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Aus dem Gerichtssaal : Prozess wegen dreifachen Mordes

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Februar tötete Jan G. seine Großmutter und auf der Flucht zwei Beamte. Ab heute steht der Angeklagte vor Gericht.

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Er hat seine Großmutter getötet und auf der anschließenden Flucht zwei Polizisten überfahren – heute beginnt vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) der Prozess gegen Jan G. Vorgesehen sind zunächst 18 Verhandlungstage bis in den Januar. Laut einer Gerichtssprecherin plant die Kammer die Vernehmung von 85 Zeugen. Außerdem sollen im Laufe des Verfahrens fünf Sachverständige gehört werden.

Der 25 Jahre alte Jan G. hatte am 28. Februar dieses Jahres in Müllrose (Oder-Spree) nach einem Streit um Geld seine Oma mit einem Messer getötet. Sie feierte an diesem Tag ihren 79. Geburtstag. Auf der anschließenden Flucht in dem Auto seiner Großmutter überfuhr der mehrfach Vorbestrafte im nahe gelegenen Oegeln zwei Polizisten, die seinen Wagen mit einem Nagelbrett stoppen wollten. Die zwei Familienväter, 49 und 52 Jahre alt, starben dabei. Es war das erste Mal seit mehr als 20 Jahren, dass brandenburgische Polizisten im Dienst getötet wurden. Die Beamten hinterlassen jeweils eine Frau und drei Kinder.

Zunächst war man davon ausgegangen, dass der Angeklagte wegen einer Schizophrenie als schuldunfähig gilt und ihm deshalb lediglich die Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung droht. Die Staatsanwaltschaft geht nun jedoch in ihrer mit nur geringen Änderungen vom Gericht zugelassenen Anklageschrift lediglich von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Sie strebt demnach eine Verurteilung wegen dreifachen Mordes und anschließende Sicherungsverwahrung an, um die Öffentlichkeit vor dem als gefährlich geltenden Mann zu schützen.

Schon vor dem Tod seiner Großmutter war G. wiederholt der Polizei aufgefallen – Drogenkonsum, schwerer Diebstahl und versuchter Raub waren die Gründe. Er ist jedoch zumeist mit Strafen davongekommen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. So waren nach den Verbrechen von Müllrose und Oegeln der Betreuer des Angeklagten und auch das Frankfurter Landgericht in die Kritik geraten. Denn nach seiner vorerst letzten Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung wiesen die Richter zunächst die Unterbringung des Mannes in eine geschlossene Psychiatrie an. Diese Maßnahme wurde jedoch nur wenige Wochen vor den drei Tötungsdelikten im Landkreis Oder-Spree zur Bewährung ausgesetzt. Obwohl er daraufhin gegen entsprechende Auflagen verstieß, wurde die Bewährung nicht widerrufen. Jan G. blieb auf freiem Fuß.

Zum heutigen Prozessauftakt sind laut Gerichtssprecherin bislang keine Zeugen geladen. Morgen sollen sechs Zeugen gehört werden, am Freitag drei. Nach dem Auftakt mit drei Verhandlungstagen in der ersten Woche jeweils ab 9 Uhr gibt es eine Pause. Das Verfahren wird dann am 7. November fortgesetzt. 

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