Lehrermangel : Rekord beim Stundenausfall

dpa_1497160026606d7f

Zehn-Jahres-Höchststand bei Unterrichtsausfällen erreicht. Problem mit Seiteneinsteigern nicht lösbar

von
11. Dezember 2017, 18:05 Uhr

Trotz neuer Lehrkräfte fallen in Brandenburg täglich Hunderte Unterrichtsstunden aus. Hauptgründe sind steigende Schülerzahlen und Pensionierungen. Nun rächt sich die zu geringe Ausbildung von Lehramtsanwärtern in den vergangenen Jahren.

Die Landesregierung ist vom angekündigten Abbau der Unterrichtsausfälle an den Schulen noch weit entfernt. Statt dessen erreichte die Zahl der ersatzlos ausgefallenen Stunden im abgelaufenen Schuljahr 2016/2017 mit 2,1 Prozent den höchsten Wert seit zehn Jahren, wie das Potsdamer Bildungsministerium auf Anfrage mitteilte. Um den Lehrermangel zu mildern, werden immer mehr Seiteneinsteiger eingestellt und nach kurzer Einarbeitung in die Klassen geschickt.

Laut Bildungsministerium mussten die Schüler im vergangenen Schuljahr auf 255 127 Stunden Unterricht verzichten. Mehr als zehn Prozent der rund 12,2 Millionen Pflichtstunden konnten nicht von Fachlehrern erteilt werden. Doch auch die seit 2014 verstärkt eingestellten Seiteneinsteiger können den Bedarf von jährlich 1000 bis 1200 Lehrkräften in den nächsten zehn Jahren nicht decken. „In bestimmten Regionen machen Quereinsteiger in den Grundschulen bereits zwei Drittel aller Neueinstellungen aus“, sagt Brandenburgs Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs.

Knapp zehn Prozent der rund 19 000 Lehrkräfte in Brandenburg sind bereits Seiteneinsteiger. „Ihre Zahl wird in den kommenden Jahren zunehmen, da der Markt leergefegt ist“, glaubt Fuchs. Deshalb sei mit dem Bildungsministerium vereinbart worden, spätestens ab 2019 die bisherige berufsbegleitende 200-Stunden-Schnellausbildung der Seiteneinsteiger durch ein dreimonatiges Qualifizierungsseminar zu ersetzen.

Der stellvertretende Sprecher des Landeselternrates, Jan Alexy, hält die Neulinge für eine „Notlösung“, da ihnen die pädagogischen Fähigkeiten häufig fehlten. Vor allem in den ländlichen Regionen müsse mehr getan werden, um Lehrer anzulocken. „Es dauert in Brandenburg auch zu lange, ehe Bewerber nach ihrem Studium eine Zusage für den Schuldienst bekommen“, habe er beobachtet.

Viele Bewerber hätten dann schon in Berlin eine Anstellung, wo ein höheres Einstiegsgehalt lockt. „Die Verbeamtung in Brandenburg allein zieht nicht“, ist Alexy überzeugt. Die mit der Landesregierung vereinbarte höhere Gehaltseinstufung für Grundschullehrer ist nach Ansicht der Lehrerverbände ein richtiger Schritt. „Aber das reicht nicht aus, Arbeitsbedingungen und Motivation der Lehrkräfte zu verbessern“, stellt der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands, Hartmut Stäker, klar.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Gordon Hoffmann, warf Rot-Rot vor, das Problem kleingeredet zu haben und verlangte eine Verdoppelung der Vertretungsreserve. Derzeit reiche sie nur aus, um Lehrer zu vertreten, sagte der Prignitzer Abgeordnete. Er warf der Landesregierung ein Versagen bei diesem Thema vor. . „Wir warnen seit Jahren vor dem Stundenausfall, aber die Landesregierung hat ihn erst ganz geleugnet und dann kleingeredet“, sagte Hoffmann.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen