Uckermark : Schafherde am Feldweg verendet

Unfassbarer Fund: Im Gebüsch am Feldweg entdeckten Radfahrer 23 tote Schafe. Neben vier Alttieren handelte es sich um 19 Lämmer. Zwei rangen noch mit dem Tode. Einige Tiere sind vermutlich erschlagen worden, andere verhungert und verdurstet.
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Unfassbarer Fund: Im Gebüsch am Feldweg entdeckten Radfahrer 23 tote Schafe. Neben vier Alttieren handelte es sich um 19 Lämmer. Zwei rangen noch mit dem Tode. Einige Tiere sind vermutlich erschlagen worden, andere verhungert und verdurstet.

Halter soll Tiere verdurstet und verhungert haben lassen. Behörden und Bürger in der Uckermark entsetzt

svz.de von
15. März 2016, 21:00 Uhr

Behörden und Bürger in der Uckermark suchen nach einem Tierhalter, der 23 Schafe getötet und einfach an einem Feldweg entsorgt haben soll. Die Tierrechtsorganisation Peta hat eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zum Täter führen.

Der Fall löst Entsetzen aus. Direkt an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern hatte sich ein Schafhalter seiner Tiere unter freiem Himmel entledigt. In der Nähe eines Feldwegs bei Wilsickow (Uckermark) lagen die Kadaver. Als Amtstierarzt Dr. Achim Wendland eintraf, kämpften noch zwei von ihnen mit dem Tode. Sie mussten vor Ort erlöst werden. Der Veterinärmediziner ist in seinem Berufsleben schon mit einigen Dingen konfrontiert worden. Doch dieser Fall schockiert ihn aufs Neue. „Als normaler Mensch macht man so etwas nicht. Die Hintergründe sind hier auch völlig unklar.“

Nach Untersuchung der vier aufgefundenen Alttiere und 19 Lämmer stellte Achim Wendland starke Mangelerscheinungen an den Kadavern fest. „Ich denke, dass die Tiere vorher nicht richtig versorgt wurden. Und um Geld für die Tierkörperbeseitigung zu sparen, hat man sie dann einfach illegal irgendwo abgeworfen.“

Bis sie von Radfahrern entdeckt wurden. Jetzt suchen aufgebrachte Bürger der Umgebung, Tierschützer und die uckermärkische Kreisverwaltung nach dem Halter. Er war sich seiner Tat offenbar durchaus bewusst, hat er doch den Schafen zuvor noch die Ohrmarken entfernt. Die Löcher zeigen deutlich, dass sie bis vor Kurzem vorhanden waren.

Das erschwert die Fahndung. Die Suche konzentriert sich nicht nur auf die Uckermark, sondern auch auf den Nachbarkreis in Mecklenburg-Vorpommern. Anwohner und Amtstierarzt gehen mittlerweile davon aus, dass die Tiere durchaus von dort stammen könnten. Daher hat die Veterinärbehörde die dortige Verwaltung informiert. Es könnte sich auch um mehrere Täter handeln.

Die Vernachlässigung von Tieren macht in der Uckermark immer wieder Schlagzeilen. Dass aber jemand gleich eine ganze Schafherde illegal entsorgt, hat es noch nicht gegeben. „Wir haben immer mal wieder solche Fälle in der Region, aber nicht in der Größenordnung“, so Achim Wendland. Er hat sofort Anzeige erstattet wegen Tierquälerei und illegaler Tierentsorgung.

Unterstützung bekommt er von der Tierrechtsorganisation Peta. Die hat 1000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ermittlung und Überführung des Täters führen. „Der Schafhalter, der die Tiere mutmaßlich verhungern und verdursten ließ, muss ausfindig gemacht und zur Rechenschaft gezogen werden“, so Judith Pein im Namen von Peta. „Tierquälerei ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.“

Entsprechend des Tierschutzgesetzes kann das mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. „Dieselben Gesetze greifen auch für die nicht artgerechte Unterbringung und Versorgung von Tieren sowie die bewusste Unterlassung notwendiger Hilfeleistung“, so Judith Pein.

Vermutet wird, dass einige der Schafe nicht von selbst durch Hunger und Durst verendeten, sondern erschlagen wurden. Darauf deuten Spuren an den Kadavern hin.

Tierschützer erinnern immer wieder an einen Fall in Frauenhagen (Uckermark). Hier hatte ein Bauer jahrelang Kühe und Pferde auf einem großen Areal entlang der Eisenbahnlinie Angermünde-Stettin vernachlässigt. Regelmäßig berichteten Reisende von Kadavern, die bei Sommerhitze auf der Wiese lagen. Erst durch ein starkes Medienecho und das Eingreifen von Tierschützern konnte dem Treiben ein Ende gesetzt werden.

 
Zeugen, die Hinweise zum Fall Wilsickow geben können, haben die Möglichkeit, sich telefonisch unter der Nummer 01520/7373341 oder per E-Mail an Peta zu wenden – auch anonym.

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