeiters Krell widerspricht Krohn aber. „Die Brücke wurde jedes Jahr geprüft, und wir haben das immer ausgeschrieben“, sagte er. In den vergangenen zwölf Jahren wurde dem Bauwerk ständig ein „ungenügender“ Zustand bescheinigt – auch von anderen Büros. 2011 und 2012 war die Note mit 3,7 noch schlechter. 40 000 Euro gab die Stadt daher aus, um Schäden am Überbau und der Beplankung zu beseitigen.

Das brachte eine geringfügige Verbesserung, auch wenn schon seit Jahren klar sei, dass ein Neubau unumgänglich ist, so Krohn. Mitunter wurden die Mängel bei den Gutachten anders gewichtet, auch wenn die finale Note gleich ausfiel, erklärte der Baudezernent.

Der Neubau war bereits vor einigen Jahren angestoßen worden, wurde aber 2014 für die Stendenitz-Brücke aufgeschoben. Krohn erinnert sich an Gespräche 2010 mit dem Ortsbeirat. „Damals ging es eher darum, ob es eine Auto- oder eine reine Fußgängerbrücke sein soll“, sagt er. Über das Aussehen des Bauwerks sei nicht diskutiert worden. Nach der jüngsten Überprüfung 2016 war klar, dass mit dem Neubau nicht mehr gewartet werden kann, sagt der Baudezernent. Das ausschlaggebende Gutachten stammte vom Dresdner WKP Planungsbüro für Bauwesen, nicht von der Ingenieurgemeinschaft Setzpfand.

Dass die Brücke über den Rhin für viele ein emotionales Thema ist, wurde in den Diskussionen um den Neubau immer wieder deutlich. Zuletzt scheiterten Molchows Ortsvorsteher Uwe Schürmann und seine Mitstreiter mit ihrem Versuch, die Stadt von ihrem Alternativ-Entwurf zu überzeugen. Stundenlang hatten Vertreter der Verwaltung, Anwohner und Stadtverordnete im Juli bei der Sondersitzung des Bauausschusses darüber diskutiert. Eine so intensive Diskussion zu einem Vorhaben in einem Ortsteil hatte es bis dato nicht gegeben.

Nächster Schritt in Sachen Brückenbau ist die Ausführungsplanung. Mit der Ausschreibung für den Bau rechnet Krohn frühestens für September. Auch mit Schürmann wird der Baudezernent sich nochmals treffen. Dabei hofft der Chef des Baudezernats auf gute Gespräche. „Ich nehme das nicht persönlich, und ich hoffe, er auch nicht“, sagt Krohn. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen