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Oranienburg : Schatten über dem Blaulichttag

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Aktueller Korruptionsfall bei der Polizei belastet die Ordnungshüter. Heimspiel für Innenminister Schröter in Oranienburg

Tausende Menschen drängten sich am Sonnabend beim Tag der offenen Tür der Polizeidirektion Nord am Oranienburger Schloss. Prominentester Besucher war Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD).

Knapp 24 Jahre lang hatte er als Landrat von Oberhavel seinen Schreibtisch schräg gegenüber. Nur wenige Kilometer vom Schlosspark entfernt wohnt Schröter noch immer. Viele Beamte nutzten die Gelegenheit, um mit ihrem Dienstherrn ins Gespräch zu kommen. Für ihn war die Stippvisite daher ein Heimspiel.

Das dürfte für Schröter angenehme Ablenkung vom vielleicht nicht immer so angenehmen Ministeralltag gewesen sein. Aktuell wirft ein Korruptionsfall in der Brandenburger Polizeihubschrauberstaffel viele Fragen auf (wir berichteten). „Dies habe ich zum Anlass genommen, um näher hinschauen zu lassen“, sagte Schröter dem „Prignitzer“.

Ein 56-jähriger Hauptkommissar wurde in der Folge in Untersuchungshaft genommen. Er soll bei Auftragsvergaben an einen österreichischen Flugausrüster beteiligt gewesen sein, für die er neben seinem Job als Polizist tätig war. Offiziell war diese Nebenbeschäftigung zwar vom Dienstherrn genehmigt. Ihm wurde lediglich zur Auflage gemacht, jeglichen Bezug zu seiner Polizeiarbeit zu vermeiden. Dennoch soll er laut „Spiegel“ in zwei Fällen an Auftragsvergaben an die Wiener Firma beteiligt gewesen sein. Nach Angaben des Innenministeriums soll es sich unter anderem um die Beschaffung von zwei Wärmebildkamerasystemen für die Hubschrauber gehandelt haben.

„Bei ihm wurde bei Durchsuchungen belastendes Material gefunden“, sagte der stellvertretende Leitende Oberstaatsanwalt, Jürgen Schiermeyer. Was genau gefunden wurde, wurde nicht mitgeteilt. „Bislang sind mir nur ein paar Umstände bekannt. Ich warte das Ergebnis der staatsanwaltlichen Untersuchungen ab“, fügte Schröter hinzu und wandte sich wieder dem Blaulichttag zu.

Gänzlich vom Tisch war dieses Thema in Oranienburg dennoch nicht. Viele Beamte diskutierten über den verhafteten Hauptkommissar ganz offen. Einige befürchteten, dass da vielleicht noch mehr „Übles“ zutage treten könnte. Andere meinten, dass der Korruptionsfall auf die Polizei kein gutes Licht werfe.

Die meisten Besucher des Blaulichttags interessierte der Korruptionsfall wenig. „Dafür gibt es hier viel zu viel zu sehen“, meinte Martin Manzke, der mit seiner Familie gekommen war. „Mein Junge ist großer Polizei-Fan und will vielleicht selbst mal Polizist werden. Deswegen sind wir hier“, sagte Manzke. Sein Sohn Daniel nutzte die Gelegenheit, sich selbst Mal in einen Streifenwagen zu setzen. „Wir sind mit 100 Beamten aus allen Bereichen der Direktion samt unserer Technik vor Ort. Dazu sind noch einmal 40 Polizeischüler im Einsatz“, sagte Direktionschef Bernd Halle. Am Tag der offenen Tür sei Gelegenheit, mit Bürgern ungezwungen zu reden.

Georg-Stefan Russew

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