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Sanddorn-Ernte in der Mark : Saure Früchtchen für Asien

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Vitaminbomben werden in Brandenburg auf immer mehr Flächen angebaut und in viele Länder exportiert.

svz.de von
erstellt am 06.Sep.2016 | 04:45 Uhr

Mit kleinen knallorangen Beeren lassen sich längst große Umsätze erzielen: Brandenburg ist beim Anbau von Sanddorn führend in ganz Europa. Die in Kanister abgefüllten Säfte werden mittlerweile bis nach Asien oder auf die arabische Halbinsel exportiert.

Es sind wahre Vitaminbomben, die an kratzbürstigen Sträuchern gedeihen. Doch wenn in wenigen Tagen die Ernte der Sanddorn-früchte beginnt, müssen sich Erntehelfer keine Vollschutzanzüge überstreifen. „Es werden die ganzen Zweige abgeschnitten“, erklärt Dorothee Berger, zweite Geschäftsführerin des Familienunternehmens Christine Berger aus Petzow (Potsdam-Mittelmark). Dann werden die Beeren im Kühlhaus bei minus 36 Grad Celsius gefrostet. In dieser Schockstarre lassen sie sich abschütteln.

Auf 150 Hektar wird in dem Unternehmen Sanddorn kultiviert, auf ursprünglich volkseigenen Plantagen. Der Vater von Dorothee Berger hatte sich zu DDR-Zeiten mit dem Anbau beschäftigt – damals wurden die ersten landwirtschaftlich nutzbaren Sorten in Mitteleuropa gezüchtet. Dieses Know-how bewahrte der Betrieb. In den vergangenen Jahren wurde die Produktpalette nach und nach erweitert: 101 Erzeugnisse sind es heute – längst nicht nur Säfte, Marmeladen, Liköre oder andere Delikatessen, sondern auch Kosmetik.

„Wir erwarten eine gute Ernte, es gab viel Sonne und Regen zur richtigen Zeit“, berichtet Dorothee Berger. Mit dem mittlerweile 13. Sanddorn-Fest am kommenden Wochenende fällt der Startschuss. Dabei haben die in Brandenburg geernteten „Zitronen des Nordens“ nicht nur eine Bedeutung für den hiesigen Markt, sondern sie werden mittlerweile auch in viele Länder exportiert. „Deutscher Sanddorn schmeckt besser als der asiatische, er ist aromatischer und nicht mit Schwermetallen belastet“, erklärt die Geschäftsführerin, die darauf verweist, dass der Anbau nach Bio-Kriterien verläuft.

Den Trend bestätigt auch Andreas Brylka, Geschäftsführer der Sanddorn GbR aus Herzberg (Elbe-Elster), in dessen Betrieb ein Großteil der Ernte zu Saft, Püree, Pulver oder Ölen verarbeitet wird. Um die Jahrtausendwende, als die Produktion begann, habe man zwölf Tonnen jährlich verarbeitet, jetzt seien es 1000 Tonnen. „Der Markt hat sich rasant entwickelt, das war kaum absehbar“, sagt Brylka.

Inzwischen rufen Abnehmer aus der ganzen Welt bei ihm an: Die weiteste Lieferung sei nach Neuseeland gegangen, als ein Golfclub mehrere Fünf-Liter-Kanister geordert hatte. Auch in Dubai hat der Sanddornbetrieb einige Kunden. „Dort wird Sanddorn tatsächlich Rennkamelen und Rennpferden verabreicht, weil die Inhaltsstoffe eine heilende Wirkung haben“, berichtet er. Auch asiatische Staaten, wie Südkorea oder Japan schwören auf die herb-sauren Beeren aus Brandenburg. „In China und Russland wird Sanddorn auf Süße gezüchtet, nicht alle mögen das.“ In Nordamerika, wo die Sträucher nur auf einer verschwindend geringen Fläche kultiviert wurden, gebe es allerdings noch keine Geschäftspartner. Da bekomme man keinen Fuß in die Tür, sagt Brylka.

Auch im Gurkenhof Frehn im Spreewald wird seit fünf Jahren auf 80 Hektar Sanddorn angebaut. „Es ist viel Arbeit und die Erträge schwanken noch stark von Jahr zu Jahr“, sagt Geschäftsführer Heinz-Peter Frehn. Allerdings unterstreiche der Anbau die neue Strategie des Unternehmens: Während für die Gurkenernte viel Personal benötigt werde, seien für Aroniabeeren oder Sanddorn weit weniger Helfer erforderlich. Dagegen wurden in anderen Orten die Sanddorn-Plantagen gerodet. Auf dem Robinienhof in Schulzendorf (Märkisch-Oderland) waren es zehn Hektar, doch der Ertrag der alten Sträucher sei deutlich zurückgegangen, wie der Landwirt Werner Selle berichtet. Ebenso hatten Agrarbetriebe in anderen Regionen Versuche mit den orangen Beeren gestartet – im kleineren Rahmen.

Insgesamt wird Sanddorn nach Angaben des Agrarmarketingverbandes Pro Agro auf 360 Hektar in Brandenburg angebaut, zu DDR-Zeiten waren es 200 Hektar. Die Sträucher gedeihen gerade auf der märkischen „Streusandbüchse“ hervorragend, heißt es im Agrarministerium.  

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