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Kirche der fliegenden Spaghettimonster : Schilderkrieg in Templin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die „Kirche der fliegenden Spaghettimonster“ klagt gegen das Land Brandenburg

Bei Religion hört der Spaß auf, manchmal werden dann Gerichte bemüht. Eigentlich ist die „Kirche der fliegenden Spaghettimonster“ eine sarkastische Parodie, 2005 von dem amerikanischen Physiker Bobby Henderson in die Welt gebracht, um die Schulbehörde im US-Bundesstaat Kansas zu verspotten. Diese hatte festgelegt, dass im Biologieunterricht nicht nur Darwins Evolutionstheorie, sondern auch das fundamental-religiöse „Intelligent design“ gelehrt wird, nach dem Gott die Welt erschaffen habe.

Hendersons fliegendes Spaghettimonster fand Anhänger auch auf anderen Kontinenten, vor allem unter Atheisten und Religions-Gegnern, stieß allerdings auch immer wieder auf Behörden, die mit Unverständnis reagierten, sodass Auseinandersetzungen mit den Pastafari genannten Anhängern schließlich häufig vor Gericht endeten.

So erging es letztlich auch dem Brandenburger Ableger: Die im uckermärkischen Templin beheimatete Pasta-Monster-Gemeinde hatte Schilder an den Ortseingängen aufgehängt, die unter dem Abbild eines glubschäugigen Spaghettimonsters auf die wöchentliche „Nudelmesse“ aufmerksam machen sollten – ausgerechnet an jenen Masten, an denen auch die katholische und evangelische Kirche mit Schildern auf ihre Gottesdienste hinwiesen. Die Kirchen ließen sich das nicht gefallen und beschwerten sich beim Land Brandenburg. „Dabei hatten wir uns gerade mit dem Bürgermeister und dem zuständigen Landesbetrieb Straßenwesen mündlich geeinigt, dass wir künftig eigene Masten aufstellen“, ärgert sich der oberste Templiner Pastafari Rüdiger Weida. Doch zu einer schriftlichen Bestätigung dafür kam es nicht mehr. Statt dessen verkündete die damalige Brandenburger Kulturministerin Sabine Kunst (SPD), dass die „Nudelmesse“-Schilder zu verschwinden hätten. Handele es sich bei den „fliegenden Spaghettimonstern“ doch nicht um eine Kirche, sondern um eine Religionsparodie „ohne ernsthafte religiöse Substanz“. „Wir haben auch nie behauptet, eine Religion zu sein“, kontert Weida.

Vielmehr handele es sich bei den Pastafari um eine Weltanschauungsgemeinschaft, die laut Grundgesetz den Religionsgemeinschaften gleichgestellt sein müsse, sagt der Templiner, der seine Auffassung am heutigen Mittwoch (10 Uhr) vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) durchsetzen will.

Die „Nudelmesse“-Schilder hängen inzwischen wieder an den vier Ortseingängen von Templin. Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke) hat ihnen Asyl gewährt an städtischen Masten, an denen die Kommune über ihre Städtepartnerschaften informiert. Ob das Brandenburger Kulturministerium die Angelegenheit nach dem Wechsel an seiner Spitze – Sabine Kunst ist inzwischen Präsidentin der Berliner Humboldt-Universität – noch immer so bierernst nimmt, ist unklar. Zu einem laufenden Verfahren wolle man sich derzeit nicht äußern, hieß es auf Nachfrage.

Das „Spaghettimonster“ machte in Brandenburg übrigens schon einmal Bekanntschaft mit der Justiz: Der frühere Jugendsozialarbeiter Weida wollte auf seinem Passbild für den Ausweis eine Piratenkappe tragen („Der Prignitzer“ berichtete).

Kopfbedeckungen sind in Deutschland auf Passfotos nicht erlaubt, aus religiösen Gründen sind Ausnahmen erlaubt. Die gewährten ihm die zuständige Behörde und das Potsdamer Verwaltungsgericht jedoch nicht. Das Gericht ließ auch keine Berufung zu. Weidas Anwalt legte Zulassungsbeschwerde ein, die das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg seinen Angaben nach auch annahm. In der Sache steht eine Entscheidung noch aus.

 

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