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Keine Erklärung für Erfolge der Rechtspopulisten : Ratlos in Klepzig

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

41 Prozent der Stimmen für AfD- Landratskandidaten

von
erstellt am 27.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Bei den Landratswahlen in Potsdam-Mittelmark gibt es einen klaren Sieger: Wolfgang Blasig (SPD) geht mit 45,6 Prozent der Stimmen in die Stichwahl am 9. Oktober. Aber in manchen Orten sah das Ergebnis anders aus: In Klepzig zum Beispiel stimmten 41,9 Prozent der Wähler für die AfD.

Es ist ein kleines Dorf im Fläming an der Autobahn A9, ein Ortsteil von Wiesenburg (Mark). Und es ist der Ort im Landkreis Potsdam-Mittelmark, der bei der Landratswahl das höchste Ergebnis für den Kandidaten der AfD, den Landtagsabgeordneten Sven Schröder, einfuhr. Von 65 Klepzigern, die ihr WahlStimmrecht nutzten, gaben 26 ihre Stimme für Schröder ab. Das entsprach einem Anteil von 41,9 Prozent. Zum Vergleich: Im Berliner Speckgürtel kam der AfD-Kandidat kaum über zehn Prozent, im wirtschaftlich prosperierenden Kleinmachnow erreichte er in manchen Stimmbezirken gerade fünf Prozent.

Was also ist der Grund dafür, dass die AfD nicht nur in Klepzig, sondern in zehn kleinen Flämingdörfern mehr als 30 Prozent der Stimmen erhielt? „Klepzig ist kein Dorf, das dem Verfall preisgegeben ist“, sagt der Bürgermeister von Wiesenburg, Marco Benckendorf (Linke). Das Dorfleben sei intakt, es gebe ein Gemeinschaftshaus und einen Jugendclub. Und auch Probleme mit Rechtsextremisten sind dem Bürgermeister aus Klepzig nicht bekannt. „Ich denke, dass sich manche Menschen dort nicht berücksichtigt fühlen“, sagt Benckendorf. Dazu komme, dass viele Kandidaten für die Landratswahl aus dem Speckgürtel kämen, und in den Dörfern kaum bekannt gewesen seien.

Doch politische Parteien haben es in Wiesenburg insgesamt schwer. Wer in die Ergebnisliste der letzten Kommunalwahl blickt, stellt fest, dass die stärkste Kraft eine Wählervereinigung gewesen ist. Die Liste der „Dorfgemeinschaft“ hat so viele Sitze in der Gemeindevertretung, wie CDU, Linke und SPD zusammen. „Es ist immer schwieriger, Mitglieder für Parteien zu finden“, sagt Benckendorf. Es gebe keine Gasthöfe mehr, in denen sich Menschen austauschen könnten. „Und manchmal gibt es das Gefühl, dass man vor Ort ja ohnehin nichts mehr entscheiden kann.“

Aber Klepzig? Wenn man sich im Dorf umhört, sind die Menschen ratlos. „Es gibt keine besonderen Probleme im Ort, die dazu führen könnten, dass so viele Menschen die AfD wählen“, sagt Pfarrer Matthias Stephan. Windräder, Altanschließer, Flüchtlinge – in Klepzig gibt es keines der drei Themen, die das Land in den letzten Monaten beschäftigt haben.

Auch Ortsvorsteher Lothar Spiesecke, der für die Liste „Freie Bürger und Bauern“ antrat, hat für das AfD-Ergebnis keine Erklärung. „41,9 Prozent sind schon ungewöhnlich hoch“, sagt Spiesecke. „Aber wir sind hier nicht schlechter dran, als anderswo.“ Er glaube nicht, dass irgendein Wähler den AfD-Kandidaten persönlich kannte. Irgendjemanden an seiner Wahl gehindert hat das am Ende freilich nicht.

 

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