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Millionenschweres Projekt : Reine Frauensache

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Alten Hennigsdorfer Gymnasium sollen ideale Arbeitsmöglichkeiten für Gründerinnen geschaffen werden

svz.de von
erstellt am 08.Dez.2017 | 05:00 Uhr

In der Werkstatt stellt eine Frau filigranen Schmuck her, während im Stockwerk darüber an einer Masterarbeit geschrieben wird. Und die ehemalige Turnhalle im Dachgeschoss ist für ein Meeting gemietet worden. So stellt sich Birgit Tornow-Wendland das (Arbeits-)Leben im Alten Gymnasium vor, das im Herbst 2020 als Gründerinnenzentrum seine Pforten wieder öffnen soll.

Mit Stadtwerke-Chef Thomas Bethke stellt Tornow-Wendland die Geschäftsführung der neu gegründeten Kommunalen Betreiber- und Immobiliengesellschaft (KBI). Unter deren Dach werden das neue Stadtbad und das Alte Gymnasium vom Planen bis zum Betreiben betreut.

Mit einem Projekt dieser Größenordnung, das fast ausschließlich für Frauen gedacht ist, betritt die KBI in Brandenburg Neuland. „Wir schließen Männer nicht aus“, versichert Tornow-Wendland. Aber sie werden in dem ehrwürdigen Haus eine untergeordnete Rolle spielen. Schließlich nennt sich das Projekt Gründerinnenzentrum, mit einem kleinen i.

Weshalb aber braucht es eine Gewerbeimmobilie, in der nur Frauen eine Firma gründen oder ihr junges Unternehmen auf Erfolgskurs bringen dürfen? „Viele Frauen suchen in der Lebensmitte nach einer neuen Perspektive und benötigen einen Schutzraum, um eigenständig sein zu können“, begründet Tornow-Wendland die Beschränkung. Es scheinen eher die Kleinigkeiten zu sein, die dazu führen, dass sich eine Frau an ihrem Arbeitsplatz sicher und gut aufgehoben fühlt: ausreichende Beleuchtung rund ums Gebäude, abgeschlossene Parkplätze, eine Zugangskontrolle und nicht zuletzt die Möglichkeit, direkt vor Ort ihre Kinder betreuen zu lassen. Letzteres richte sich nach dem Bedarf: „Wir haben an eine stundenweise Betreuung gedacht“, so die Geschäftsführerin.

Würde das Alte Gymnasium in Berlin stehen, wäre es wohl schon ausgebucht. Tornow-Wendland hat sich bei der Weiberwirtschaft, einer Genossenschaft nur für Frauen, erkundigt. Die Berliner haben eine Warteliste von 300 Frauen, die Räume suchen. Auch für die drei Stockwerke der alten Schule gibt es bereits Voranfragen. Locken dürften allein schon die Konditionen. Tornow-Wendland verspricht nicht nur Mietpreise, die unter dem Hennigsdorfer Durchschnitt für Gewerbeflächen liegen. Das Gründerinnenzentrum wird auch flexibel auf Mieterwünsche eingehen können. „Wir reagieren individuell“, sagt Tornow-Wendland und meint damit, dass Räume zeitlich befristet und von der Größe her variabel gemietet werden können. Selbst eine stunden- und tageweise Nutzung ist möglich.

An dieser Stelle kommen dann die Männer ins Spiel: Die dürfen ebenso wie Frauen zeitlich befristet einen Schreibtisch ordern, an dem sie zum Beispiel ihre Magister- oder Doktorarbeit schreiben. Im ehemaligen Heizungskeller soll es eine Kantine geben, die morgens auch gleich eine Flasche Wasser an den Arbeitsplatz stellt und fürs Catering zuständig ist, wenn unterm Dach Veranstaltungen für bis zu 199 Besucher stattfinden.

Für das 15 bis 20 Millionen Euro teure Vorhaben liegt der KBI bereits die Baugenehmigung vor. Der Antrag auf Fördermittel soll bis Jahresende beim Land auf dem Tisch liegen. Dafür waren umfangreiche Abstimmungen mit dem Denkmalschutz nötig. Der 1926 bezogene Bau ist für Denkmalpfleger in mehrfacher Hinsicht interessant. „Wir mussten Stellen schaffen, an denen die alten Farbschichten gezeigt werden“, berichtet Bethke. Auch Umbauten zu DDR-Zeiten dürfen nicht einfach verschwinden. „Türen, die ausgebaut werden, müssen wir erhalten. Ich weiß allerdings nicht, für wen“, amüsiert sich Tornow-Wendland.

Läuft alles wie am Schnürchen, könnte Ende 2018 der Umbau starten. In drei Jahren soll längst Leben im Haus herrschen.


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