Die Wandlung eines Adebars : Ronny ist kein Rüpel-Storch mehr

Ronny und Ronja warten schon täglich auf die Fischspenden der beiden Angler, um ihren Nachwuchs zu füttern.
Ronny und Ronja warten schon täglich auf die Fischspenden der beiden Angler, um ihren Nachwuchs zu füttern.

Seit der einst streitbare Adebar eine Partnerin gefunden hat und Nachwuchs aufziehen muss, ist er friedlicher geworden

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27. Juli 2019, 05:00 Uhr

Wer hätte das gedacht? Als sich Storch Ronny vor drei Jahren in Glambeck niederließ, sorgte Meister Adebar für ordentlichen Trubel. Rüpel-Storch wurde er betitelt und sollte sogar eingefangen und umgesiedelt werden. Heute wird er sogar mit Fischen gefüttert, damit er seine Brut durchbekommt.

Das Rüpel-Image war damals Folge seiner Partnersuche, als er im Dorf unterwegs war. Was weniger schön war, wenn er sein Spiegelbild in einer Fensterscheibe oder im Autolack sah, dann hackte er darauf kräftig ein, um seinen Nebenbuhler zu vertreiben. Dass sich die Glambecker über diese Angriffe, die durchaus ihre Spuren im Autolack hinterließen, ärgerten, ist nachvollziehbar. Deshalb gab es tatsächlich auch die Forderung, den Rüpel einzufangen.

Doch das ist längst vergessen. Seit Ronny eine Partnerin hat und sich um Nachwuchs kümmern muss, hat er anderes zu tun, als sein  Spiegelbild anzugreifen. Außerdem haben sich die Glambecker auf ihren Gast eingestellt, also die Autos und andere glänzende Objekte untergestellt, damit Meister Adebar gar nicht erst in Versuchung geführt wird.

Auf dem Kirchendach wurde ein Horst angebracht, in dem er sich ein Nest bauen sollte – und Ronny tat es. In den zurückliegenden zwei Jahren gab es jeweils einen Jungstorch, der im Nest zu sehen war und eifrig von seinen Eltern gefüttert wurde, mit Fröschen, Fischen, die sie in nahen Gewässern fanden oder auf den Wiesen erbeuteten. Auch Regenwürmer und sogar Mäuse würden als Futter gern genommen, hat Wolfgang Ulrich feststellen können, als er seine Wiese mähte. „Ronny ist mir immer hinterhergelaufen und hat nach Fressbarem gesucht“, erzählt er.

Doch weil es in diesem Sommer so warm ist und die Gräben nur noch wenig Wasser führen,   wird auch die Nahrungssuche für Ronny und seine Partnerin, der die Glambecker den Namen Ronja gegeben haben, immer schwieriger. Hinzu kommt, dass im Nest nicht nur ein Junges, sondern gleich drei Jungstörche zu sehen sind und auf Futter warten.

Aus Angst, dass die Eltern nicht genügend Futter finden und dann womöglich eines der Jungtiere aus dem Nest werfen, haben sich nun Karin Brzoska und Wolfgang Ulrich als passionierte Angler zusammengetan und versorgen Ronny täglich zweimal mit Frischfisch: Plötzen, Rotferdern und andere heimische Kleinarten, die sie morgens und abends angeln.

Täglich um 11 Uhr stellt Wolfgang Ulrich einen Eimer mit Fischen in seinen Garten, und Ronny habe sich längst an die Zeit gewöhnt, wie der Angler berichtet. Schon kurz vor 11 Uhr steuert Ronny das Grundstück an und wartet auf den Eimer. Bis zu zehn kleine Fische frisst er und nimmt dann Kurs aufs Nest, um die Jungen zu füttern. Danach wird der zweite Schwung der gut 20 kleinen Fische geholt.

Der Fang von Karin Brzoska ist für den Abend reserviert, nach dem gleichen Prozedere, nur dass der Eimer einen Garten weiter in Richtung Kirche abgestellt wird. „Ich habe mir sogar eine Dauerangelkarte geholt“, erzählt Karin Brzoska  und lacht.

Beide freuen sich, dass sie einerseits ihrem Hobby als Angler nachgehen, anderseits aber eben auch Ronny und seiner Familie helfen können. Sie gehen davon aus, dass die Jungtiere, die  im April geboren wurden und inzwischen auch schon eine stattliche Größe erreicht haben, Mitte August flügge werden.

Wenn die Familie Storch dann gemeinsam in Richtung Süden aufbricht, dann können sowohl Karin Brzoska als auch Wolfgang Ulrich die Angel wieder auswerfen, um sich einen Fang für ihren heimischen Tisch an Land zu ziehen.

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