Verkehr : Prignitzer Schlaglöcher im Landtag

Eine Prignitzer Schlaglochpiste im Landtag: Die Gemeinde Plattenburg hofft auf die Freien Wähler.
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Eine Prignitzer Schlaglochpiste im Landtag: Die Gemeinde Plattenburg hofft auf die Freien Wähler.

Plattenburger Kommunalpolitiker informieren Fraktion BVB/Freie Wähler über den Zustand der Landesstraße 101 in Groß Gottschow

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24. Mai 2017, 04:55 Uhr

Eine Prignitzer Schlaglochpiste hat den Landtag erreicht: Gestern waren die Plattenburger Bürgermeisterin Anja Kramer, Gemeindevertreter Christopher Teschner und Bauamtsleiter Martin Nagel zu Gast in der Landtagsgruppe von BVB/Freie Wähler, um auf den Zustand der Landesstraße 101 im 170 Einwohner zählenden Ortsteil Groß Gottschow aufmerksam zu machen. Wie Nagel erklärte, habe man in einem Monat 525 Unterschriften dafür gesammelt, um die Infrastrukturministerin zu überzeugen, dass Verbesserungen nötig seien. Die Unterschriften werden an die Ministerin übergeben.

„Die Straße wurde vor 1914 gebaut, hat also schon ihr 100jähriges Jubiläum gefeiert“, sagte Gemeindevertreter Teschner. „Sie hat die Charakteristika eines Pferdekutschenwegs.“ Für die Anwohner und ein großes Unternehmen, dass dort seine Zufahrt habe, sei dies zu einer unzumutbaren Belastung geworden. Teschner warnte vor einer Abwanderung des Unternehmens wegen der desolaten Infrastruktur. Die Kosten einer Sanierung würden aus Sicht der Plattenburger rund 244 000 Euro betragen. Dass man sich an die Freien Wähler wende, hänge auch mit der Erfolglosigkeit an anderer Stelle zusammen. „Wir haben schon mit dem SPD-Abgeordneten Holger Rupprecht gesprochen“, sagte Nagel. „Er hat eine kleine Anfrage an die Landesregierung gerichtet – aber saniert worden ist die Straße nicht.“

Der Landtagsabgeordnete von BVB/Freie Wähler, Peter Vida, sagte, man müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Mittel für den Bau von Landesstraßen in Brandenburg nicht ausreichten. „Wir fordern eine Neupriorisierung dieser Straße“, sagte Vida. Bisher sei die Straße in Plattenburg im „Grünen Netz“ der Landesregierung kategorisiert. In besonderen Fällen könne es auch in diesem Netz Sanierungsarbeiten geben. „Und wenn die Abwanderung eines wichtigen Unternehmens droht, ist das eine ganz erhebliche Belastung.“

Hintergrund ist, dass das Land 100 Millionen Euro bis 2019 extra für die Sanierung der Ortsdurchfahrten von Landesstraßen bereitstellt. 62 Kilometer in der Prignitz fallen darunter, für keinen gibt es zusätzliches Geld. Und das, obwohl einige Ortsdurchfahrten im Bereich Karstädt vom Landesbetrieb für Straßenwesen und dem Infrastrukturministerium überprüft und ihr Zustand für katastrophal erachtet wurden. Das betrifft aus Sicht der Gemeinde besonders die Ortsdurchfahrten Karstädt/Postlin (L13 und L131), Laaslich und Lenzersilge (L12), Reckenzin, Pinnow und Pröttlin (L134), Streesow (L133) und Stavenow (L131, Kreuzungsbereich Kreisstraße 7037).

Besonders groß ist der Unmut auch in Laaslich (wir berichteten). Anwohnerin Angelika Schulz, frühere Ortsvorsteherin, hatte mit ihren Mitstreitern eine Unterschriftenliste auf den Weg gebracht und Behörden angeschrieben, auch das Ministerium, den Landrat und Bundestagsabgeordnete. Mehr als 120 Unterschriften übergab Angelika Schulz auf einer Gemeindevertretersitzung an Bürgermeister Udo Staeck. So können Gemeinde und Ortsteil den gemeinsamen Willen unterstreichen. „Es ist viel Geld da, für alles wird es dennoch nicht reichen“, so Staeck, man müsse abwarten, wie der Bund seine Zusage umsetzt, den Ländern mehr Geld für Infrastrukturmaßnahmen bereitzustellen.

In der Petition heißt es, dass man angesichts der immer prekärer werdenden Situation im Interesse von Betroffenen und der Wirtschaft eine Aufnahme der maroden Ortsdurchfahrten Karstädts in das 100-Millionen-Programm fordere. Die Gemeindevertreter votiert einstimmig für das Schreiben. Die Aussicht auf Erfolg bewertet Staeck als wenig realistisch. Denn das Straßennetzkonzept des Landes sieht drei Netzkategorien vor. Zur dritten Stufe, dem Grünen Netz, gehören weniger wichtige Landesstraßen in der Peripherie mit geringeren Ausbaustandards. Wichtige Verbindungsstraßen in und um Karstädt fallen unter diese Kategorie. Hier wird größtenteils nur nachgebessert.

„Inzwischen wird in Laaslich zwar ausgebessert, aber das kann auf Dauer keine Lösung sein“, so Angelika Schulz.  

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