Oderbruchzoo Altreetz : Rätsel um getötete Kängurus

Stehen nun unter besonderer Beobachtung: die verbliebenen Kängurus im Oderbruchzoo Altreetz.
Stehen nun unter besonderer Beobachtung: die verbliebenen Kängurus im Oderbruchzoo Altreetz.

Innerhalb weniger Wochen sind zwei Kängurujunge aus dem Oderbruchzoo Altreetz verschwunden. Dort wurde in einem Fall das Muttertier offenbar getötet.

svz.de von
03. März 2016, 08:00 Uhr

Brutale Übergriffe auf Kängurus beschäftigen derzeit die Polizei in Brandenburg. Innerhalb weniger Wochen sind zwei Kängurujunge aus dem Oderbruchzoo Altreetz (Märkisch-Oderland) verschwunden. Dort wurde in einem Fall das Muttertier offenbar getötet. Zuletzt meldete auch eine Privathalterin aus dem nahegelegenen Wriezen das Verschwinden eines Jungtieres. Sie berichtete der Polizei außerdem von zwei getöteten Kängurus.

In allen Fällen sind die Jungtiere aus dem Beutel des Muttertieres verschwunden. Für die stellvertretende Leiterin des Oderbruchzoos, Sabine Klein, kommen dafür zwei Erklärungen in Betracht: „Es kann ein wildes Tier gewesen sein. Oder es war ein organisiertes Verbrechen.“ Spezialisierte Diebe bedienten einen Schwarzmarkt für Menschen mit falsch verstandener Tierliebe. Manche Leute wollten „mit einem Känguru am Frühstückstisch sitzen“, sagt Klein. „Wer ein zahmes Känguru haben will, muss es als Baby mit der Flasche aufziehen“, erklärt sie.

Seit 20 Jahren beherbergt der Oderbruchzoo die in Australien beheimateten Beuteltiere. Zoochef Peter Wilberg ist entsetzt und versucht die Altreetzer Einrichtung jetzt mit Überwachungskameras zu schützen. Er spricht von Angriffen auf die Einrichtung durch „mafiöse Strukturen“. In der Vergangenheit seien bereits Papageien gestohlen worden. Und im vergangenen Jahr habe es schon einen Fall gegeben, in dem ein junges Känguru aus dem Beutel seiner Mutter gerissen wurde. Auch damals habe es keine Spuren gegeben, die auf ein Verbrechen durch Menschenhand hindeuteten.

Am Freitag hat es nun den jüngsten Anschlag auf den Zoo gegeben. Sabine Klein hat bei ihrem morgendlichen Rundgang das Schreckliche entdeckt. Eines der Känguru-Weibchen, etwa zehn Jahre alt, lag tot im Gehege. Von ihrem Jungen fehlt seither jede Spur. „Da die Kängurus scheu sind und panisch reagieren, denken wir, dass Einbrecher die Tiere mit einem Netz gefangen haben“, sagt Wilberg.

Der Zoodirektor vermutet dahinter eine kriminelle Bande, die die gestohlenen Tiere teuer verkauft – entweder als handzahm gezüchtete Tiere, völlig gegen ihre scheue Natur, oder an Gourmetrestaurants, die das Fleisch der jungen Kängurus für viel Geld auf die Speisekarte setzen. Känguru-Weibchen werden auf dem Schwarzmarkt mit circa 1000 Euro gehandelt, so Wilberg. Viel kann der Zoochef gegen kriminelle Machenschaften nicht unternehmen. Er hat Anzeige erstattet. Auf die verbleibenden vier Kängurus haben er und seine Mitarbeiter jetzt ein besonders wachsames Auge.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen