Wetter : Richtiger Frühling nicht in Sicht

Pünktlich zum gestrigen meterologischen Frühlingsanfang kehrte wie hier in Sieversdorf in Teilen des Landes der Winter zurück.
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Pünktlich zum gestrigen meterologischen Frühlingsanfang kehrte wie hier in Sieversdorf in Teilen des Landes der Winter zurück.

Der Brandenburger Meteorologe Hans-Joachim Knußmann prognostiziert einen kalten März

svz.de von
02. März 2016, 05:00 Uhr

Der Meteorologe Hans-Joachim Knußmann aus Frankfurt (Oder) beobachtet seit Jahrzehnten das Wetter in unserer Region. Mit ihm sprach Claudia Duda über den Unterschied zwischen dem meteorologischen Frühlingsanfang am 1. März und dem kalendarischen 20 Tage später. Der Wetterexperte bilanziert den Winter und wagt einen Ausblick auf den Frühling.

Herr Knußmann, hinter uns liegt ein Winter, der sich für die meisten Brandenburger nicht wie ein echter Winter anfühlte. War die Jahreszeit wirklich so schlecht?
Hans-Joachim Knußmann: Rein statistisch gesehen, war dieser Winter zu warm. Die Temperaturen in Brandenburg lagen um 3 bis 3,5 Grad Celsius über dem durchschnittlich gemessenen Wert. Im Norden Brandenburgs lag die Temperatur sogar noch etwas höher.

Welche Vergleichswerte werden da zugrunde gelegt?
Es gilt der durchschnittliche Normalwert, der in den Jahren zwischen 1961 bis 1990 ermittelt wurde. Dieser Normalwert liegt etwa bei 0 Grad Celsius. Im Dezember lag die Durchschnittstemperatur bei 6,6 Grad Celsius. Im Januar hatten wir minus 0,6 Grad Celsius und im Februar 3,7. Das ergibt einen Winterwert von 3,2 – Fazit: deutlich zu warm.

Wie sah es bei den Niederschlägen aus?
Die vergangenen Monate waren nicht nur zu mild, sondern auch zu nass. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge lag bei 122 Prozent. Das liegt daran, dass es zahlreiche Tiefdruckgebiete gab, die viele Wolken mit sich brachten.

Der Winter war zu mild und zu nass. Entspricht das den Erwartungen der Klimaforscher?
Viele Klimaforscher sehen sich in ihren Warnungen bestätigt – und die Zahlen geben ihnen recht. Ich bin dennoch ganz anderer Meinung, denn zurzeit beobachten die Forscher eine sehr geringe Sonnenaktivität. Das soll die nächsten 10 bis 20 Jahre so bleiben und hat zur Folge, dass weltweit die Temperaturen wieder sinken. Ausreißer gab es immer. Auch den vergangenen Winter werden wir im Rückblick als Ausreißer bezeichnen. Ab diesem März rechne ich mit einem Rückgang.

Das heißt, wir haben im Frühling nichts Gutes zu erwarten?
Genau. Wir beobachten über dem Nordatlantik gerade kräftige Tiefdruckgebiete, die sich zu uns verlagern und polare Kaltluft mitbringen.

Was bedeutet das für uns?
Wechselhaftes, kaltes Wetter. Nachts müssen wir in den nächsten Wochen mit Temperaturen um null Grad und leichtem Frost rechnen. Der normale März-Wert liegt bei 3 bis 3,5 Grad Celsius. Es ist zu erwarten, dass wir darunterbleiben. Die statistischen Werte deuten darauf hin, dass auch die zweite März-Hälfte nur etwas wärmer wird. Ein richtiger Frühling ist also nicht in Sicht.

Gibt es eine Bauernregel, die das bestätigt?
Ja, und die lautet: „Schaltjahr wird Kalt-Jahr.“ Wenn wir die Statistiken der vergangenen hundert Jahre danach vergleichen, stimmt das in 85 Prozent der Fälle. Im Frühjahr und Herbst lagen die Temperaturen eher im Normalbereich, aber vor allem die Sommer waren wechselhaft und zu kühl.

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