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Brandenburg verliert Vorreiterrolle beim Naturschutz : Riesige Äcker und trockene Moore

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Michael Succow ist besorgt über die Entwicklung des Naturschutzes in Brandenburg

svz.de von
erstellt am 19.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Brandenburg verspielt gerade sein Renommee als einstiger Vorreiter im Naturschutz. Das erklärt Michael Succow, einer der namhaftesten Umweltschützer und Initiator der ostdeutschen Nationalparke und Biosphärenreservate. Nach der Neugründung des Landes war Brandenburg noch ein Beispiel für die anderen neuen Bundesländer, so der Greifswalder Wissenschaftler. Inzwischen habe ihm Mecklenburg-Vorpommern längst den Rang abgelaufen.

Die noch unter Umweltminister Matthias Platzeck (SPD) eingerichteten Großschutzgebiete Brandenburgs seien inzwischen akzeptiert und touristische Anziehungspunkte geworden. Allerdings wurde die Politik nicht fortgesetzt. Riesige, intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen haben inzwischen zum Verlust von Arbeitsplätzen und zum Artensterben geführt. Die hoch subventionierte industrielle Bewirtschaftung ist nicht nachhaltig, die sozialen und ökologischen Probleme verschärfen sich zunehmend, kritisiert Succow.

Der gebürtige Bad Freienwalder fordert eine weitsichtigere Politik. Als Beispiel nennt er das Randowbruch in der Uckermark. Dort wurden durch tiefgreifende Meliorationsmaßnahmen in den 70er-Jahren große Moorflächen zerstört. Ein Drittel der Moore sind verschwunden, übrig geblieben sind an vielen Stellen Sandrücken, die landwirtschaftlich kaum nutzbar sind, beschreibt Succow die aktuelle Situation. Die noch vorhandenen Moore seien in einem katastrophalen Zustand und setzten tonnenweise Kohlendioxyd frei, so der Experte.

Succow wirbt für ein Umweltprojekt, mit dem wieder mehr Wasser in der Region gehalten werden soll. Das sei wichtig für ganz Ostbrandenburg, wo der Grundwasserspiegel immer weiter absinkt. Noch sei unklar, ob es in Zeiten des Klimawandels überhaupt gelingt, die Moore im Randowbruch wieder ausreichend zu befeuchten.

Der Wissenschaftler betont, dass es sich  bei dem Vorhaben nicht um ein reines Naturschutzprojekt handelt, sondern um ein Pilotvorhaben, das nach Möglichkeiten zum Erhaltung der Nutzbarkeit degradierter Moorstandorte sucht und mit den Landnutzern vor Ort abgestimmt ist. Das vom Landkreis Uckermark, dem örtlichen Wasser- und Bodenverband, dem Kreisbauernverband und den Umweltverband Nabu unterstützte Vorhaben liegt seit einem Jahr auf Eis.

Das Umweltministerium in Potsdam teilte auf eine Nachfrage mit, dass die eingereichten Unterlagen zum Randowbruch unzureichend und auch Fragen zur Trägerstruktur noch offen seien. Christian Unselt, Vorsitzender der NABU-Stiftung, will das jedoch nicht gelten lassen. Die vor einem Jahr eingereichte Projektskizze ist aus seiner Sicht sehr ausführlich und auf dem Niveau, wie bei anderen Vorhaben auch. Es sei nur schwer zu verstehen,  warum das Umweltministerium - wenn es noch Fragen habe - es nicht schaffe, diese zu formulieren und eines der größten Umweltprojekte im Land Brandenburgs stattdessen blockiere.

 

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