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Brandenburg

21. November 2017 | 07:37 Uhr

Rettungskräfte frontal ausgebremst

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Geisterfahrer haben beim tödlichen Unfall auf der A12 die Einsatzkräfte behindert

svz.de von
erstellt am 21.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Nach den schweren Unfällen mit zwei Toten am Dienstag auf der Autobahn A12 („Der Prignitzer“ berichtete) schlagen die Rettungskräfte Alarm: Drei Geisterfahrer hätten ihnen in der Rettungsgasse zum Einsatzort den Weg versperrt, klagt die Feuerwehr Fürstenwalde (Oder-Spree).

Von massiver Behinderung spricht Jan Müller, Chef der Fürstenwalder Wehr. Als er und seine Kollegen am Dienstag kurz nach Schichtwechsel auf dem Weg zum Lkw-Unfall sind, kommen sie im Stau nur schleppend voran. Immer wieder ist die Rettungsgasse verstopft, gleich dreimal kommt ihnen auf den etwa 1000 Metern bis zum Einsatzort ein Geisterfahrer entgegen. „Wir wollten schnellstmöglich zum Einsatzort und haben dadurch bestimmt fünf Minuten verloren“, ärgert sich Müller. Den Geisterfahrer habe er der Leitstelle gemeldet und die nachfolgenden Einsatzkräfte gewarnt.

Dort will man den Fall jetzt eingehend prüfen. Ein Transporter, der auf die Rettungsfahrzeuge zufuhr und entgegen der Fahrtrichtung die Autobahn an der letzten freien Ausfahrt verlassen wollte, hatte nach Informationen dieser Zeitung ein bulgarisches Kennzeichen. „So etwas passiert leider immer wieder mal“, sagt Helmut Otto, Verantwortlicher für die Frankfurter Leitstelle, und nimmt die Retter in Schutz: „Die sind auf dem Weg zum Einsatzort – da kommt keiner auf die Idee, sich ein Nummernschild aufzuschreiben.“ Wenn ein konkretes Kennzeichen bekannt sein sollte, müsse die Feuerwehr als Betroffener selbst Anzeige bei der Polizei erstatten.

Ob das geschehen ist, kann bei der Polizeidirektion Ost niemand sagen. Auf jeden Fall, bestätigt eine Sprecherin, sei ein Geisterfahrer in der Rettungsgasse nach Strafgesetzbuch Paragraph 315c als Gefährdung des Straßenverkehrs zu werten. Selbst, wer in korrekter Fahrtrichtung Einsatzkräften den Weg zum Unfallort versperrt, muss mit einem Bußgeld rechnen. „Bei uns in Deutschland ist das nur eine Ordnungswidrigkeit, in Österreich wird das härter geahndet“, weiß Raymund Schmidt von der Johanniter-Motorradstaffel. Was auch ihm auffällt: Viele wissen gar nicht, wie sie sich zu verhalten haben, wenn es vorn gekracht hat und sich von hinten die Retter mit Blaulicht und Martinshorn nähern. Einer aktuellen von der Johanniter-Unfallhilfe in Auftrag gegebenen Studie zufolge sind 64 Prozent der Führerscheininhaber mit einer Rettungsgasse überfordert. Dabei ist die Regel simpel: Bei zwei Spuren wird in der Mitte Platz gemacht, bei drei Spuren rutscht die linke an die Leitplanke, die beiden übrigen nach rechts. „Auch wenn die Sprüche plakativ klingen, aber die Rettungsgasse rettet Leben“, sagt Daniel Tolksdorf, Sprecher des ADAC Berlin-Brandenburg.

 

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