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Von DDR-Geschichte bis Digitalisierung : Potsdamer Historiker mit Jubiläum

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Von der DDR-Geschichte bis zur gesamteuropäischen Perspektive – Zentrum für Zeithistorische Forschung ist seit 1992 breit aufgestellt

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Nach einer wechselvollen Entwicklung begeht das Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam sein 25-jähriges Bestehen. Dazu wird es am Donnerstag eine Festveranstaltung und ein Kolloquium geben. Am Zentrum arbeiten über 100 Mitarbeiter, davon rund 85 Wissenschaftler. „Wir beschäftigen uns mit der Vorgeschichte der Gegenwart“, sagte Direktor Frank Bösch Dabei habe das Institut neue Themen mit Akzenten auf der Kultur- und Sozialgeschichte gesetzt.

Das Zentrum entstand 1992 als Forschungsschwerpunkt Zeithistorische Studien, der ost- und westdeutsche Wissenschaftler zusammenführte. Seit 1996 trägt es den heutigen Namen und seit 2009 gehört die von Bund und Ländern finanzierte Einrichtung zur Leibniz-Gemeinschaft. Anfangs ging es vor allem um DDR-Geschichtsschreibung, später um vergleichende Kommunismus- und Diktaturforschung und die jüngere gesamtdeutsche Zeitgeschichte im internationalen Zusammenhang. Bösch leitet das Institut gemeinsam mit Martin Sabrow.

Ein größeres Projekt untersucht derzeit die gesellschaftliche Bedeutung von Computern seit den 1950er Jahren und wie sich durch sie Militär, Versicherungen und Banken wandelten. „Das zeigt, wie sich etwa eine Kreditvergabe verändert, wenn der Mitarbeiter per Computer entscheidet“, so Bösch.

Auch die Zeit nach dem Nationalsozialismus ist Gegenstand am ZZF. Im März 2018 soll eine Studie erscheinen, die die Kontinuität des Personals in den Innenministerien beider deutscher Staaten analysiert. Woher nach 1949 die Mitarbeiter in Ost und West kamen und welche politische Folgen die Zusammensetzung hatte, ist laut Bösch eine zentrale Frage.

Für das westdeutsche Innenressort etwa seien 330 Biografien durchleuchtet worden, für den Osten rund 1000. Danach waren 1960 zwei Drittel der leitenden Mitarbeiter im West-Ministerium früher in der NSDAP gewesen. In der DDR waren es den Angaben zufolge deutlich weniger, aber immerhin rund sieben Prozent.

Das ZZF engagiert sich zudem in der öffentlichen Geschichtsvermittlung. So erarbeitet es zeithistorische Ausstellungen und betreibt Online-Fachportale. Das Interesse sei immens, sagte Bösch. Portale wie „Zeitgeschichte online“ oder „Docupedia“ erreichten 150 000 bis 200 000 Besucher pro Jahr, die „Chronik der Mauer“ rund eine Million Seitenaufrufe.

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