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Flüchtlinge in der Prignitz : Ringen um Kosten und Personal

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Minderjährige Flüchtlinge sind laut Kreis sehr gut betreut. Das Jugendamt weist Forderung nach mehr Fachpersonal zurück.

svz.de von
erstellt am 03.Dez.2015 | 08:00 Uhr

Im Landkreis sind bisher 91 minderjährige Flüchtlinge aufgenommen worden. Mehr sollen es vorerst nicht werden, auch für das kommende Jahr sei damit die Aufnahmequote bereits erfüllt, sagte Geschäftsbereichsleiterin Danuta Schönhardt Montagabend im Jugendhilfeausschuss.

Das Land habe um Hilfe gerufen, der Kreis habe schnell reagiert. „Wir haben uns mit den freien Trägern getroffen, die die Jugendlichen betreuen, über die Lage gesprochen. Schon am nächsten Tag wurden uns 50 freie Plätze gemeldet“, so Schönhardt. Die zentral zugewiesenen Jugendlichen kommen zunächst in Pritzwalk an, wo der Landkreis ein Wohnheim betreibt. Es verfügt über vier Etagen und ausreichend Platz, um neben den hier wohnenden Auszubildenden die Asylbewerber unterzubringen.

Drei bis vier Tage bleiben sie hier, werden rund um die Uhr betreut. Dafür stehen Fachkräfte zur Verfügung. „Wir haben Personal umgesetzt, Aufgaben neu verteilt, so dass keine Neueinstellungen notwendig wurden“, sagte Schönhardt. Die Jugendlichen werden medizinisch untersucht, Dolmetscher helfen bei der Verständigung.

„Die meisten geben an, keine Eltern oder nur ein Elternteil zu haben. Überprüfen können wir das nicht“, so Schönhardt. 60 Minderjährige haben daher einen gerichtlichen Vormund bekommen. Sollten in Deutschland Verwandte leben, werde versucht, diese zu finden und es werde geprüft, ob sie die Jugendlichen aufnehmen könnten.

In Pritzwalk werden die Asylsuchenden komplett versorgt, umgehend in Sprachkurse integriert. Es gibt Freizeitangebote, einen strukturierten Tagesablauf. In den Nachtstunden übernimmt ein beauftragter Wachschutz die Absicherung des Gebäudes. Das Ministerium habe Konzept und Einrichtung als beispielhaft gelobt. Sie sei derzeit die beste im Land, informierte Schönhardt die Ausschussmitglieder.

Trotz dieser umfangreichen Angebote wollen nicht alle Jugendlichen hier bleiben. Zehn haben das Heim von sich aus in unbekannte Richtung verlassen. „Wir melden sie als vermisst“, so Schönhardt, die Polizei werde verständigt. Meistens wollen sie in Großstädte.

Bei einigen Jugendlichen hat das Amt von sich aus die Betreuung eingestellt. Entweder waren sie offenkundig 18 Jahre oder älter bzw. hatten einige in den Gesprächen klar formuliert, nicht in der Prignitz bleiben zu wollen. Deshalb wurden am Montag insgesamt fünf mit dem Zug zurück in die zentrale Aufnahme nach Eisenhüttenstadt geschickt.

Gestritten wird noch über die Kosten und über den Personalaufwand für die Betreuung. Derzeit setzt der Landkreis sechs Erzieher in Pritzwalk ein. Das seien aus Sicht des Amtes für Arbeitsschutz zu wenig. Zehn oder mehr halte dieses für angemessen. Ein Streitpunkt, wie Danuta Schönhardt einräumt. „Vier zusätzliche Erzieher finden wir nicht auf die Schnelle, können sie auch nicht bezahlen“, sagt sie. Pädagogisch halte sie mehr Betreuer auch nicht für notwendig.

Die Aufnahmestelle in Pritzwalk sei kein klassisches Kinderheim, die Betreuungsbedarf bei weitem nicht so intensiv und auch nicht erforderlich. Unklar sei derzeit auch noch, ob das Land dem Kreis die zusätzlichen Personalkosten erstatten würde. Sollte es zu keiner Einigung in dieser Sache kommen, wolle Danuta Schönhardt gegebenenfalls Landrat Torsten Uhe und dem Kreistag eine Klage empfehlen. Auch der Landkreistag rate dazu.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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