zur Navigation springen

Museum in Altranft sucht neues Profil : Schaukasten Oderbruch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das einzige Freilichtmuseum Brandenburgs in Altranft gibt es so nicht mehr. Inzwischen heißt die Einrichtung Oderbruch Museum Altranft

svz.de von
erstellt am 19.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Wie ein Wandfries zieren in Blau gehaltene Zitate wie „Ich brauchte Jahre, um zu verstehen, wie das Oderbruch funktioniert“ oder „Die Biber können Sie gern in Sanssouci wieder ansiedeln“ die Ausstellungsräume im Schloss Altranft (Märkisch-Oderland). Sie stammen von 20 Bewohnern des Oderbruchs – Deichläufern, Künstlern, Bisamjägern und Vertretern von Bürgerinitiativen. Auf Videoleinwänden laufen DEFA-Aufnahmen vom Winterhochwasser an der Oder 1947 und Amateuraufnahmen von der Oderflut vor 20 Jahren.

Spätestens beim Betrachten und Lesen ist jedem Besucher klar, worum es in der Jahresausstellung 2017 des Museums Altranft geht: „Wasser und Oderbruch“. „Wir wollten jene zu Wort kommen lassen, die in dieser einmaligen Kulturlandschaft leben“, sagt Kenneth Anders vom Büro für Landschaftskommunikation Schiffmühle (Märkisch-Oderland). Es entwickelt bis 2020 ein Konzept für das frühere Freilichtmuseum Altranft. „Natürlich soll die Einrichtung überregional Besucher anlocken und den Bürgern der Region gefallen, Identität schaffen“, so der Kulturwissenschaftler.

Um die neue Ausrichtung zu unterstreichen, trägt das Museum das Oderbruch im Namen. Eigentlich wollte der Landkreis Märkisch-Oderland als Träger das Museum, das das bäuerliche Leben in der Mark illustriert, aus Kostengründen längst schließen. Nach mehrheitlichem Kreistagsbeschluss ist der Landkreis Mitglied im neuen Trägerverein, ebenso die Stadt Bad Freienwalde, der Traditionsverein Altranft und die Sparkasse Märkisch-Oderland. Bis 2020 gibt es Zuschüsse von der Kreisverwaltung und Bad Freienwalde sowie von der Bundeskulturstiftung, um zu beweisen, dass ein Erhalt und eine speziellere Ausrichtung des Museums lohnen.

„Der Neuanfang war notwendig, der Ansatz ist gut: Was macht das Oderbruch aus, welche Bedeutung hat diese Kulturlandschaft, wie funktioniert das ländlich geprägte Leben in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft unter Einbeziehung der dort lebenden Menschen und Akteure“, sagt Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin Kulturland Brandenburg. Sie gehört zu einem Beirat, der das Büro für Landschaftskommunikation bei der Konzeptentwicklung unterstützt. Zu den Aufgaben gehört die Sichtung von rund 16 000 Sammlungsobjekten, die im Museum zusammengetragen wurden.

„Wir finden häufig keinen regionalen Bezug zu Alltagsgegenständen vergangener Zeiten wie Kaffeekannen, Nachttöpfe und landwirtschaftlichem Gerät. Sind sie zur Illustration des Oderbruchs überhaupt sinnvoll?“, umreißt Anders ein Problem. Was Deutschlands größten eingedeichten Flusspolder ausmacht, soll künftig in einem riesigen Wandregal zu sehen sein, das aufgebaut wird wie ein Periodensystem. Anders nennt Wasserproben, Getreide-Herbarien und einen ausgestopften Biber als Beispiele für denkbare Exponate. Besucher sollen angeregt werden, selbst Ideen für aussagekräftige Ausstellungstücke zu entwickeln.

Faber-Schmidt lobt vor allem den von Anders angestrebten Austausch mit regionalen Dorfmuseen, Heimatstuben und ortsansässigen Künstlern. So nennt sich ein Ausstellungsraum im Schloss „Schaukasten Oderbruch“. In zehn altmodischen Hängeschränkchen finden Besucher Hinweise auf ergänzende Angebote zu Historie und Besonderheiten des Landstrichs. „Mit diesen zehn Einrichtungen wie dem Korbmachermuseum Buschdorf und dem Fontane-Haus Schiffmühle pflegen wir enge Kontakte. Der Schaukasten-Raum soll natürlich weiter wachsen“, erläutert Anders.

Stolz ist er auf ein 3-D-Oderbruchmodell im Maßstab 1:800, das die in der Region lebende Künstlerin Antje Scholz aus unzähligen Fäden inszenierte. Was zuerst wirkt wie ein überdimensionales Gespinst, zeigt bei genauer Betrachtung das Gefälle der Oder und das Grabensystem, das das tiefer gelegene Oderbruch entwässert.

Wie kompliziert es ist, dieses ausgeklügelte System zu erhalten, davon erhalten Besucher einen Eindruck im Schlosspark. Dort hat der Gewässer- und Deichverband Oderbruch (GEDO) Exponate ausgestellt, Schöpfwerkstechnik und ein riesiges stählernes Monstrum, mit dem die Gräben regelmäßig entkrautet werden, um den Wasserdurchfluss zu gewährleisten. „Das Thema ist uns wichtig, vor allem im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz und gerade im Jahr der Flutjubiläen von 1947 und 1997“, sagt GEDO-Geschäftsführer Martin Porath.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen