Windkraftanlagen : Radartechnik als Lichtschalter

Das ständige Blinken von Windkraftanlagen ist vielen ein Dorn im Auge. Per Radarsteuerung kann heutzutage auch bedarfsgerecht „befeuert“ werden.
Das ständige Blinken von Windkraftanlagen ist vielen ein Dorn im Auge. Per Radarsteuerung kann heutzutage auch bedarfsgerecht „befeuert“ werden.

In einem Pilotprojekt soll die Beleuchtung an Windkraftanlagen automatisch gesteuert und somit auf ein Mindestmaß reduziert werden

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28. März 2016, 16:00 Uhr

Ob das Blinklicht an Windkraftanlagen nachts angeht oder nicht, soll künftig per Radarüberwachung geregelt werden. Im Juli vergangenen Jahres stellte der Bund dafür die juristischen Weichen. Die Idee an sich gibt es schon viel länger, seit Jahren wird an Lösungen getüftelt, die die vielfach überflüssige Blinkerei auf ein Minimum reduzieren können. In größerem Stil eingesetzt wird die neue Hochtechnologie noch nicht – aber bald. „Nach Möglichkeit noch in diesem Jahr“, sagte diese Woche Dr. Eberhard Voß, Geschäftsführer der Voss Energy GmbH aus Rostock. Er ist der Projektentwickler für den Windpark Krampfer (Gemeinde Plattenburg) und ist unisono mit dem Betreiber und Initiator Albrecht Graf von Wilamowitz-Moellendorff ein Verfechter für die neuartige Vernetzung von Windkraftanlagen bzw. Windparks.

Mit der Quantec Networks GmbH aus Hannover fand man einen versierten Umsetzer für diese Idee. Quantec-Geschäftsführer Alexander Gerdes präsentierte im Groß Pankower Rathaus die Vorstellungen und die genaue technische Realisierung. Geplant ist die Installierung eines Radars auf einem etwa 50 Meter hohen Mast bei Groß Woltersdorf (Gemeinde Groß Pankow). „Dort haben wir eine natürliche Höhe von 110 Metern, zudem liegt der Punkt zentral in der Region“, erläutert Groß Pankows Bauamtsleiter Halldor Lugowski. Von hier aus kann das Radarsystem einen Radius von gut 18 Kilometern detektieren, das heißt, niedrig fliegende Objekte, wie z. B. Hubschrauber, erkennen und in einem solchen Fall quasi den „Lichtschalter“ betätigen, also die Befeuerung an den entsprechenden Anlagen einschalten. „Wir beginnen mit dem Windpark Krampfer und entwickeln das Ganze von dort aus weiter“, so Eberhard Voß.

Möglichst viele Betreiber von Windrädern und -parks in der Region möchten die Initiatoren mit ins Boot holen. „Wir wollen die Projektentwickler zusammenbringen“, sagt Halldor Lugowski. In der eigenen Gemeinde sei das Interesse vorhanden. Man gehe den Weg von Beginn an gemeinsam mit der Stadt Pritzwalk und der Gemeinde Plattenburg.

Die Beleuchtung – auch Befeuerung genannt – von Windrädern ist erst ein Thema, seit die Anlagen mehr als 100 Meter hoch sind, so Alexander Gerdes. „Heute messen die Windräder vom Fuß bis zur Rotorspitze 180 bis 200 Meter, in Planung befinden sich bereits 230 Meter hohe Anlagen.“

Das Vorhaben in Krampfer bezeichnet er als derzeit in Deutschland einmalig. Bisher gab es nur temporäre Testanlagen. In der Prignitz soll die moderne Radartechnologie auf Dauer installiert werden. Albrecht Graf von Wilamowitz-Moellendorff und Voss Energy gehen für das zukunftsweisende Pilotprojekt in Vorleistung: Rund 750 000 Euro kosten Radar und Vernetzung mit dem Windpark. „Je mehr Mitstreiter wir finden, umso günstiger wird es für den Einzelnen. Das ist unser erklärtes Ziel“, bekräftigt Eberhard Voß.

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