zur Navigation springen
Brandenburg

20. November 2017 | 16:42 Uhr

Reparatur nah am Kunden

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

DB Schenker Rail setzt zunehmend auf mobile Instandhaltung / Gewerkschaft sieht Werkstätten gefährdet

svz.de von
erstellt am 21.Dez.2015 | 00:35 Uhr

Im Bahnwerk Eberswalde (Barnim) bangen 350 Mitarbeiter um ihre Zukunft. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sieht durch den Konzernumbau bei der Deutschen Bahn weitere Arbeitsplätze in Brandenburg in Gefahr – auch durch mobile Instandhaltungsteams.

Zwischen den Hunderten Waggons auf dem Werkbahnhof in Ziltendorf (Oder-Spree) ist Marcus Hoffmann kaum ausfindig zu machen. Er kniet auf einer Matte neben einem Wagen, in der einen Hand einen Hammer, in der anderen die abgenutzte Bremssohle. Hoffmann ist Wagenmeister – ohne sein Okay setzt sich kein Güterzug in Bewegung. Auf den zwei Gleisen des Rangierbahnhofs von Stahlproduzent ArcelorMittal Eisenhüttenstadt ist er mit seiner Chefin Kathrin Ruschke von DB Schenker Rail für die Problemfälle zuständig – hier ist das Güterwagenlazarett, unter freiem Himmel.

Und nah dran am Kunden. Für Kathrin Ruschke der entscheidende Punkt, der für die mobilen Teams spricht, die bei Eisenhüttenstadt, bei Schwedt in der Uckermark und in Seddin dann eingreifen, wenn an einem Güterzug ein Schadenfall gemeldet wird. „Wir grasen von den drei Standorten ganz Brandenburg ab“, sagt Ruschke und schickt nach einem kurzen Telefonat zwei Mitarbeiter ins Stahlwerk, wo es beim Entladen eines Waggons technische Probleme gibt.

Mal klemmen Schiebewände, mal müssen Gelenke geschmiert werden, mal wird ein Schaden an den Rädern festgestellt. „Wenn das passiert, darf der Wagen keinen Meter mehr fahren“, sagt Wagenmeister Hoffmann. Ein Hilfszug müsste aus Seddin angefordert werden, um den defekten Wagen abzuholen und in die Werkstatt zu bringen. „Das ist unter 20 000 Euro nicht machbar“, sagt Kathrin Ruschke. Da sei es einfacher und preiswerter, einen Kran zu mieten und die Radsätze vor Ort zu wechseln. „Mobiles Instandsetzen geht schneller als den Waggon in die Werkstatt zu schicken“, ist sie überzeugt.

Branchenkenner beobachten den mobilen Reparaturservice mit Sorge, nicht erst seit der Ankündigung von Bahnchef Rüdiger Grube, das Instandhaltungswerk in Eberswalde spätestens Ende 2016 schließen zu wollen – wegen zu geringer Auslastung. Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fürchtet, dass mobile Teams weitere Jobs in Brandenburger Instandhaltungswerken gefährden. Gegenüber dem RBB hatte ein EVG-Vertreter vergangene Woche gesagt, dass am Standort Cottbus 50 von rund 360 Stellen und in Wittenberge 200 von mehr als 700 Arbeitsplätzen auf dem Spiel stünden. „Wir haben die Bahn aufgefordert, im nächsten Jahr eine Strategie vorzulegen, wie die Zukunft der Instandhaltungswerke in Deutschland aussieht“, hatte EVG-Sprecher Uwe Reitz am Freitag gesagt.

Fakt ist: Die Güterbahn DB Schenker Rail soll ab 2018 wieder wachsen. Dazu werden auch Verladestellen geschlossen und stärker auf einen festen Fahrplan gesetzt. Bis zu 2600 Arbeitsplätze sind bundesweit in der Sparte gefährdet, wie Personalvorstand Ulrich Weber vergangene Woche sagte.

In Ziltendorf, Seddin und bei Schwedt verstehen sich die mobilen Serviceteams ganz und gar nicht als Totengräber der DB-Werkstätten. Dass das Werk in Eberswalde geschlossen werden müsse, habe nichts mit dem mobilen Wagenservice zu tun, beteuert Kathrin Ruschke. In Ziltendorf sind die „orangenen Engel“ nicht nur für den eigenen DB-Fuhrpark in Bereitschaft. Sie rücken auch aus, wenn Fahrzeuge anderer Unternehmen auf der Strecke bleiben – auf dem Rangierbahnhof in Ziltendorf sind nicht nur Waggons von DB Schenker Rail abgestellt.

Der gebürtige Lübbenauer Marcus Hoffmann hat sich vor zwei Jahren zum Wagenmeister qualifiziert. „Er kennt alle Systeme“, sagt Kathrin Ruschke. Im Güterverkehr gibt es Ruschke zufolge mehr als 100 Wagenbauarten. 20 Wagen bringen die drei Brandenburger Teams pro Tag wieder auf Vordermann. Das klappt nicht immer. „Manchmal müssen wir Ersatzteile aus dem Werk in Seddin anfordern, die erst am Tag danach eintreffen.“  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen