Landwirtschaft : Raps ist das Sorgenkind der Bauern

Ein Verbot von Insektiziden verringert die Rapserträge, schützt aber die Bienen.
Ein Verbot von Insektiziden verringert die Rapserträge, schützt aber die Bienen.

Neue Auflagen zum Schutz der Bienen lassen Erträge massiv sinken. Landwirte schimpfen, Imker sind zufrieden.

svz.de von
17. Mai 2017, 12:48 Uhr

Die Rapsblüte ist derzeit wieder ein Fest fürs Auge. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. Weil zum Wohle der Bienen und anderer Insekten seit 2014 gebeiztes Saatgut EU-weit verboten ist, sinken zum Ärger der Landwirte die Erträge.

Auf 250 Hektar hatte Bauer Wolfgang Brand aus Altreetz in Märkisch-Oderland im vergangenen Spätsommer Raps angebaut. 45 Hektar davon musste er schon lange vor der Ernte umbrechen und mit Sonnenblumen und Erbsen neu bestellen. „Die Läuse hatten den Raps teilweise regelrecht aufgefressen“, erzählt Brand. Andere Pflanzen seien so schwach gewesen, dass sie den Winter nicht überstanden haben.

Dieser Sommer ist aber nicht der erste, in dem Wolfgang Brand viel weniger Raps ernten wird als erhofft. Im vergangenen Jahr seien es ebenfalls nur 20 Dezitonnen gewesen, weniger als die Hälfte im Vergleich zu 2013. Damals durfte der Landwirt aus dem Oderbruch genauso wie alle seine Kollegen in der EU noch mit gebeiztem Saatgut arbeiten.

Seit 2014 ist dessen Zulassung bis auf Weiteres ausgesetzt. Das zum Schutz der Rapspflanzen gegen Erdflöhe, Kohlfliegen und Läuse eingesetzte Insektizid gilt als hoch gefährlich für Bienen und andere Insekten. Wolfgang Brand hat dafür kein Verständnis. „Vor allem der junge Raps ist völlig ungeschützt gegen die Schädlinge“, sagt er.

Um ohne das gewohnte Saatgut dennoch Erträge erzielen zu können, müsse er mehrere Male mit der Pestizid-Spritze ran. „Das ist keinesfalls besser für die Bienen“, betont der Bauer. „Nichts ist so wirkungsvoll und hat gleichzeitig für die Bienen so geringe Auswirkungen wie das Beizen des Saatguts.“

Der Landesbauernverband sieht es genauso. „Die neue Regelung hilft den Insekten nicht und schadet den Bauern“, sagt Thorsten Mohr, Experte für Acker- und Pflanzenbau. Die Rapsernte sei im vergangenen Jahr auch aus diesen Gründen katastrophal gewesen. Mohr schätzt die Einbußen durch die Schädlinge je nach Standort in Brandenburg auf bis zu 20 Prozent.

Es gebe bereits Landwirte, die aus diesem Grund den Rapsanbau einschränken oder gar einstellen wollen, sagt Mohr. Auch diese Entscheidung sei eine Frage des Standorts. „Schädlinge wandern nicht. Sind sie einmal da, bleiben sie an diesem Acker.“

Thorsten Mohr schildert, dass der Erdfloh die ersten Blätter der Rapspflanze frisst, die Larven der Kohlfliege sich an den Wurzeln zu schaffen machen und die Läuse den Pflanzensaft saugen. Alle drei Schädlinge könne man hervorragend mit gebeiztem Saatgut in Schach halten. Da die Bauern darauf jetzt verzichten müssen, würden sie den Raps bis zu viermal spritzen. „Und gegen die Kohlfliege hilft nicht einmal das. Nördlich von Berlin sind zudem die Erdflöhe weitgehend resistent gegen Insektizide.

Mohr hofft, dass die EU die Rapsbeize bald wieder zulässt. Ende April habe es dazu noch einmal eine Anhörung gegeben, auf der jedoch auch die Umweltschützer ihre Position bekräftigt hätten.

Auch Holger Ackermann, als Sprecher des Brandenburger Imkerverbands Anwalt der Bienen, verteidigt das Verbot der Rapsbeize als „gute Entscheidung“. Dass nun mehr gespritzt werde, dürfe nicht als Rechtfertigung dafür dienen, zur alten Chemiekeule zurückzukehren. Das Dilemma der Bauern zeige vielmehr, dass die Landwirtschaft ihre Anbaumethoden komplett verändern müsse, so Ackermann. Pestizid-Einsatz dürfe nie prophylaktisch erfolgen, fordert er.

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