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Brandenburg

16. August 2017 | 17:22 Uhr

Restauratorin vermittelt Wissen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung schwört auf „Denkmalunterricht

Wenn Dorothee Schmidt-Breitung ihre Arbeit erklärt, merken Zuhörer ihr die Begeisterung an. Und vor allem: Sie verstehen, worüber die Restauratorin für Wandmalerei redet. Denn die 44-Jährige beschreibt plastisch, wie mühevoll es ist, Holzwurmlöcher am Altar der Neuzeller Kreuzkirche zu stopfen, geheime Inschriften im Kreuzgang der Zisterzienserklosteranlage zu sichern oder schimmelnde Farbschichten mit Wattestäbchen und Spucke zu reinigen. „Das nennt sich enzymatisches Reinigungsmittel und schafft viel mehr Dreck als Wasser beispielsweise“, erzählt die gebürtige Sächsin, die in Berlin aufgewachsen ist, über ihre jüngste Arbeit.

Seit dem Frühsommer hat sie das etwa 20 Quadratmeter große Widmungsbild in der Vorhalle der katholischen Stiftskirche des Klosters restauriert. Das Werk des schlesischen Malers Georg Wilhelm Neunhertz stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und zeigt Christus auf der Weltenkugel als Erlöser der Menschheit. Der Künstler hat sein Fresko damals auf den noch nassen Putz der Wand gemalt. Eine Restaurierung sei dabei immer eine Herausforderung, sagt die Fachfrau Das Besondere ist für sie jedoch, dass die Vorhalle entstand, als die einst gotische Kirche auf Geheiß von Abt Martinus Graff barock überformt worden war. „Sie war wie ein Puffer, glich Außen- und Innentemperatur des Gotteshauses aus. Doch die dadurch entstandene hohe Luftfeuchtigkeit in der Halle war nicht gut für das Gemälde“, sagt die seit 20 Jahren in Breslack südlich von Neuzelle wohnende Expertin. Unter den Farbschichten seien Salzanhaftungen entstanden, hinzu kamen Schimmelbelag und Kalk, der zu Gips wurde und hässliche weiße Fehlstellen auf dem Fresko verursachte.

Schmidt-Breitung kennt die historische Klosteranlage so hautnah wie kaum jemand. 1998 begann sie als eine von mehreren Fachleuten im Team mit der Restaurierung der Josephskapelle – einem barocken Anbau der katholischen Stiftskirche. Ihr erster eigener Auftrag war 2005 die farbliche Untersuchung des Kloster-Kreuzgangs, bei der sie verborgene Pforten, geheime Inschriften und übermalte Wandgemälde entdeckte. „Dorothee ist die restauratorische Seele unserer Arbeit in der Klosteranlage“, sagt Walter Ederer, Marketingdirektor der Stiftung Stift Neuzelle oftmals.

Nicht nur in Neuzelle arbeitet Schmidt-Breitung mit ihrem Mann zusammen, der Holz-Restaurator ist. Kennengelernt haben sich beide aber nicht beim Restaurieren, sondern beim Wandern in der Niederen Tatra, wie Schmidt-Breitung lachend erzählt. Ihre beiden Söhne, 17 und 15 Jahre alt, wollen den Eltern beruflich nicht folgen, meint die Mutter. Doch durch sie weiß die Restauratorin, wie sie bei Jugendlichen Interesse an „alten Gemäuern“ weckt.

Die restauratorische Baubegleitung des Kloster-Klausurgebäudes, das nun das private Gymnasium der Rahn-Schulen beherbergt, machte der 44-Jährigen Lust, mit Schülern zu arbeiten. Bereits seit sechs Jahren ergänzt sie unter dem Motto „Denkmal aktiv“ den Geschichts-Leistungskurs der 11. Klassen, erarbeitete mit den Jugendlichen 2015 einen altersgemäßen Audio-Guide für die prunkvolle katholische Stiftskirche. „Es gibt etliche Gymnasiasten, die im eigentlichen Kloster-Teil in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft noch nie waren.“

Sie wolle als Restauratorin nicht nur Denkmale hinterlassen, sondern auch etwas im Bewusstsein junger Leute bewirken, denn aktive Denkmalpflege sei auch Heimatunterricht. „Denkmalpflege ist wie in so einer Blase. Die Vermittlung dessen, was da eigentlich passiert, klappt nicht wirklich“, bemängelt die Fachfrau, die das Ganze seit sechs Jahren auch wissenschaftlich untersucht.

Zunächst hat Schmidt-Breitung ihren Master of Art im Studiengang „Schutz europäischer Kulturgüter“ an der Europa-Universität „Viadrina“ Frankfurt (Oder) gemacht, anschließend Schüler in verschiedenen Regionen Deutschlands zu ihren Erfahrungen mit der Kulturerbevermittlung interviewt. Nun will sie darüber promovieren, wie nachhaltig „Denkmalunterricht“ sein kann und welche Kompetenzen dabei geschult werden können.  

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