Landesweites Konzept : Psychologische Hilfe bei Beamten tabu?

Psychotherapie
In Psychotherapie

Polizisten lehnen Unterstützung bei der Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse ab

svz.de von
28. April 2017, 05:00 Uhr

Die Zahl der Angriffe auf Polizeibeamte ist im Land Brandenburg zuletzt kontinuierlich gestiegen. Wurden im Jahr 2012 noch 870 Straftaten registriert, so waren es im vergangenen Jahr 1025. In drei von vier Fällen handelte es sich laut der märkischen Kriminalstatistik um Widerstand gegen Polizeibeamte.

Die Einsätze für viele der insgesamt rund 8000 Beamten im Land werden also immer schwieriger. Damit dürfte auch die psychologische Belastung zunehmen. Dennoch kommt die Behörde laut Potsdamer Innenministerium nach wie vor mit lediglich vier Polizeipsychologen aus. Ihr Angebot umfasst Einzelgespräche, eine Diagnostik sowie Selbsthilfegruppen. Ein landesweites Konzept für den Umgang mit psychischen Problemen von Polizisten gibt es nicht.

Andreas Schuster, Brandenburger Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), macht sich Sorgen, dass sich längst nicht alle Polizisten Hilfe holen, die es nötig hätten. „Die Nachfrage nach diesen Angeboten ist gering. Sie müsste eigentlich höher sein, wenn man sich anschaut, was viele Beamte im Einsatz erleben“, sagt Schuster. Er verweist nicht nur auf Attacken auf Polizisten, sondern auch auf schwere Unfälle oder blutige Straftaten, deren Zeugen die Beamten mitunter werden.

Jeder verarbeite das anders, das sei ihm schon klar, sagt der GdP-Landeschef. „Aber ich glaube nicht, dass das alle Kollegen so einfach wegstecken.“ Obwohl sie von ihren Vorgesetzten dazu ermutigt würden, sich an die Psychologen zu wenden, laute die Antwort der Polizeibeamten oft: „Ich brauche keine Hilfe. Schwierige Einsätze gehören zu meinem Beruf.“ Eine Einschätzung, welche von der Gewerkschaft der Polizei in dieser Form nicht geteilt wird und aus GdP-Sicht Gefahren birgt.

Dem Arbeitgeber sei hier kaum ein Vorwurf zu machen, betont der Gewerkschafter. Die vier Psychologen hätten gut zu tun, seien aber nicht überlastet. „Man würde den Polizisten gern mehr Hilfe anbieten, aber sie müssen auch wollen.“ Schuster empfiehlt, locker mit dem Thema umzugehen und so mögliche Barrieren abzubauen. „Wir sollten den Leuten sagen, es gibt da ein Angebot, geh doch einfach mal hin.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen