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Autoschieber-Prozess : Prozess wird ohne „Deal“ fortgesetzt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Weil die Staatsanwaltschaft ihnen nicht weit genug entgegenkommt, lehnen die sechs Bandenmitglieder Geständnisse vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) ab.

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Im Prozess um eine Serie von Transporter-Diebstählen vor dem Frankfurter Landgericht haben die Beteiligten gestern hinter verschlossenen Türen die Möglichkeiten für eine Abkürzung des Verfahrens ausgelotet. Einige Verteidiger stellten zuvor in Aussicht, dass sich ihre Mandanten zu den Vorwürfen äußern würden, wenn sie wüssten, welche Strafe sie in etwa zu erwarten haben.

Die sechsköpfige Bande aus Slonsk bei Küstrin soll zwischen 2012 und 2014 in wechselnder Besetzung 62 Mal zugeschlagen haben. Im Visier hatten sie dabei von der Uckermark bis in die Lausitz hochwertige Autos wie „Sprinter“ und „Crafter“. Das Diebesgut wurde hinter die Grenze in eine Garage geschafft, dort zerlegt und verkauft. Zwei Verdächtige wurden dank eines internationalen Ermittler-Teams vor mehr als einem Jahr in Polen gefasst. Sie sitzen seitdem im Gefängnis.

Geständnis gegen Strafnachlass, diese umstrittene Möglichkeit der Prozessbeschleunigung ist inzwischen gesetzlich klar geregelt. Dazu gehört, dass die Eckpfeiler eines möglichen „Deals“ öffentlich gemacht werden müssen. So berichtete der Vorsitzende Ulrich Karkmann im Anschluss an die Beratungen, dass es zu keiner Einigung gekommen sei. So würden die Anwälte für manche Angeklagten Freisprüche beziehungsweise Bewährungsstrafen anstreben. Konkret habe die Staatsanwaltschaft einem der Männer bei Geständnis eine Haftstrafe zwischen drei und vier Jahren in Aussicht gestellt – die Verteidiger pochen auf maximal zwei Jahre. Ein anderer Mann soll nach dem Willen der Anklage mindestens vier Jahre hinter Gitter, seine Anwälte halten ein Jahr weniger für ausreichend. Einzig der Anwalt des Bandenchefs zeigte sich über das Angebot zumindest gesprächsbereit. Als zu erwartende Strafe wurde in seinem Fall Haft „mit einer fünf vor dem Komma“ genannt.

Nun bleibt es also vorerst dabei, dass alle sechs Angeklagten schweigen. Mit Spannung wird deshalb am 10. Januar der Auftritt des wichtigsten Zeugen der Anklage erwartet. Jener Piotr S. war jahrelang Mitglied der Bande, bevor er Anfang 2015 geschnappt wurde. Piotr. S. hat vor Gericht die Beteiligung an 23 Diebeszügen eingeräumt und vier der jetzigen Angeklagten schwer belastet. Er profitiere von der Kronzeugenregelung und wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurtelt.  

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