Schiff ahoi auf der Oder?

Der deutsch-polnische Grenzfluss Oder südlich von Frankfurt
Der deutsch-polnische Grenzfluss Oder südlich von Frankfurt

In der malerischen Flusslandschaft genießen Besucher vor allem die Stille, die Flora und Fauna / Auf dem Wasser ist touristisch wenig los

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23. Mai 2017, 05:00 Uhr

Die Oder macht es Menschen, die auf ihr fahren wollen, nicht leicht. Schwankende Wasserstände, tückische Stromschnellen und wandernde Sandbänke stellen nicht nur Berufsschiffer mit ihren Lastkähnen vor Herausforderungen, sondern auch Ausflugsdampfer und Freizeitkapitäne. „Wenn extremes Niedrigwasser in jedem Sommer alle Pläne zunichte macht oder umgekehrt die starke Strömung abschreckt, ist es kein Wunder, dass sich touristisch kaum etwas entwickelt“, sagt Robert Radzimanowski, Verkehrsexperte der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg, der sich seit Jahren im Verein zur Förderung des Oder-stromgebietes engagiert.

„Die Leute werden durch angeblich notwendige nautische Fachkenntnisse eingeschüchtert, obwohl das beschilderte Leitsystem genau ausweist, wo Fahrrinnen sind und wo es zu flach wird“, meint hingegen Jens Kroll, ein leidenschaftlicher Sportbootfahrer. Mit einem Geschäftspartner betreibt er seit zwei Jahren am nördlichen Ende der Stadt eine Marina an der Oderpromenade, bisher ohne durchschlagenden Erfolg: Von den 18 Mietliegeplätzen für Sportboote ist nur die Hälfte besetzt, zwei der drei Leih-Motorschiffe wurden geklaut. Gut angenommen wird lediglich der Campingplatz für Zelte und Wohnmobile. „Von hier aus ist alles Sehenswerte Frankfurts zu Fuß zu erreichen“, sagt Kroll. Er beklagt, die Stadt mit der Oder im Namen werbe viel zu wenig mit dem Fluss für sich.

„Touristisch ist man entlang der Oder in Frankfurt bisher nicht wirklich auf Gäste eingestellt“, sagt Ellen Russig, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland-Oder-Spree. Im Winterhafen, einem ruhigen Seitenarm der Oder, hatte sich die Frankfurter Stadtverwaltung aber ins Zeug gelegt. Zwei Millionen Euro EU-Fördermittel flossen in das Marina-Projekt – mit 60 Meter langer Steganlage, 18 Liegeplätzen, Sanitärbereich, Stromanschlüssen, Slipanlage zum Einsetzen von Booten und Trinkwassertankstelle für Wasserwanderer. Doch die müssen bis zur Oder kommen, beispielsweise über den Oder-Spree-Kanal aus Berlin, sagt Kroll. „Durch die vom Bund verkürzten Schleusenöffnungszeiten ist das die wahre Herausforderung.“

Nun könnte die Frankfurter Marina Konkurrenz bekommen, die polnische Partnerstadt Slubice denkt über den Ausbau ihres kleinen Hafens für die Sportbootschifffahrt nach, wie Stadtsprecherin Beata Bielecka bestätigt. Die Slubicer wollten Liegeplätze auf ihrer Seite der Oder, begründet sie. „Die Idee ist nicht neu“, gibt sich Kroll gelassen, „und ich finde sie gut.“ Seinen Erfahrungen nach bleibe jeder Freizeitkapitän lieber am Ufer seines Landes. Und die Touristen könnten sich entscheiden, wo sie lieber anlegen. Kroll sieht dadurch keine Konkurrenz, sondern verspricht sich eine Belebung des Geschäfts. „Je mehr Boote auf der Oder fahren, umso mehr Leute kriegen selbst Lust, das auszuprobieren“, glaubt er.

„Der Reiz der Oder liegt in ihrer Natur. Größere Städte mit Sehenswürdigkeiten gibt es an beiden Ufern kaum“, betont Sören Bollmann, Leiter des Frankfurt-Slubicer Kooperationszentrums. Die Infrastruktur entlang des Flusses müsse sich deutlich verbessern. „Die Frankfurter Marina ist weitgehend unbekannt, hat bisher viel zu wenig Werbung für sich gemacht“, so Verkehrsexperte Radzimanowski.

Um den Fluss touristisch besser zu erschließen, hat der Tourismusverband Seenland Oder-Spree die 368 Kilometer lange Wasserwanderroute Berlin-Oder-Umfahrt konzipiert: „Die führt über die Oder nordwärts in den Finowkanal zum Schiffshebewerk, von dort aus über die Oder-Havel-Wasserstraße weiter bis Oranienburg, über die Spree durch Berlin und zurück zur Oder über den Oder-Spree-Kanal“, beschreibt Geschäftsführerin Rußig. Highlight dabei ist ihren Angaben nach der deutsch-polnische Grenzfluss mit seiner malerischen, naturbelassenen Auenlandschaft an beiden Ufern, an denen es für Wasserwanderer jedoch noch immer zu wenige Anlegemöglichkeiten gibt.  

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