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Kriminalität : Rechte Angriffe am helllichten Tag

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Beratungsstelle Opferperspektive verzeichnet 2016 mit 221 Fällen den Höchststand an rechter Gewalt.

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erstellt am 18.Mär.2017 | 04:55 Uhr

Die Beratungsstelle Opferperspektive hat im vergangenen Jahr einen Höchststand von rechter Gewalt gegen Flüchtlinge und ihre Unterstützer in Brandenburg verzeichnet. Insgesamt zählte der Verein 221 rechte Angriffe, darunter allein 186 Körperverletzungen. „Die Menschen wurden meist am helllichten Tag in ihrer direkten Wohnumgebung, an Supermärkten oder Bahnhöfen angegriffen“, berichtete der Berater Hannes Püschel gestern in Potsdam. „Dahinter steckt ein enthemmter Vertreibungswille der Täter.“ Dies sei eine weitere Steigerung gegenüber dem Vorjahr mit 203 Fällen und mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2014, als 98 Angriffe gezählt wurden, berichtete Geschäftsführerin Judith Porath. Beängstigend sei auch die Tatsache, dass die rechten Gewalttäter zunehmend die Gefährdung von Menschenleben in Kauf nähmen. Sechs der neun registrierten Brandanschläge galten bewohnten Flüchtlingsunterkünften, 2015 geschah dies in einem von zehn Fällen.

Viele Opfer trauten sich anschließend nicht mehr allein auf die Straße, berichtete Püschel. Zunehmend richteten sich die Angriffe von meist älteren Tätern gegen Kinder und Jugendliche. Im Jahr 2015 gab es 47 solcher Übergriffe, im vergangenen Jahr zählte der Verein bereits 110 Fälle.

Berater Joschka Fröschner beklagte die langwierige juristische Ahndung von rechten Straftaten. „Zwischen einem Angriff und dem Prozess vergehen in der Regel eineinhalb Jahre“, sagte Fröschner. Die Täter machten also die Erfahrung, dass sie zunächst keine Konsequenzen fürchten müssten. „Dies bestärkt die Täter und verfestigt rechte Milieus.“

Nachdem im Spremberg (Spree-Neiße) 2016  führende Köpfe der rechten Szene in Haft mussten, seien die Übergriffe gegen Flüchtlinge in den ersten drei Quartalen gesunken. Ab dem Herbst sei es wieder zu rassistisch motivierten Angriffen in der Stadt gekommen, hieß es. Die Tatverdächtigen stammten aus dem Nachwuchs der lokalen Neonazi-Szene.

Besonders bedrohlich sei die Lage in Cottbus, berichtete Fröschner. Dort zählte der Verein 41 rechte Angriffe, so viele wie noch nie in einer Stadt seit Beginn der Zählung im Jahr 2002. Klaus Peters

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