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Brandenburg Meets Britain : Potsdamer zu Gast bei Queen-Garde

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Tag 2 des Besuchs der Brandenburger Delegation in London begann mit viel Pomp und Tradition

von
erstellt am 05.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Verwunderte Blicke, bremsende Autos, gezückte Smartphones. Sie sind in diesen Tagen in London die touristische Attraktion: die Langen Kerls. Die Potsdamer Riesengarde begleitet die brandenburgische Delegation zu offiziellen Anlässen, doch heute hat sie einen ganz besonderen Termin: Sie besucht die Grenadier Guards - eines der fünf Leibregimenter der Königin.

Das eiserne Tor der Kaserne schließt sich hinter ihnen. Über einen Innenhof geht es ins Hauptgebäude, hier erwartet Quartiermeister Matthews J Betts die Potsdamer. Keine Floskeln zur Begrüßung, der Umgangston ist freundschaftlich. Soldaten unter sich. Schaukästen mit Orden lassen die Tapete verschwinden, Zeichnungen erinnern an Kämpfe auf der Krim, an Einsätze im ersten Weltkrieg oder an jüngere Auseinandersetzungen.

Die Luft ist dick vor Tradition. 1656 wurde die Garde gegründet, jeder Zentimeter in den Räumen und Fluren erinnert an diese lange Geschichte. Mit den Preußen verbindet das Regiment eine besondere Erinnerung. General Wellington führte die verbündeten Truppen 1815 in die Schlacht bei Waterloo gegen Napoleon. Ob sein Spruch „Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen“ wahr sei, fragt Gerhard Schulze. Matthew Betts nickt, ja, so sei es gewesen.

Sie fachsimpeln über ihre Uniformen, über die exakten Gardemaße und die Preußen schmunzeln, denn mit knapp 1,88 Meter übertrumpfen sie die Briten um rund sechs Zentimeter.

Vom Hof schallen Kommandos empor. Ein Offizier brüllt Befehle. Die Langen Kerls werden unruhig. Zu gerne würden sie mit der Garde gemeinsam exerzieren, aber das war nicht abgesprochen. „Einen Kaffee und bisschen schwatzen“, sagt Johannes Sebastian Strauß. Mehr war nicht vereinbart und selbst das ist schon mehr, als sie sich erhofft hatten. Die Idee zu diesem Besuch stammt aus dem Jahr 2004. Damals besuchte die Queen Potsdam und die Langen Kerls erwiesen ihr die Ehre. "Seitdem wünschten wir uns diesen Gegenbesuch, doch 2006 war nur ein Foto vor dem Tor zum Buckingham Palast möglich", sagt Matthias Leyer. Der Major startete in diesem Jahr einen zweiten Versuch und hatte mehr Glück. "Sie haben uns tatsächlich eingeladen", sagt er. Dass die Einladung nicht beim Kaffee enden sollte, ahnte er nicht.

Matthew Betts klatscht in die Hände, schickt die Langen Kerls auf den Hof. Die Königsgarde unterbricht ihr tägliches Training. „Der Platz gehört euch“, deutet Betts an. Überraschung mischt sich mit Aufregung. Major Leyer lässt seine zwölfköpfige Truppe antreten. Aufstellung, Haltung annehmen. Sie marschieren, laden, legen die Waffe an. Alle Übungen erfolgen strikt nach dem preußischen Reglement-Buch von 1726. Die britischen Grenadiere schauen interessiert zu, bevor sie an der Reihe sind. Trommelwirbel. Knapp 20 Minuten exerzieren sie vor den Augen der Langen Kerls und vor gut 300 Schaulustigen, die entlang des Zauns Fotos machen. Applaus gibt es nicht, das wäre unpassend. Aber anerkennende Blicke auf beiden Seiten und immer wieder die Frage, ob die Langen Kerls wirklich nur ein Verein und keine reguläre Einheit seien.

„Das ist bewegend, eine Auszeichnung für uns“, meint Grenadier Uwe Rohloff nach dem gemeinsamen Gruppenfoto. Das dürfe man sich nicht einmal wünschen, allenfalls davon träumen. Bert Voigt nickt zustimmend. Egal was sie bisher erlebt hatten und noch erleben werden: „Das ist der Höhepunkt unserer Reise.“ Vielleicht sogar des ganzen bisherigen Vereinslebens. Für Matthias Leyer steht außer Frage, dass heute ein Stück Deutsch-Britische Geschichte geschrieben wurde.

Das gemeinsame Marschieren nur knapp 400 Meter vor den Toren des Buckingham Palastes hat es bisher nie gegeben und wird sich wohl auch nicht wiederholen. Für Johannes-Sebastian Strauß ist das der Grund für eine sehr persönliche Geste. Zum Abschied überreicht er Matthew Betts sein Reglement-Buch mit persönlichen Notizen. Es soll einen würdigen Platz im Museum der Garde bekommen, verspricht der Quartiermeister. Vielleicht ja neben einem Bild von Generell Wellington oder der Schlacht bei Waterloo.
 

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