Deutsche Bahn : Schaffner setzt Mutter mit Kind aus

Die Deutsche Bahn hat wieder Ärger mit ihrem Personal. Am vergangenem Freitag als Sturm und Schnee über Brandenburg hinwegfegten, schmiss ein Zugbegleiter eine Mutter mit ihrem zwei Jahre alten Kind aus dem Prignitz-Express. Zur Begründung hieß es, dass der Kinderwagen den Weg versperre.

Die Deutsche Bahn hat wieder Ärger mit ihrem Personal. Am vergangenem Freitag als Sturm und Schnee über Brandenburg hinwegfegten, schmiss ein Zugbegleiter eine Mutter mit ihrem zwei Jahre alten Kind aus dem Prignitz-Express. Zur Begründung hieß es, dass der Kinderwagen den Weg versperre.

Stefan Weiß aus Langen (Ostprignitz-Ruppin) ist noch immer entsetzt. Der Berufspendler musste am Freitag miterleben, wie ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn mithilfe der Bundespolizei eine junge Frau mit ihrem Kind aus dem RE 6 am Bahnhof in Hennigsdorf (Oberhavel) aussetzte. Draußen spielte das Wetter verrückt. Es war sehr kalt. Es hat gestürmt und geschneit.

Der Prignitz-Express ist am Freitag von Berlin-Spandau nach Pritzwalk in der Prignitz gestartet. Schon an der ersten Station in Falkensee (Havelland) soll der Schaffner die Frau angesprochen haben. Sie sollte mit ihrem Kinderwagen in den dafür vorgesehenen Bereich wechseln. Doch der Platz war bereits besetzt. Stefan Weiß hat beobachtet, dass der Kinderwagen nur ein kleines Stück in den Gang hereinragte. Ein Passieren der Fahrgäste wäre problemlos möglich gewesen. Und ohnehin, so erregt sich der Augenzeuge: „Die sperrigen Koffer haben den Schaffner doch auch nicht gestört.“

Im Laufe der Fahrt wird der Ton des Bahnmitarbeiters rauer. Stefan Weiß hat ihn als „ausgesprochen unhöflich“ in Erinnerung. Am Bahnhof in Hennigsdorf fordert er die junge Frau mit dem Kinderwagen auf, den Zug zu verlassen. Sie weigert sich. Und so droht der Schaffner mit der Polizei – die er dann auch verständigt. Als die Beamten von der Bundespolizei eintreffen, verlässt die Frau unter Tränen den Zug. Die Fahrt kann mit einer 20-minütigen Verspätung weitergehen.

Am Bahnhof in Hennigsdorf gibt es als Schutz nur ein Dach. Der Wind bläst von allen Seiten. Am Freitag wurden in Brandenburg Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometer pro Stunde gemessen. Meteorologen sprechen von einem Orkan. Die äußeren Umstände halten den Zugbegleiter aber nicht von seinen Plänen ab.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Personal der Bahn in Brandenburg unsensibel reagiert. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Fälle bekannt, bei denen Kinder in der Nacht oder bei Temperaturen von minus 20 Grad aus dem Zug geworfen wurden.

Nach den Vorfällen hatte das Unternehmen immer wieder Besserung gelobt. So wurden die Zugbegleiter per SMS aufgefordert, Kinder und Jugendliche ohne Fahrkarte nicht mehr aus dem Zug zu werfen. Den Fall der jungen Mutter mit dem Kinderwagen bezeichnete eine Bahnsprecherin gestern als sehr bedauerlich. Aber das Unternehmen stellt sich offenbar vor ihren Mitarbeiter. Er habe richtig reagiert, weil es um den Schutz der übrigen Fahrgäste ging. Ein Fehlverhalten könne sie daher nicht erkennen. Und auch die Bundespolizei findet das Vorgehen offenbar nicht ungewöhnlich. „Wir haben das Hausrecht der Bahn durchgesetzt“, sagte ein Sprecher gestern.

Stefan Weiß hat für derlei Ansichten nur ein Kopfschütteln übrig. „Ich finde es beschämend wegen solch einer Bagatelle eine Mutter mit Kind aus den Zug zu werfen“, sagt der Bahnkunde. Er fürchtet, dass der Zugbegleiter einfach nur schlechte Laune hatte und er diese an der jungen Frau ausgelassen hat.

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