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Alte Kulissen von Neuzelle : Reigen von Wasserschäden befreit

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die jahrhundertealten Passionsdarstellungen in Neuzelle sind ein kulturelles Highlight. Schäden gefährden allerdings den Bestand

Eine Leinwand hatte ein Riesenloch und eine andere einen großen Wasserschaden. Ein Teil der jahrhundertealten Passionsdarstellungen vom Kloster Neuzelle kam im Sommer 2016 in diesem Zustand in die Hände von Restauratoren. Jetzt sieht Szene vier der Kulissen-Schaubilder ganz anders aus (wir berichteten gestern kurz). Das Loch ist nicht mehr zu sehen und viele der Wasserschäden sind wie weggezaubert. Im nächsten Herbst sollen die Szenen-Teile im Museum auf dem Klosterareal zu sehen sein, wie die Stiftung Stift Neuzelle ankündigt.

Noch sind die Holz- und Leinwandteile in der Restaurierungswerkstatt des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Archäologisches Landesmuseums in Wünsdorf (Teltow-Fläming) untergebracht. Zum Teil liegen sie auf Tischen oder lehnen an Wänden. Die Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab mit 15 Szenen und mehreren übermannshohen Bühnenbildern schuf um 1750 ein böhmischer Künstler.

Solche Barocktheater waren seit dem 16. Jahrhundert in der Karwoche und zur Osterliturgie in Kirchen aufgestellt. Derzeit sind im Museum „Himmlisches Theater“ auf dem Klosterareal zwei restaurierte Szenen zu sehen. Es sind die Szenen 9 „Kreuztragung Jesu“ und 2 „Judaskuss“. Die jetzt dritte restaurierte Szene soll dann eine der beiden anderen ersetzen. Die übrigen Szenen und Bühnenbilderteile lagern im Depot der Stiftung. Ob und wann sie restauriert werden, ist aber noch unklar. Es ist eine kleinteilige Arbeit in der Werkstatt gewesen.

Chefrestauratorin Mechthild Noll-Minor und ihre Kolleginnen erläutern die Arbeitsschritte. Bei den eingerissenen Leinwänden hingen demnach Fetzen herab, als sie hierher kamen. Das Gewebe musste stabilisiert werden, damit die Leinwände wieder gespannt werden konnten. Oberstes Ziel war es, den Originalzustand so weit wie möglich zu erhalten. Viele Teile sind noch gut erhalten. Andere hatten unter Wasserschäden gelitten, oder die Farbe auf Holztafeln war verblasst. Mit feuchten Kompressen schafften es die Restauratoren, teilweise den Dreck aus den Wasserrändern zu ziehen. Viel ist noch erhalten vom Originalzustand. Zum Beispiel Riegel und Verschlüsse, die die einzelnen Teile zu einer Kulisse verbinden.

Szene 4 heißt „Jesus vor Kaiphas“. Auf einzelnen Holztafeln ist neben Figuren auch Schrift zu sehen. Zum Beispiel steht dort: „Die Philister griffen ihn.“ Die Szene und das Bühnenbild, das auch für weitere der 15 Szenen genutzt wird, haben Tiefenwirkung. Säulen sollen einen Palast darstellen. Laut Noll-Minor ist die Station die einzige Innenszene der gesamten Passionsdarstellungen. Eine Besonderheit dieser Szene sind originale Glaskugeln, die zur seitlichen Beleuchtung genutzt wurden. Hinter einzelnen Tafeln wurden die Kugeln in einem Loch platziert. Mit einer brennenden Kerze auf der Hinterseite kam dann Licht an die Stelle. Vorsichtig nimmt die Chefrestauratorin eine der Glaskugeln, die in einem Karton eingepackt sind, in die Hände.

Mehrere Stiftungen beteiligten sich an der Finanzierung der Restaurierung. Die genaue Höhe der Kosten blieb unklar. Das Kloster Neuzelle (Oder-Spree) ist eine Besonderheit in Ostdeutschland. Das barocke Ensemble sticht architektonisch in der Region heraus. Es wurde im 13. Jahrhundert gegründet. Vor 200 Jahren - im damaligen Preußen - war das barocke Kloster Neuzelle verstaatlicht worden. Seit kurzem leben dort aber wieder Zisterzienser-Mönche. Sie kamen aus dem Wienerwald.

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