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Manufaktur im Kloster Lehnin : Sauberkunst – ein Fest für die Nase

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Annett Förster stellt in einer Manufaktur im Kloster Lehnin mit 19 Mitarbeitern hautschonende Seifen her

Es klingt ganz einfach: Man braucht eine Mischung flüssiger und fester Öle, die ein solches Verhältnis zueinander haben, dass die Masse fest wird. Dazu kommt Seifenlauge. Mit diesen zwei Komponenten hat man bereits eine Seife. Und doch ist Seifenherstellung eine Kunst. So passt der Name „Sauberkunst“, den Annett Förster ihrer Seifenmanufaktur in Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark) gegeben hat, perfekt.

Ein Bild der kunstvoll gestalteten Seifen kann man sich in ihrem kleinen Laden in Werder (Havel) machen. Es ist bunt, die Seifen haben unterschiedliche Maserungen, manche mit Orangenscheiben, Herzen oder Spitzenmuster als Verzierung, einige glitzern. Vor allem beginnt ein Fest für die Nase, wenn man durch die Tür kommt. Da gibt es Seifen, die nach Obst duften, dann blumige, warme, würzige, balsamische Düfte, die eher schwer in der Luft liegen, aber auch Frisches wie Zitrone, Bergamotte, Orange.

Auf einer Etagere liegt ein grün-braun-weiß gemusterter Quader, der nach Birne, Mandel und Schokolade duftet. Wichtiger Bestandteil dieser Seife ist Mandelmilch. Annett Förster und ihre Kollegen stellen sie aus Mandeln und Wasser selbst her. Anfangs hatte die Geschäftsführerin auch mit Schaf- und Ziegenmilch experimentiert, doch Mandel- und Hafermilch schäumen am besten, zeigte sich. „Ich finde richtig eklig, was manchmal in andere Seifen kommt wie Schweine- oder Emuschmalz“, sagt Annett Förster.

Auch die anderen Inhaltsstoffe ihrer Seifen wie Mangopulver oder Sanddornfrucht-fleischöl sollen nicht nur toll klingen oder gut riechen, sondern haben pflegende Eigenschaften. Neben Seifen gibt es im Geschäft feste Shampoos, Körperbutter, Sheamousse, Creme-Deos – alles wird selbst produziert. Annett Förster führt vorbei an der „Food-Ecke“, wie sie das Regal mit den Seifen nennt, in die viele Besucher am liebsten hineinbeißen würden. Nicht nur, dass einige davon in Torten- und Cupcake-Form daherkommen. Sie duften auch nach Grapefruit, Banane, Apfel, Mango, Espresso-Orange oder Sanddorn.

Neben den vielfältigen Zutaten für interessante Kreationen benötigt die Seifenherstellung Zeit. „Man braucht Geduld. Das ist das, was die Seife einen lehrt“, sagt die 38-Jährige und berichtet, dass es 24 Stunden dauert, ehe die Masse fest ist. Danach reift die Seife vier bis sechs Wochen. „Es ist ein Hobby, auf das man warten muss“, sagt Annett Förster.

Hobby ist die Seifenmacherei für sie längst nicht mehr, doch als solches fing alles an. Eine Tochter hatte Neurodermitis, die Hebamme riet Annett Förster, auf handelsübliche Produkte zu verzichten und zurück zur „guten alte Seife“ zu kommen. „Herkömmliche Markenprodukte enthalten oft Parfumstoffe und Mineralöle, die Poren verstopfen und dafür sorgen, dass die Pflege nicht auf die Haut kommt“, erklärt sie. Bei ihrer Tochter gelang der Umstieg. Irgendwann probierte auch sie es aus und merkte: „Du hast ja gar keine trockene Haut, das war immer das Duschgel.“ Schon mit Mitte 20 hatte sie schuppige Schienbeine, trockene Haut, juckende Kopfhaut. Durch die Seifen legten sich diese Probleme.

Nachdem die rothaarige Frau einen Artikel über Seifenherstellung gelesen hatte, probierte sie es selbst. „Es war lange Zeit ein schönes Hobby“, sagt die Heilpraktikerin, die damals ihren Patienten immer mal Shampoo- und Creme-Proben mitgab. „Das musst du verkaufen“, war oft die Reaktion. „Erst habe ich mich geziert. Aber dann habe ich alles zertifizieren und auf Sicherheit bewerten lassen“, berichtet Annett Förster, die sich auch heute noch zwei Nachmittage in der Woche Zeit für ihre Patienten nimmt.

2012 gingen ihre Produkte online, seit Juni 2016 gibt es in Werder (Havel) einen „Sauberkunst“-Laden.Annett Förster liebt die kleine Insel, auf der sich das Geschäft befindet. Sie könnte sich nicht vorstellen, in einem anderen Bundesland zu leben. Nicht nur der Verkauf im Laden, auch Produktion und Versand liegen in der Hand von 19 Mitarbeitern. Bald sind es einige mehr, im Juni eröffnet ein „Sauberkunst“-Shop in Berlin-Mitte. Eine weitere Änderung steht am 8. April an: Eine zweite „Sauberkunst“-Manufaktur nimmt in Groß-Kreutz ihre Produktion auf.

In Werder stehen neben Seifen sogenannte feste Shampoos für normales, trockenes oder schnell fettendes Haar. Sie sehen aus wie Seifenstücke. Doch wozu braucht man festes Shampoo, wenn man es auch einfach aus der Shampooflasche nehmen kann? Das ist so ähnlich wie bei der Babycreme. Viele Shampoos enthalten Inhaltsstoffe, die schlecht für Haut, Haar oder Umwelt sind. Annett Förster erzählt von Silikon im Shampoo, das die Umwelt belastet und die Haare nicht pflegt, sondern sich nur wie ein Film um sie legt. In vielen ihrer festen Shampoos stecke daher Brokkolisamenöl, welches Haare wirklich pflegt. Ein weiterer Vorteil gegenüber Shampooflaschen sei die Reduzierung von Verpackungsmüll. Ein 45 Gramm schweres Stück festes Shampoo ersetze drei bis vier Flaschen flüssiges Shampoo.  

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