Eklat um AfD-Kandidaten : Rathauschef dringend gesucht

Zukunft offen: Detlev Frye war kurze Zeit der erste AfD-Bürgermeister in Brandenburg. Nun soll neu gewählt werden.
Zukunft offen: Detlev Frye war kurze Zeit der erste AfD-Bürgermeister in Brandenburg. Nun soll neu gewählt werden.

Lebus hatte für wenige Tage den ersten AfD-Bürgermeister Brandenburgs/ Doch die Wahl wurde annulliert

23-76616880_23-77885790_1457459114.JPG von
22. Januar 2018, 05:00 Uhr

Den 3000-Seelen-Ort Lebus nördlich von Frankfurt (Oder) kannten bisher wohl vor allem Hobbyhistoriker und Naturfreunde. Im Mittelalter war die Kleinstadt im Landkreis Märkisch-Oderland stolzer Bischofssitz, alljährlich im Frühjahr sind die Lebuser Oderhänge Pilgerstätte für die Liebhaber der seltenen Adonisröschen.

Im Spätherbst 2017 hat Lebus jedoch Schlagzeilen gemacht – mit dem in Brandenburg ersten amtierenden Stadtoberhaupt mit einem Parteibuch der AfD. Für einen Aufschrei auf Landes- und Bundesebene hatte der Umstand gesorgt, dass der von den Stadtverordneten gewählte Detlev Frye augenscheinlich auch Stimmen von der CDU und von Anhängern der Linken erhalten hatte. Ein Verfahrensfehler führte letztlich dazu, dass der 53-jährige AfD-Mann nur wenige Tage im Amt war. Eine zweite Wahl scheiterte daran, dass Stadtverordnete dem Termin einfach fern blieben.

Nun soll es am 25. Januar einen dritten Anlauf geben. Das Problem: Für den Posten des ehrenamtlichen Bürgermeisters haben sich bisher keine Kandidaten gemeldet, wie die Wahlleiterin des Amtes Lebus, Ines Frackowiak, bestätigt. Ein Umstand, der zunächst überrascht. Hatten regionale und Landesvertreter der großen Parteien doch im November vergangenen Jahres verkündet, bis zur nächsten Wahl einen Kandidaten aus den eigenen Reihen zu präsentieren. „Trotz aller Einigkeit und vieler Gespräche zwischen den Parteien ist uns das nicht gelungen“, sagt die aus der Region stammende SPD-Landtagsabgeordnete Simona Koß.
Dies sei extrem ärgerlich, habe allerdings „regionale Gründe“. Nicht nur Lebuser selbst berichten, dass sich die Stadtverordneten untereinander nicht grün seien, Streitereien teilweise auch unter der Gürtellinie austragen würden.

Ein Umstand, der die bisherige Bürgermeisterin, Britta Fabig (CDU), samt Stellvertreterin im vergangenen Herbst bewogen hatte, das Handtuch zu werfen. „Sie fühlte sich allein gelassen, sowohl von der Amtsverwaltung, als auch von ihrer eigenen Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung“, erzählt Frank Schütz, Bürgermeister der Gemeinde Golzow und CDU-Kreistagsabgeordneter in Märkisch-Oderland. Er habe in den vergangenen Wochen mehrfach mit seiner Parteifreundin diskutiert. „Doch sie wollte nicht wieder auf den Posten, weil sich an den Umständen nichts geändert hat und sie nichts bewegen kann“, sagt Schütz.

Kopfschütteln verursacht bei ihm das Verhalten des Lebusers Joachim Naumann (CDU), der als ältester Stadtverordneter derzeit von Amts wegen als Bürgermeister fungiert und die ganze Aufregung um die AfD angeblich nicht verstehen könne. Eine Haltung, die die Linken-Landtagsabgeordnete aus Märkisch-Oderland, Bettina Fortunato, so gar nicht nachvollziehen kann. „Ich habe unzählige Gespräche und Telefonate geführt, weil ich finde, dass an die Spitze einer 3000-Einwoher-Stadt kein AfD-Mitglied gehört“, sagt sie und betont, dass auch viele Lebuser so denken würden. „Wählten die Einwohner und nicht die Stadtverordneten, würde es Frye nie auf den Posten schaffen“, glaubt die Linken-Politikerin. Im Amt wäre der jetzt zu bestimmende Bürgermeister nur bis zu den Kommunalwahlen im Mai 2019. Laut Fortunato sei auch das ein Grund gewesen, warum viele, mit denen sie gesprochen hatte, sich gegen eine Kandidatur entschieden. „Die Politikverdrossenheit vor allem in kleineren Orten ist inzwischen so groß, dass keiner mehr Verantwortung übernehmen möchte, schon gar nicht ehrenamtlich“, glaubt hingegen Reinhard Schmook, der für die SPD im Kreistag Märkisch-Oderland sitzt. Und Wahlleiterin Frackowiak meint, dass der „Pressewirbel“ die Leute verschreckt habe.

Auch AfD-Mann Frye hält sich derzeit mit einer offiziellen Kandidaturankündigung noch zurück – um eine erneute „Hetzjagd der Medien“ zu vermeiden, wie er sagt. „In der öffentlichen Sitzung am 25. Januar können Stadtverordnete noch ihre Kandidatur erklären“, erläutert Frackowiak. Viele halten es für wahrscheinlich, dass Frye diese Möglichkeit nutzen wird. Sollte sich jedoch auch dann niemand für den Posten finden, wird CDU-Mann Naumann laut der Wahlleiterin weiterhin die Geschäfte führen, notfalls bis zu den regulären Kommunalwahlen im kommenden Jahr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen