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Lausitzring und Tropical Island : Scheitern, Gelingen, zweite Chance

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Großprojekte sind Aushängeschilder eines Bundeslandes. Nicht immer führen sie zum Erfolg. Manchmal klappt es erst im zweiten Anlauf.

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Großprojekte ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich - umso tragischer, wenn sie scheitern. Andere glücken erst im zweiten Anlauf. Und manche sehen heute ganz anders aus als beim Start. Der Erfolgsverlauf ist schwer vorauszusagen - einige Beispiele aus dem Osten.

Als auf der Ex-Tagebaufläche eine Renn- und Teststrecke aus dem Boden gestampft wurde, hatten einige schon Motorengeräusche von Formel-1-Wagen in den Ohren. Der Lausitzring war ein Prestigeprojekt für Brandenburg und eröffnete im Jahr 2000. 160 Millionen Euro kostete das Ganze, davon waren 120 Millionen Fördermittel des Landes. Eine echte Erfolgsgeschichte entwickelte sich aus der Idee, namhafte Rennen nach Klettwitz zu holen, nicht. Erstmal kam eine Insolvenz, dann kleckerte alles vor sich hin. Zuletzt gab es dem Vernehmen nach ein einigermaßen solides Geschäft - hätte sich nicht der Sanierungsstau im Millionenbereich angedeutet.

Im Sommer wurde nach 17 Jahren ein Schlussstrich gezogen. Die Prüfgesellschaft Dekra, die in der Nähe ein Testcenter betreibt, übernahm das mehr als 500 Hektar große Areal und will daraus eine Testfläche für automatisiertes Fahren machen. Land und Wirtschaft erhoffen sich davon einen Schub für die Region. Mit dem Motorsport könnte es am Standort weitergehen. Dekra will nicht selbst Veranstalter sein, ist aber offen für Anfragen.

Eine 108 Meter hohe Kuppel erhebt sich in der Weite Brandenburgs. Heute haben die Leute ihre Badesachen dabei, wenn sie die frühere Luftschiffhalle ansteuern. Eigentlich sollten in der immensen Halle südlich von Berlin Zeppeline für den Transport schwerer Lasten gebaut werden. Aber 2002 platzte der Traum: Die Firma Cargolifter AG war insolvent.

Als dann eine Geschäftsidee aus Asien kam, aus dem gescheiterten Großprojekt ein Ferienresort zu machen, griffen sich bestimmt viele an den Kopf. Heute gilt „Tropical Islands“ als Erfolg. Die Urlaubswelt wurde seit dem Start 2004 immer weiter ausgebaut. Es gibt eine riesige Südsee-Imitation, Sandstrand, Flamingos und Vogelgezwitscher, Indoor-Regenwald, viele Rutschen und Heißluftballons kreisen unter der Kuppel. Zuletzt wurde ein riesiger Außenbadebereich geschaffen. Die Bettenkapazität für Übernachtungsgäste soll weiter ausgebaut werden.

Zerstörte Natur, Kohlestaub und lärmende Maschinen - der Braunkohleabbau in der Lausitz und im mitteldeutschen Revier verlangte der Umwelt in den vergangenen Jahrzehnten vieles ab. Heute sieht es zumindest in den stillgelegten Kohlegebieten ganz anders aus.

Viele Tagebaulöcher haben ein zweites Leben begonnen - als Seen. Mehr als 30 der Löcher sind bis heute geflutet worden: in Südbrandenburg, im Nordwesten Sachsens, im Süden Sachsen-Anhalts und im Nordosten Thüringens. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), die sich um die Folgen des Bergbaus aus früheren Zeiten kümmert, nennt zwölf der neuen Seen „touristische Destinationen“.

An ihren Ufern haben sich Segel- und Tauchschulen angesiedelt, Immobilien mit Blick aufs Wasser suchen Käufer und Mieter. Aus den Tagebaulöcher sind Naherholungsgebiete geworden.

In Brandenburg und Sachsen entsteht derzeit das „Lausitzer Seenland“. Durch die Flutung früherer Tagebaue entsteht eine Landschaft mit rund 14 000 Hektar Wasserfläche. Zehn der über 20 Seen mit 7000 Hektar Fläche werden künftig durch schiffbare Kanäle verbunden.

Schon jetzt ist der Senftenberger See über den Koschener Kanal mit dem Geierswalder See verbunden. Der mit 1000 Metern Länge erste schiffbare Kanal im Lausitzer Seenland beeindruckt mit seiner einzigartigen Bauweise: Der Kanal unterquert eine Bundesstraße und den Fluss Schwarze Elster“.

 

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