Refugee-Teacher-Programm : Rechnen mit syrischer Lehrerin

Als Hilfslehrerin arbeitet Alesar Saed seit dem 1. Oktober in der Goethe-Grundschule in Potsdam
Als Hilfslehrerin arbeitet Alesar Saed seit dem 1. Oktober in der Goethe-Grundschule in Potsdam

Migranten mit akademischer Ausbildung absolvieren an der Uni Potsdam Vorbereitungslehrgang

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11. November 2017, 05:00 Uhr

„Wie verteilt der Händler gerecht 15 Äpfel unter sieben Kindern“, fragt Hilfslehrerin Alesar Saed die Drittklässler in der Potsdamer Goethe-Grundschule. Die Kinder an der Tafel verteilen jeweils zwei Äpfel in die aufgemalten Kreise. Einer bleibt übrig. „Was machen wir damit?“, fragt Saed. „Den kann er aufessen!“, schlägt ein Schüler spontan vor. Die Lehrerin lächelt. „Der bleibt als Rest“, sagt sie. „15 geteilt durch 7 ist 2, Rest 1“, lautet die Lösung. Dann werden die Äpfel unter drei, vier oder fünf Kindern verteilt.

Seit dem 1. Oktober unterrichtet die 30-jährige Syrerin an der Grundschule, als Assistentin von Klassenlehrerin Katrin Heinrichs. „Ich bin unendlich froh, wieder in meinem geliebten Beruf zu arbeiten“, sagte Saed, die im Herbst 2015 aus Syrien nach Potsdam kam. Die 30-Jährige hat mit 25 weiteren Flüchtlingen an der Universität Potsdam drei Semester lang an einem Vorbereitungsprogramm für Lehraufgaben teilgenommen. „Unser Refugee Teacher Programm ist in Deutschland bislang einzigartig“, sagte der Präsident der Universität Potsdam, Oliver Günther, bei einem Besuch in der Goethe-Grundschule.

Initiiert wurde das Programm, in dem inzwischen rund 100 Flüchtlinge drei Semester lang Deutsch lernen und auf den Unterricht vorbereitet werden, von Professorin Miriam Vock. Aufgenommen werden Flüchtlinge, die eine Universitätsausbildung und in ihrem Heimatland und bereits als Lehrer gearbeitet haben. Das Potsdamer Wissenschaftsministerium fördert das Programm bis 2019 mit mehr als 800 000 Euro.

Die größte Hürde für die Refugee-Teacher ist die Sprache. Trotz intensiven Unterrichts schafften von 26 Teilnehmern des ersten Kurses nur zwölf die notwendige Sprachprüfung der Stufe C1. „Damit können sie an einer deutschen Universität studieren“, erläuterte Vock den hohen Anspruch an die Flüchtlinge. Einige Teilnehmer hätten aufgeben müssen. „Das liegt teils an den prekären Lebensverhältnissen in Gemeinschaftsunterkünften“, sagte Vock. Nun unterrichten sechs Hilfslehrer an Potsdamer Grund- und zwei an Oberschulen.

Für die jüngste Bewerbungsrunde hatten sich mehr als 700 Flüchtlinge aus ganz Deutschland gemeldet. „In vielen Ländern brauchen Lehrer keine universitäre Ausbildung“, sagte Vock. „Doch wir nehmen zunächst nur Akademiker, weil die anderen in unserem Bildungssystem nicht weiterkommen könnten.“ Doch auch für die erfolgreichen Absolventen ist noch nicht klar, wie es weitergeht. Saed und ihre Kollegen haben nur einen befristeten Vertrag für ein Jahr. „Auf welchem Weg sie regulär in den Schuldienst übernommen werden können, ist noch nicht geklärt“, sagte Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). „Möglicherweise müssen sie wie in Deutschland vorgeschrieben noch ein zweites Fach studieren oder noch einmal den Vorbereitungsdienst absolvieren.“

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